Schaurig-schöne, vergessene Stadt: Lost Places in München

Es gibt sie auch in München: Orte, an denen die Zeit stillzustehen scheint. Sie sind einen Abstecher wert.
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Das alte, hölzerne Kassenhäuschen.
Das alte, hölzerne Kassenhäuschen. © Laura Bachmann und Anne Dreesbach

München - Wagen Sie einen Streifzug zu Orten in München, die verlassen sind oder in Vergessenheit geraten! Am langen Wochenende wird es wegen der Zeitumstellung ohnehin düsterer. Da kann man ja auch ein kleines Gruselgefühl riskieren, wie etwa bei dem Friedhof, der wohl Bram Stoker, Schöpfer von Dracula, inspiriert hat. Oder man begibt sich auf die Spuren alter Industrie in München, die heute - denkmalgeschützt - ungenutzt vor sich hin darben und langsam verblassen.

Die fünf Orte, an die wir Sie auf dieser Seite entführen, stammen alle aus dem Buch "Lost & Dark Places München" von Laura Bachmann und Anne Dreesbach (Bruckmann, 20 Euro). Illustriert mit schaurig-schönen oder faszinierend verlassen wirkenden Bildern ist dieser etwas andere München-Führer sicher ein guter Begleiter durch die nebelig-trübe Herbstzeit.

Das Buch "Lost & Dark Places München" von Laura Bachmann und Anne Dreesbach.
Das Buch "Lost & Dark Places München" von Laura Bachmann und Anne Dreesbach. © Laura Bachmann und Anne Dreesbach

Das Schwimmbad ohne Badegäste

Kaum zu glauben, dass bis Mitte der 90er hier noch Trubel war! Im aufgegebenen Freibad St. Floriansmühle räkelten sich noch in den 80ern bekannte Münchner und solche, die es werden wollten, in der Sonne. Die Anlage rund um den Garchinger Mühlbach, einst sogar Drehort für Teile der "Unendlichen Geschichte", ist heute ein verlassenes Platzerl, das sich die Natur langsam, aber sicher zurückholt. Das hat aber auch seine charmanten Seiten. Denn der interessierte Besucher findet hier noch alte Holzschilder, die in Schnörkelschrift vor Taschendieben warnen. Oder pittoresk vor sich hin rostende Geländer. Kamera einpacken, heißt es hier, wenn schon die Badehose daheim bleiben muss!

Rosmarinstr. 9 (Freimann)

Das alte, hölzerne Kassenhäuschen.
Das alte, hölzerne Kassenhäuschen. © Laura Bachmann und Anne Dreesbach

Die Welt steht still

Die Ziegeleien haben den Münchner Osten geprägt, mehr als 100 von ihnen gab es im Laufe der Jahre. Der Bedarf an Arbeitern war zwischenzeitlich so groß, dass noch im 19. Jahrhundert Arbeiter aus dem Friaul als Saisonarbeiter regelmäßig nach München kamen, um hier die roten Klötze zu brennen. Heute ist nur noch eine Ziegelei in München erhalten. Die von August Haid. Gut für Nostalgiker: Sie steht unter Denkmalschutz. Von 1901 bis 1965 wurden hier Mauersteine gefertigt. Das Areal darf leider nicht betreten werden. Trotzdem bekommt man auch vom Zaun aus schon einen guten Eindruck von der Fläche. Zu den Ziegeleien im Osten gibt es auch einen Themengeschichtspfad der Stadt. Dieser startet an der Englschalkinger Str. 166 (U-Bahn Arabellapark), dauert drei Stunden und endet an der Alten Ziegelei (S-Bahn Englschalking).

An der Salzbrücke 39 (Oberföhring)

Die stillgelegte Ziegelei.
Die stillgelegte Ziegelei. © Laura Bachmann und Anne Dreesbach

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Auf Draculas Spuren

Fans von Bram Stokers Dracula wissen vielleicht, dass der Beginn der Saga ursprünglich in München spielen sollte. Erst eine später veröffentlichte Kurzgeschichte brachte die Figur Jonathan Harker, der Mann, der für Dracula ein Immobiliengeschäft abwickeln sollte, an die Isar. Harker besucht in der Geschichte einen abgelegenen Friedhof bei Sturm, entdeckt eine aufgebahrte Frau mit blutroten Lippen, verliert das Bewusstsein und wird von einem mysteriösen Suchtrupp gerettet. Kenner sind sich sicher, das Vorbild für die Szenerie liegt in Berg am Laim, wo früher die Siedlung Pachem war. Warum also nicht eine Runde über den Friedhof von St. Stephan drehen? Übrigens: Die Kirche ist die älteste urkundlich erwähnte Kirche Münchens.

Baumkirchner Str. 39

Dieser Friedhof könnte Weltliteratur inspiriert haben.
Dieser Friedhof könnte Weltliteratur inspiriert haben. © Laura Bachmann und Anne Dreesbach

Eine tödliche Stadtmauer

Diese Mauern waren nicht nur zum Schutz der Mitbürger da, manche von ihnen fanden hier ihren Tod. Im Jungfernturm, der Teil der Stadtbefestigung war, war eine Folterkammer untergebracht. Errichtet wurde der Jungfernturm, an den heute nur noch eine Tafel erinnert, im Jahre 1493. Eine damals populäre sowie brutale Methode der Strafe war die Eiserne Jungfrau. Darunter versteht man einen sarg-ähnlichen Hohlkörper, der innen mit Nägeln gespickt war. Die Menschen, die sich in ihn begeben mussten, bluteten langsam aus und starben so einen qualvollen Tod. Prozesse gab es zwar auch damals, doch deren Urteil stand immer schon vorab fest. Wer also in den Jungfernturm gesperrt wurde, der kam hier nicht mehr lebend heraus. Der Turm selbst ist wie bereits erwähnt inzwischen nicht mehr existent. Doch andere Teile der Backsteinmauern kann man auch heute noch betrachten.

Jungfernturmstraße zwischen Maximiliansplatz und Salvatorplatz

Eine Tafel erinnert an den Turm, der nicht mehr ist.
Eine Tafel erinnert an den Turm, der nicht mehr ist. © Laura Bachmann und Anne Dreesbach

Die schlafende Villa

Verfallene Villen sieht man in München deutlich seltener als in anderen Städten. Zu lukrativ sind hier die Immobilienpreise. Eine Ausnahme befindet sich in Laim. In der Neuburgerstraße kann man einer einst schmucken Villa beim Verfall zuschauen. Die Fenster sind eingebrochen, die Bausubstanz hat bereits bessere Tage gesehen. Das mehrstöckige Haus wurde in den Jahren 1903/04 vom Klavierbauer Valentin Berdux errichtet. Die Familie des jetzigen Besitzers erwarb das Haus in den 1920er Jahren. Eigentlich gibt es bereits Umbaupläne, doch noch ist die Villa im Dornröschenschlaf.

Neuburgerstr. 8 (Laim)

Schöne alte Holztüren, aber zerborstene Fenster: das verlassene Haus in Laim.
Schöne alte Holztüren, aber zerborstene Fenster: das verlassene Haus in Laim. © Laura Bachmann und Anne Dreesbach
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