S8-Ausbau: Stadträte sauer auf Deutsche Bahn

Die Kritik aus dem Rathaus: Betroffene Bürger werden erst nach Abschluss der Planungen informiert.
| Emily Engels
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Wer zum Flughafen kommt, muss froh sein, wenn die pannengeplagte S8 pünktlich einfährt.
Peter Knefel/dpa Wer zum Flughafen kommt, muss froh sein, wenn die pannengeplagte S8 pünktlich einfährt.

München - Die pannengeplagte Flughafen-S-Bahn S8 soll zuverlässiger werden. Die Bahn plant einen Ausbau der Trasse. Doch jetzt gibt es Ärger um die Pläne. Offenbar im stillen Kämmerlein untersucht die Bahn die drei verschiedenen Varianten für den Ausbau zwischen Daglfing und Johanneskirchen.

Rathaus-Kritik an Deutscher Bahn

Dabei hatte der Stadtrat im September – fraktionsübergreifend – beantragt, dass die Bahn bei den Vorplanungen die betroffenen Anwohner mit einbeziehen und informieren soll.

In einer Vorlage, die Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) am Mittwoch mit dem Stadtrat besprechen möchte, heißt es von der Bahn: "Eine Einbindung der Anwohner soll nur im Rahmen einer Info-Veranstaltung über das Ergebnis der Grob-Variantenuntersuchung 2020 erfolgen."

Sprich: Erst, wenn eigentlich die Variante schon entschieden ist! Zum aktuellen Ablauf: Die drei Varianten zum viergleisigen Ausbau der derzeit zweigleisigen Strecke werden gerade von einem Trassierungsexperten der Universität Innsbruck im Auftrag der Bahn geprüft.

Drei Varianten werden geprüft

Es geht um drei Varianten, die geprüft werden: Einen ebenerdigen Ausbau, einen Trog (also abgesenkte Bahnschienen) oder einen Tunnel. Seitens der Stadt kommt eigentlich nur eine Tunnellösung in Betracht.

Stadträtin Heide Rieke (SPD) hatte im September die Stadträte zu dem gemeinsamen Antrag mobilisiert. Sie schimpft jetzt: "Das Vorgehen der Deutschen Bahn geht überhaupt nicht." Schließlich geht es beim S8-Ausbau um eine viergleisige Trasse, die mitten durch ein urbanes Gebiet verlaufen soll.

"Wenn kein Tunnel kommt, hat die Trasse eine riesige Trennwirkung", warnt Rieke. Sie sagt: "Ein solches Projekt kann man nicht erst entscheiden – und dann die Einwohner hinterher mit einbeziehen." Auch CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sagt: "Die Bahn muss verstehen, dass es bei diesem sensiblen Projekt nicht ausreichen wird, eine Informationsveranstaltung nach Schema F abzuhalten."

Bahn beteuert Dialogbereitschaft

Die Bahn beteuert auf Anfrage der AZ – trotz der Aussage in Merks Vorlage – wie wichtig ihr der Dialog mit der Bevölkerung sei. Sie verweist auf eine Projektseite und eine E-Mail-Adresse, an die Bürger sich wenden können. Zudem sei ein Projektteam im engen Kontakt mit dem Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen.

Rieke kritisiert: "Bisher hat der Austausch nur im nicht-öffentlichen Teil des BA stattgefunden. Ein Bürgerdialog sieht für mich anders aus." Und FDP-Fraktionschef Michael Mattar spricht von einem "Unding", wie die Bahn vorgeht. Im BA habe es längst nicht auf alle Fragen Antworten gegeben.

Reiter: "Werde Bürgerbeteiligung einfordern"

OB Dieter Reiter (SPD) kündigt an: "Ich werde bei der Bahn eine frühzeitige, umfassende Bürgerbeteiligung einfordern. Es ist wichtig, dass die Veranstaltung gerade vor der Entscheidung über die Grob-Vorzugsvariante stattfindet – und damit Einfluss auf das Ergebnis der Untersuchung hat."

Zudem werde die Stadt sich beim Freistaat weiterhin für eine finanzielle Unterstützung für das 2,3-Milliarden-Projekt einsetzen, kündigt Reiter an. Denn wie viel die Stadt von den Gesamtkosten übernehmen muss, ist noch unklar.

Auch Merk signalisiert: "Das Planungsreferat wird das Ergebnis der Untersuchung der Bahn überprüfen." Hierzu werde man ein externes Ingenieurbüro beauftragen. Kosten: 95.000 Euro. Jedoch ein Klacks im Vergleich dazu, was die Stadt bis 2023 allein für die Beteiligung an den Planungskosten zahlen muss: Hier stehen 20 Millionen Euro im Raum.

Lesen Sie hier: Dieter Reiter schafft drei E-Scooter fürs Rathaus an

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