Privileg Bier-Ausschank geriet in die Kritik

Auf der Wiesn sind nur die sechs großen Münchner Traditionsbrauereien zugelassen. Die Grünen hatten daran gerüttelt – jetzt erteilt das Wirtschaftsreferat ihnen eine Absage
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Das Münchner Kindl mit Hammer und Bierkrug
Petra Schramek Das Münchner Kindl mit Hammer und Bierkrug

Auf der Wiesn sind nur die sechs großen Münchner Traditionsbrauereien zugelassen. Die Grünen hatten daran gerüttelt – jetzt erteilt das Wirtschaftsreferat ihnen eine Absage

MÜNCHEN Bier auf der Wiesn auszuschenken ist ein Privileg. Und das haben bekanntlich nur die sechs „leistungsfähigen und bewährten Münchner Traditionsbrauereien“ inne. So ist es in den Betriebsvorschriften festgelegt.

Darf das so sein? Das wollten die Grünen in einer Stadtratsanfrage wissen – und rüttelten damit im August an einem Brauch. Jetzt hat Wirtschaftsreferent Dieter Reiter ihnen geantwortet. Das Fazit seiner Auskunft lautet flapsig zusammengefasst: Alles paletti, die Beschränkung hat schon ihre Richtigkeit. So weit, so wenig überraschend. Interessanter ist die Argumentation. Zum Beispiel zum Thema Eigentumsverhältnisse bei den Brauereien.

Denn Marken wie Franziskaner, Spaten und Löwenbräu gehören zu einem belgisch-brasilianischen Großkonzern. Bei der Paulaner-Gruppe wiederum hat Heineken die Hände mit im Spiel. Es gibt Stimmen, die die Bezeichnung „Münchner Traditionsbrauereien“ in diesem Zusammenhang kritisch sehen.

Das Wirtschaftsreferat findet die Eigentumsverhältnisse dagegen „unerheblich, da eine Münchner Brauerei nur dann als Münchner Brauerei angesehen wird, wenn ihre Produktionsstätte im Münchner Stadtgebiet liegt.“ Die Frage der Zulassungsbeschränkung sei vom Landgericht MünchenI als Kartellgericht schon 1990 überprüft und für „sachgerecht“ befunden worden. Damals hatte Luitpold Prinz von Bayern versucht, mit seinem Bier auf die Wiesn zu kommen – vergeblich.

Die Grünen machten sich in ihrer Stadtratsanfrage insbesondere für kleine Sudstätten stark: „Gerade angesichts des „stolzen“ Bierpreises stünde der Wiesn „ein fairer Wettbewerb unter Zulassung weiterer mittelständischer und kleiner Anbieter gut zu Gesicht“.

Doch so wollte Referent Reiter das nicht gelten lassen. Denn einerseits spielten bei der Preis-Kalkulation noch andere Posten als nur der Bier-Einkauf eine Rolle. Und: „Daneben können die Großbrauereien das Bier auch günstiger anbieten, da ihr Ausstoß an Bier größer ist als bei kleinen und mittleren Brauereien.“ Billigeres Bier durch mehr Zulassungen – das sei nicht zwangsläufig richtig.

Es bleibt also dabei: Am Wiesnbier-Himmel soll es keine Götter neben Augustiner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Paulaner, Spaten und dem Staatlichen Hofbräuhaus geben. Auch für heuer hatten sich fünf Umland-Betriebe beworben. Und eine Absage bekommen. Julia Lenders

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