Reservierung billiger? Schmid legt sich mit Wiesn-Wirten an

Der neue Wirtschaftsreferent Josef Schmid legt sich mit den Zeltbaronen auf der Wiesn an: Er will als Obergrenze für den „Mindestverzehr“ pro Person 35 Euro festlegen.
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Der neue Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) geht auf Konfrontationskurs mit seinen Wiesn-Wirten.
dpa Der neue Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) geht auf Konfrontationskurs mit seinen Wiesn-Wirten.

Der neue Wirtschaftsreferent Josef Schmid legt sich mit den Zeltbaronen auf der Wiesn an: Er will als Obergrenze für den „Mindestverzehr“ pro Person 35 Euro festlegen.

München - Es ist sein erstes Jahr als neuer Wiesn-Chef – und schon legt sich Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) mit den mächtigen Wiesn-Wirten an: Bis zu 85 Euro müssen Oktoberfest-Gäste als „Mindestverzehr pro Person“ hinlegen, wenn sie einen Platz im Festzelt vorab reservieren wollen.

Lesen Sie hier: Oktoberfest-Reservierung: Die Kosten für alle Zelte

Sogar in den kleineren Zelten sind abends um die 50 Euro pro Kopf fällig. Macht für eine vierköpfige Familie den satten Betrag von 200 bis 340 Euro. Ohne Fahrgeschäfte, Lollis und Zuckerwatte.

Zu viel, findet Josef Schmid – und will nun für die Wirte einen Höchstwert festlegen:

„Eine Reservierung auf der Wiesn pro Person sollte grundsätzlich nicht teurer sein als der Gegenwert von zwei Maß Bier und einem Hendl“, sagt Schmid, „das entspricht rund 35 Euro – und auch das ist für eine normale Familie schon viel Geld“.

Diese Obergrenze will er schon fürs Oktoberfest im nächsten Jahr einführen.

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Für die Wiesnwirte ist das echter Zündstoff – denn die Hälfte der 14 Großzeltwirte langt bei den Reservierungen aktuell ordentlich hin. Ganz vorn dran: die Partyzelte. In Kuffler’s Weinzelt kostet die Abendreservierung pro Person 85 Euro (dafür gibt’s einen „Verzehrgutschein“). Feinkost-König Michi Käfer verlangt in Käfers Wiesn-Schänke 80 Euro für „Verzehr- und Getränkegutscheine“. Die Familie Able im neuen Marstall kassiert 60 Euro für ihren „Menügutschein“. Aber auch bei der Fischer-Vroni sind abends 50 Euro fällig (für zwei Maß Bier à 10 Euro plus drei Wertgutscheine à 10 Euro).

Auch die große Mehrheit der 25 kleineren Zelte sahnt ab: Im Ammer-Zelt kostet ein Platz pro Person abends 58 Euro, beim Glöckle-Wirt 51 Euro, beim Fisch-Bäda 49,90 Euro (mehr Preise im Kasten rechts). Was Schmids Vorstoß für die Wirte noch ärgerlicher machen dürfte: Die Reservierungsgebühren nehmen viele Wirte schon Monate vor dem Wiesnstart mit der Reservierungsbestätigung in Vorkasse. Dieses Vorab-Finanzpolster dürfte mit einer Preisdeckelung künftig viel kleiner ausfallen.

Entsprechend säuerlich reagieren die Wirte. „Die Stadt muss schon Obacht geben, dass sie’s nicht übertreibt“, grantelt Wiesnwirte-Sprecher Toni Roiderer auf AZ-Anfrage. Immerhin mussten die Zeltwirte letztes Jahr schon hinnehmen, dass große Teile der Zelte ganz reservierungsfrei bleiben müssen.

Mit seinem Hacker-Festzelt wäre Roiderer zwar persönlich kaum von der neuen Preisregelung betroffen (dort kostet die Abendreservierung in den Boxen 35,40 Euro). Aber einige Kollegen würde die Deckelung unangenehm treffen:

„Wir haben ja Verständnis dafür, wenn in den Innenräumen eine Obergrenze gelten soll. Aber auf den Galerien und in den Boxen müssten höhere Mindestverzehrpreise weiter möglich sein“, sagt Roiderer. „Man muss differenzieren, ob jemand in der Boxe reserviert oder im Mittelschiff. Wer Ansprüche stellt, wer es exklusiver und sauberer und schöner will, muss dafür auch zahlen, das ist doch klar. Im Stadion oder in der Oper kosten die besseren Plätze auch mehr.“

Inzwischen haben die Wirte sich schriftlich bei der Stadt geäußert. „Wir schauen uns die Argumente in Ruhe an“, sagt Wiesn-Chef Josef Schmid. Bis spätestens nächsten März soll im Stadtrat dann eine endgültige Entscheidung fallen.

 

 

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