Nach Mehrwertsteuersenkung: OB-Kandidat fordert Bierpreisbremse auf der Wiesn
245 Tage sind es noch bis zum Beginn der diesjährigen Wiesn am 19. September. Mit verhaltener Vorfreude dürfte jetzt schon erwartet werden, wie hoch der Preis für eine Maß Bier 2026 werden wird. In den vergangenen Jahren kannte der Maßpreis nur eine Richtung: nach oben. Zwischen 14,50 Euro und 15,80 Euro musste man beim letzteb Oktoberfest hinblättern, um einen Liter des Gerstensafts zu bekommen. Fällt bei der Wiesn 2026 die 16-Euro-Marke?
Nicht, wenn es nach Dominik Krause, OB-Kandidat der Grünen und aktuell zweiter Bürgermeister der Stadt München, geht. In einem Gespräch mit Radio Charivari forderte Krause einen Preisstopp auf dem Oktoberfest.
Krause fordert Bierpreisbremse auf der Wiesn
Hintergrund seiner Forderung ist die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent. Erste Lokale in München haben daraufhin angekündigt, diese Senkung teilweise an ihre Gäste weiterzugeben. So bietet etwa das Giesinger Bräustüberl an der Martin-Luther-Straße ausgewählte Wirtshausklassiker günstiger an. Das Wirtshaus Saletta in Untergiesing offeriert Verzehrgutscheine im Wert von 100 Euro für 85 Euro. Zudem gibt es unter anderem beim Eder Wirt im Westend, im Wirtshaus Fesch in der Müllerstraße, beim Haxnbauer im Tal, beim Tegernseer im Tal die Halbe Bier teilweise bis zu 1,20 Euro günstiger.

"Bei manchen Nachrichten muss man sich selbst zwicken, weil man es kaum glauben kann", so Krause gegenüber Charivari. Der Grünen-Politiker ist begeistert, dass einige Münchner Wirte die Mehrwertsenkung nun auch an ihre Gäste weitergeben. Angesichts dieser Tatsache richtet der OB-Kandidat, knapp zwei Monate vor der Kommunalwahl am 8. März, seinen Blick in Richtung Oktoberfest und fordert für dieses Jahr eine Bierpreisbremse auf der Wiesn. "Die Wiesn wird jedes Jahr teurer. Da wäre die gesunkene Mehrwertsteuer doch ein guter Anlass, mal eine Pause bei den Preissteigerungen zu machen. Dass es geht, zeigen gerade einige Wirte in der Münchner Altstadt, die ihre Bierpreise gesenkt haben. Vielleicht ist ja zumindest für alkoholfreie Getränke auf der Wiesn eine kleine Preissenkung drin. Davon würden vor allem Familien mit Kindern profitieren", schreibt Krause auf seinem Instagram-Account.
Eine Bierpreisbremse auf dem Oktoberfest – war da nicht mal was? Bereits im Jahr 2017 forderte der damalige Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) eine Deckelung des Bierpreises und erhielt damals, nach einer hitzig geführten Debatte im Stadtrat, eine schallende Ohrfeige für seine Idee.
Grüne lehnten 2017 Forderung nach Bierpreisbremse ab
Maßgeblich an der Ablehnung der Bierpreisbremse beteiligt waren damals die Grünen, also die Partei von Dominik Krause. In einer Pressemitteilung erklärte damals die Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich: "Der Vorschlag von Seppi Schmid für eine Bierpreisbremse auf dem Oktoberfest dürfte vielen sympathisch sein, ist aber unverhüllter Populismus. Es ist mehr als zweifelhaft, ob die Stadt überhaupt das Recht hat, den Wirten die Preise für einzelne Produkte vorzuschreiben. Mit den wirtschaftspolitischen Grundsätzen der CSU ist ein solcher Dirigismus jedenfalls unvereinbar."
Neben der Bierpreisdeckelung lehnten die Grünen vor neun Jahren zudem eine dauerhafte Verlängerung der Wiesn um einen Tag ab.
Nullrunde beim Wiesnbier-Preis? Wiesnwirte-Sprecher zeigt sich skeptisch
Trotz der Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent (die jedoch nur für Speisen gilt) zeigt sich Wiesnwirte-Sprecher Christian Schottenhamel beim Thema Bierpreisbremse skeptisch. Die Brauereien verlangen bereits bis zu fünf Prozent mehr im Einkauf, die Preise für Fleisch schnellten um 15 Prozent in die Höhe. Außerdem steige der Mindestlohn, klärt Schottenhamel in der "Tz "auf und zieht als Fazit, dass "jeder für sich selbst entscheiden muss, ob er den Bierpreis halten kann."
Eine Nullnummer beim Maßpreis, wie von Dominik Krause gefordert, dürfte daher eher Wunschdenken und Wahlkampfthematik sein, denn für die Festlegung des Wiesnbier-Preises ist die Mehrwertsteuer nur einer von vielen Faktoren. Pacht, Energiepreis, Lebensmittel und Bierpreis der Brauereien spielen ebenso eine gewichtige Rolle. "Wir appellieren an Augenmaß und Nachvollziehbarkeit bei der Preisgestaltung – nicht nur beim Bier, sondern auch bei Speisen und anderen Getränken –, damit die Wiesn ihren Volksfestcharakter behält", so Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD).
