Sanierung des Viktualienmarkts: Münchens Markt bleibt sich treu

Der Viktualienmarkt soll "behutsam und liebevoll" saniert werden - für einen zweistelligen Millionenbetrag. Das könnte fünf bis acht Jahre dauern.
| Irene Kleber
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Sonnig, beschaulich und weitgehend maskenfrei: der Viktualienmarkt am Dienstagvormittag.
Sonnig, beschaulich und weitgehend maskenfrei: der Viktualienmarkt am Dienstagvormittag. © Daniel von Loeper

München - Ein beschaulicher Vormittag war das am Dienstag am Viktualienmarkt in der Altstadt - und am Duftschmankerlstand war eine fröhliche Elke Fett anzutreffen, munter ratschend mit der Standlkollegin Manuela Wilkerson, die vom Wurstimbiss Teltschik herübergeschaut hat.

Kristina Frank spricht von "Frischzellenkur" für den Viktualienmarkt

"Super ist das", sagt Elke Fett zur AZ, "genau das, was wir brauchen!" Am Vorabend nämlich hatte Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) die Standl-Leute im Wirtshaus Pschorr zusammengerufen, um zu erklären, wie es mit der geplanten Sanierung des Viktualienmarkts weitergehen soll.

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Heraus kam, zur Freude besorgter Händler: Erst mal ändert sich nicht viel. Frühestens ab Mitte der 20er Jahre soll "sanft, liebevoll und behutsam" saniert werden, erklärte Kristina Frank am Dienstag dann auch auf einem Pressetermin. Der Viktualienmarkt solle nur eine "Frischzellenkur" bekommen, damit sein Charme erhalten bleibt.

Nach der Sanierung unbefristete Verträge für Markthändler

Die historischen Holzhäusl mit Kupferdach, von denen viele aus der Nachkriegszeit stammen, würden einzeln modernisiert, Abteilung für Abteilung. Einige sollen mehr Platz bekommen, indem Keller, die oft nur 1,50 Meter hoch sind, vergrößert werden.

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Die jeweils betroffenen Händler (insgesamt 106 auf 19.000 Quadratmeter Marktfläche) können derweil in Interims-Standl auf dem Viktualienmarkt umziehen - und jeder, der jetzt einen Verkaufsstand hat, dürfe nach der Sanierung zurück an seinen Platz. Etliche Markthändler haben aktuell befristete Verträge mit der Stadt, sie sollen nach der Sanierung unbefristete Verträge bekommen.

Wie sicher ist der Viktualienmarkt?

In den Marktabteilungen 2 und 6 sind auch zwei Kellerneubauten vorgesehen, für Lager, Technik und Toiletten für Händler und Besucher. Spannend wird sein, ob sich hier im Boden womöglich beim Tiefergraben Bodendenkmäler finden - oder alte Kampfmittel.

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Das könnte die Pläne freilich erheblich verzögern. Auch über die Sicherheit am Markt will man sich Gedanken machen, erklärte Kristina Frank: Soll man Poller einbauen, die bei Gefahrenlagen aus dem Boden gefahren werden können? Oder eher feste Abgrenzungen mit Blumenkübeln?

Viktualienmarkt: Am Donnerstag Prüfung der Bausubstanz

Schon am Donnerstag soll das Münchner Architekturbüro "Bogevischs Büro" bei einer ersten Begehung die Bausubstanz dokumentieren. Vertieft werden soll das im Juli, und bei einer dritten Begehung, deren Termin noch unklar ist, soll ein Gutachter Proben in Innen- und Außenräumen und in den Kellern machen.

Viktualienmarkt-Sanierung: 2023 Entscheidung über Projektauftrag

"Danach können wir die Kosten klar formulieren", sagt Architekt und Mit-Inhaber Rainer Hofmann. Aktuell ist nur von einem "deutlich zweistelligen" Millionenbetrag die Rede.

Kommunalreferentin Kristina Frank und Architekt Rainer Hofmann vom Büro Bogevischs Architekten am Karl-Valentin-Brunnen.
Kommunalreferentin Kristina Frank und Architekt Rainer Hofmann vom Büro Bogevischs Architekten am Karl-Valentin-Brunnen. © Maren Kowitz

2023 soll schließlich der Stadtrat über den Projektauftrag entscheiden. Wenn dann die - Corona-bedingt leere - Stadtkasse nicht viel besser gefüllt ist als jetzt, könnte es noch ein bissl länger dauern, bis sich was ändert am Viktualienmarkt.


Umfrage: Das sagen Stand-Betreiber zu den Umbau-Plänen

"Genau das, was wir brauchen": Elke Fett, hier an ihrem Duftschmankerl-Stand am Viktualienmarkt.
"Genau das, was wir brauchen": Elke Fett, hier an ihrem Duftschmankerl-Stand am Viktualienmarkt. © Daniel von Loeper

 

Räucherkistl-Mitinhaber Erwin Noll (64): "Ich bin der Meinung, dass am Viktualienmarkt etwas gemacht werden muss. Es gibt marode Hütten und Keller. Ich bin zuversichtlich, dass es gewissenhaft gemacht wird. Und wenn es fertig ist, dann wird es super sein. Die Umbauten werden aber lange dauern."
Räucherkistl-Mitinhaber Erwin Noll (64): "Ich bin der Meinung, dass am Viktualienmarkt etwas gemacht werden muss. Es gibt marode Hütten und Keller. Ich bin zuversichtlich, dass es gewissenhaft gemacht wird. Und wenn es fertig ist, dann wird es super sein. Die Umbauten werden aber lange dauern." © Daniel von Loeper

 

Blumen-Standlbesitzerin Inge Rainer (69), hier mit ihrem Sohn Stefan (30): "Es ist wichtig, dass der Markt so bleibt, wie er ist. Ein bisschen skeptisch sind wir schon, ob das gelingt. Wir machen uns Sorgen, dass der Charme des Viktualienmarkts verloren geht. Wir sind ja ein Markt und kein Kaufhaus."
Blumen-Standlbesitzerin Inge Rainer (69), hier mit ihrem Sohn Stefan (30): "Es ist wichtig, dass der Markt so bleibt, wie er ist. Ein bisschen skeptisch sind wir schon, ob das gelingt. Wir machen uns Sorgen, dass der Charme des Viktualienmarkts verloren geht. Wir sind ja ein Markt und kein Kaufhaus." © Daniel von Loeper
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