Streit um Zeltvergabe: Gericht gibt erste Einschätzung zur Wiesn-Zukunft

Der gerichtliche Antrag eines Wirts könnte das Vergabesystem für die begehrten Wiesnzelte auf den Kopf stellen. Eine Woche vor Beginn des Oktoberfestes wird darüber vor Gericht gestritten.
AZ/dpa |
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Der Kläger Alexander Egger (3.v.r.) steht im  Gerichtssaal zwischen zwei seinen Anwälten Maximilian Schmid (r-l), Benno Ziegler, Walter Frenz, Bernhard Stolz, Pascal Friton und Juliana Wimmer. Das Bayerische Oberste Landesgericht befasst sich mit der Klage, dass große Festzelte am Oktoberfest nicht nach europäischem Vergaberecht ausgeschrieben werden.
Der Kläger Alexander Egger (3.v.r.) steht im Gerichtssaal zwischen zwei seinen Anwälten Maximilian Schmid (r-l), Benno Ziegler, Walter Frenz, Bernhard Stolz, Pascal Friton und Juliana Wimmer. Das Bayerische Oberste Landesgericht befasst sich mit der Klage, dass große Festzelte am Oktoberfest nicht nach europäischem Vergaberecht ausgeschrieben werden. © dpa/Tobias Hase

Das Bayerische Oberste Landesgericht verhandelt einen Antrag mit Zündstoff: Gestritten wird darüber, ob die begehrten großen Wiesn-Bierzelte nach europäischem Vergaberecht zugeteilt werden müssen. Das will der Wirt Alexander Egger erreichen. Doch das Gericht sieht nach einer vorläufigen Einschätzung keine Pflicht für eine europaweite Ausschreibung. Eine Entscheidung ist damit aber nicht gefallen. 

"Schwierige Fragen"

"Der Fall wirft wirklich schwierige Fragen auf", die von dem Antragsteller berechtigt gestellt worden seien, räumte der Vorsitzende Richter Paul Heinrichsmeier in der Verhandlung ein. Dennoch folge das Gericht - eben nach vorläufiger Rechtsauffassung - nicht dem Antrag Eggers. 

Im Kern ging es laut Heinrichsmeier darum, ob es sich bei der Zulassung von Wirten für die Plätze der großen Bierzelte um eine Dienstleistungskonzession handelt. Hierfür relevant sei die Frage, ob es für die zugelassenen Wirte eine Betriebspflicht gebe. Dies gehe jedoch aus den neuen Verträgen für die Wirte nicht hervor, auch wenn es hier einen gewissen Widerspruch gebe, sagte Heinrichsmeier. 

Man sehe keinen Anlass, den Fall dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorzulegen. 

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Betriebspflicht der Wirte?

Dies kritisierten die Anwälte von Alexander Egger scharf. Es sei ein "starkes Stück", den Fall nicht dem EuGH vorzulegen. Außerdem stellten Eggers Vertreter - fünf Anwälte und ein Universitätsprofessor - in Frage, dass es keine Betriebspflicht gebe. "Geht hier wirklich irgendjemand im Saal davon aus, dass es der Stadt egal ist, ob die Festzelte aufgesperrt werden?", rief einer der Anwälte. Es sei realitätsfern anzunehmen, dass die Wirte machen könnten, was sie wollten. Anwalt Benno Ziegler sagte, die Streichung der Betriebspflicht sei rein ein juristisches Konstrukt, um das Verfahren zu gewinnen. 

Konkret hat Egger eine Prüfung der EU-Ausschreibung für das berühmte Anzapfzelt Schottenhamel und das Paulaner-Festzelt beantragt. Sollte sein Antrag doch erfolgreich sein, hätten die beiden Plätze EU-weit ausgeschrieben werden müssen - und das hätte voraussichtlich Auswirkungen auf die Zulassungsregeln in Zukunft. Das Gericht will am 16. Oktober seine Entscheidung verkünden.

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9 Kommentare
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  • Schafhirte am 11.09.2026 19:42 Uhr / Bewertung:

    Dienstpflicht hin oder her. Es ist doch ein Selbstläufer zum Gelddrucken,wenn man denn Wirt einer großen Festhalle ist. Man könnte insoweit auch von einer "faktischen Dienstpflicht" ausgehen....nur so als kleiner Denkanstoß für die Juristerei...Prost.

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  • Mallory am 11.09.2026 17:41 Uhr / Bewertung:

    Man kann die Ausschreibungsrichtlinien für die großen Zelte natürlich so gestalten, dass ein Neubewerber gegen einen Platzhirschen überhaupt keine Chance hat. Solange ein bisheriger Wies-Wirt keine Steuern hinterzieht oder sonst krumme Geschäfte macht, bekommt er sein Zelt jedes Jahr wieder. Eigentlich kann man sich den ganzen Ausschreibungszirkus sparen, ist eh nur eine Farce. Die Stadt soll einfach die bisherigen Wiesn-Wirte fragen, ob sie im Nächsten Jahr wieder Bock auf 7-stellige Gewinne haben und aus.

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  • Der wahre tscharlie am 11.09.2026 17:33 Uhr / Bewertung:

    Dass die Tradition des Oktoberfestes und die Bierzeltvergabe vehement verteidigt wird, ok.
    Aber ich glaube, dass es früher oder später zu einer EU-weiten Ausschreibung kommen wird.

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