Sammelgaragen in München: Zwist um einen rostroten Parkklotz

Der Stadtrat will mehr Sammelgaragen in Neubaugebieten. Doch ein architektonisches Vorbild dafür finden nicht alle hübsch.
| Emily Engels
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Sammelgaragen sollen in München die Parkplatzsituation entspannen. (Symbolbild)
imago images / Just Pictures Sammelgaragen sollen in München die Parkplatzsituation entspannen. (Symbolbild)

Der Stadtrat will mehr Sammelgaragen in Neubaugebieten. Doch ein architektonisches Vorbild dafür finden nicht alle hübsch.

München - Ist der rostrote Klotz, der im Kopenhagener Stadtteil Nordhavn steht, ein Beispiel für gelungene Architektur? Darüber lässt sich streiten, wie sich am Mittwoch im Stadtrat zeigte. Dabei wollte Paul Bickelbacher von den Grünen mit dem Foto, das er stolz von der Kopenhagener Sammelgarage präsentierte, bloß zeigen, wie schön der Vorschlag auch in München umgesetzt werden könnte. Hintergrund: Die Grünen und die SPD wollen, dass in Münchner Neubauvierteln in Zukunft eine Quartiersgarage für alle gebaut wird. Die soll dann die jeweiligen Tiefgaragenstellplätze in oder Parkplätze vor den Wohnhäusern ersetzen. Dafür hat der Stadtrat am Mittwoch im Planungsausschuss gestimmt.

Bickelbacher erklärt: "Wenn die Stadt kompakter wird, dann müssen wir öffentliche Räume besser nutzen." Durch Sammelgaragen passiere das. Allein schon, weil die Straßen ruhiger seien, wenn weniger Autos direkt vors Haus fahren. "Wenn das Auto etwas weiter weg steht, dann stellt sich zudem automatisch die Frage, ob es nicht einfacher geht mit dem Radl oder dem ÖPNV", sagt Bickelbacher. Also ein Plan, der die Verkehrswende zum ultimativen Ziel hat.

CSU kritisiert den grün-roten Vorstoß

Die Opposition sieht den grün-roten Vorstoß kritischer. Stadtrat Alexander Reissl (CSU) erklärt: "Wir sind nicht grundsätzlich gegen Quartiersgaragen. Aber wir möchten vermeiden, dass die zum Regelfall wird." Seine Parteikollegin Heike Kainz befürchtet: "Die Sammelgaragen werden zusätzlich Lieferverkehr erzeugen! Die Menschen werden noch mehr online bestellen." Nicht nur Lastwagen, sondern auch Anwohner würden mehr hin – und herfahren.

Etwa, wenn sie Einkäufe erst daheim abladen und danach wieder zurück zur Sammelgarage fahren müssten. Kainz glaubt auch: "Es wird kaum möglich sein, mit Quartiersgaragen den gesamten Bedarf abzudecken. Vor allem bei großen Gebieten wie Freiham."

Unabhängig von den Bedenken sei das Ganze auch — und jetzt kommt gleich Kopenhagen ins Spiel — eine Frage der Ästhetik, sagt Reissl. Er findet: "Es ist auch eine städtebauliche Frage, wo große Sammelgaragen stehen können und wo man besser auf sie verzichtet?" Ja, die architektonische Qualität sei sehr wichtig, findet auch Bickelbacher. Ein gutes Beispiel hierfür sei Kopenhagen.

Der SPD gefällt die rote Sammelgarage

Die Koalitionspartner sind jedoch offenbar die einzigen im Stadtrat, die den Anblick der Kopenhagener Sammelgarage auch so hübsch finden. "Vielleicht liegt es an der rot angehauchten Farbe", scherzt SPD-Fraktionschef Christian Müller.

Kainz appelliert, dass wenn schon Sammelgarage "bitte in einer etwas hübscheren Form". Am wenigsten begeistert ist Gabriele Neff (FDP). "Es stößt schon ab, wenn man das sieht", sagt sie mit Blick auf das Beispiel-Foto. Neff an Grün-Rot: "Wenn das euer Geschmack ist, dann gute Nacht München."

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