Oktoberfest München: Bio oder nur regional? Öko-Zoff ums Wiesn-Hendl

Stadtspitze und Öko-Aktivisten sind sich in der Frage mehr als uneins. Nun ist der jahrelange Streit eskaliert.
| Florian Zick
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Fast 370.000 Hendl wurden vergangenes Jahr auf der Wiesn verdrückt.
dpa Fast 370.000 Hendl wurden vergangenes Jahr auf der Wiesn verdrückt.

München - Münchens Bio-Szene ist in Aufruhr: Von einem Skandal spricht man beim Aktionsbündnis "Artgerechtes München". Und Tollwood-Chefin Rita Rottenwallner will sogar ihren Münchner Umweltpreis zurückgeben. "Von einer Stadt, die so agiert, möchte ich den nicht haben", sagt sie.

Was ist passiert? Getrieben von den Grünen hat das Wirtschaftsreferat von Bürgermeister Josef Schmid (CSU) in den vergangenen anderthalb Jahren ökologische Kriterien für die Zulassung zur Wiesn erarbeitet. Nächste Woche soll der Stadtrat über das Konzept abstimmen. Nach Ansicht von Öko-Aktivisten geht der Vorschlag aber vollkommen in die falsche Richtung.

Schmid regt ein mehrstufiges Bewertungssystem an. Wer sich für einen Stand auf der Wiesn bewirbt, soll demnach besonders viele Punkte bekommen, wenn er Bio-Produkte anbietet, die aus Bayern stammen. Kommen die Produkte allerdings von weiter her, sollen diese gleichgestellt werden mit konventionellen Produkten aus der Region.

Für Öko-Verfechter ist das ein schwerer Frevel. Von einer "dreifachen Rolle rückwärts" spricht das Aktionsbündnis "Artgerechtes München". Schließlich würde Schmids Vorschlag letztendlich bedeuten: Wer Hendl aus bayerischer Massentierhaltung serviert, kassiert dafür künftig auch noch Öko-Punkte.

"Mit dieser Beschlussvorlage fallen Sie der Bio-Landwirtschaft in den Rücken", schreibt auch Tollwood-Chefin Rottenwallner in einem Offenen Brief an Bürgermeister Schmid. Dass die Stadt Bio-Qualität mit industrieller Massenabfertigung gleichsetze, "das macht mich fassungslos", so Rottenwallner.

Schmid indes kann die Aufregung nicht verstehen. Bio-Qualität aus Bayern werde durch die neuen Vergabekriterien ganz klar gestärkt, sagt er. Man könne aber aus der Wiesn auch kein reines Öko-Festival machen, so Schmid. Vergangenes Jahr hätten manche Standl-Betreiber ihre Bio-Ware sogar wegschmeißen müssen, weil die den Leuten einfach zu teuer war.

Schmid will deshalb an der guten Bewertung des Regional-Faktors festhalten. "Regionale Produkte stehen beim Verbraucher hoch im Kurs", sagt er. Die Leute hätten Vertrauen in die Qualität - auch, wenn die Produkte konventionell erzeugt worden sind.

Bei den Grünen im Rathaus will man sich damit nicht abfinden. Dort will man weiter für einen höheren Bio-Anteil auf der Wiesn kämpfen. "Die Stadtpolitik ist da mal wieder mindestens zehn Schritte hinterher", schimpft Katrin Habenschaden.

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