Nach Chaos auf dem Oktoberfest 2025: Das soll dieses Jahr anders werden
Seit Jahrzehnten steht die Wiesn vor allem für Konstanz. Regelmäßige Besucher wissen, wo sie welches Bier finden, welche Fahrgeschäfte wild und welche eher gemütlich sind – und wer sie in den Zelten als Gastgeber empfängt. Nun müssen sich eingefleischte Wiesn-Fans allerdings an überraschend viele Veränderungen gewöhnen. Manchmal sei es jedoch nicht falsch, Dinge neu zu bewerten, sagt Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) bei der Auftakt-Pressekonferenz zum 191. Oktoberfest.
Neu bewertet wurde vor allem die Besucherlenkung. Nach dem Überfüllungschaos und zahlreichen Fehlern seitens der Stadt will man heuer auf Nummer sichergehen. Wohl, um das Risiko menschlichen Versagens möglichst gering zu halten, setzt die Stadt bei der kommenden Wiesn auf Spitzentechnologie: KI-Kameras sollen die Menschenmengen genau im Blick behalten.
Wiesn 2026: KI-Kameras überwachen die Besucher
Mithilfe von "Heatmaps", also farblichen Darstellungen der Besucherdichte, sollen Überfüllungssituationen frühzeitig erkannt und entschärft werden, erklärt Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD). "Die KI erkennt von alleine, wenn sich irgendwo etwas zusammenbraut", sagt Scharpf.

Die Aufnahmen werden künftig in einer neuen Koordinierungsstelle im ehemaligen Fundbüro direkt auf dem Festgelände von einem sogenannten "Crowdspotter" ausgewertet. Das Fundbüro ist dafür ins Verkehrszentrum des Deutschen Museums auf der Theresienhöhe umgezogen.
Ein zentrales Motto lautet heuer: Die Wiesn gerne besuchen – aber möglichst unter der Woche. Das gelte laut Scharpf vor allem für internationale Gäste, deren Erwartungen man bereits im Vorfeld steuern wolle. Unterstützung bekommt die Stadt dabei auch von Google. Dort können Besucher schon vorab prüfen, wie stark das Festgelände und die einzelnen Zelte ausgelastet sind.
Mit der Kampagne "How to Wiesn" soll Touristen außerdem die Mittagswiesn und ein Besuch unter der Woche schmackhaft gemacht werden. Dazu spielt die Musik heuer etwas früher: an den Wochenenden bereits ab 10 Uhr, unter der Woche ab 11 Uhr.
Neues Wiesn-Zelt Bertls Flößerstadl mit 400 Plätzen
Früh anzufangen lohnt sich sicher, denn in diesem Jahr gibt es viele Neuheiten zu entdecken. Eine der größten ist sicher das neue Festzelt Bartls Flößerstadl, das an die Stelle der Münchner Stubn tritt. Bekanntlich will Wirt Klaus Bartl (Campingplatz Thalkirchen) dort die Flößertradition aufgreifen. Ausgeschenkt wird Augustiner, Platz ist für knapp 400 Gäste. Genau genommen gibt es sogar zwei neue Zelte: Wie berichtet, erhält auch Bodo’s Cafézelt einen kompletten Neubau mit Galerie und Holzbauweise.
Neue Wirte übernehmen außerdem die Schützenlisl und das Paulaner-Festzelt. Lorenz und Christine Stiftl wechseln von der Oidn Wiesn auf die große Wiesn und übernehmen die Brauereifesthalle. Ihre Nachfolger in der Schützenlisl werden Florian Fendt und Manfred Kneifel von der Münchner Suppenküche sowie Michael Bietsch, bis 2025 Betreiber der Historischen Kegelbahn auf der "kleinen" Wiesn.

Das neue Wirtetrio sorgt zugleich für einen Brauereiwechsel: In der Schützenlisl wird künftig Hacker-Pschorr aus dem Holzfass ausgeschenkt. Bislang gab es dort Augustiner. An der Musik dürfte sich dagegen kaum etwas ändern. Traudi Siferlinger bleibt musikalische Leiterin des Volkssängerzelts.
Zeit für die Historische Kegelbahn wird Michael Bietsch als Festwirt wohl nicht mehr haben. Sie und die integrierte Kugel-Bar übernimmt ab diesem Jahr Sabine Erhard.
Neben den Zelten gehören freilich die Schausteller mit ihren Fahrgeschäften zu den größten Publikumsmagneten. Ihre Kultur wurde in diesem Jahr von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Drei neue Fahrgeschäfte auf der Wiesn 2026
Nicht nur in den Zelten, auch auf den Straßen der Wiesn gibt es viel Neues: Drei große Fahrgeschäfte feiern heuer Premiere. Das "Shake & Roll" ist eine Art weiterentwickelter Break Dancer, bei dem die Gondeln schaukeln und sich komplett überschlagen. Beim "Fisherman’s" wird es maritim: Die Besucher bewegen sich über einen 15 Meter langen Parcours im Stil eines Fischerdorfs. Das "Chaos Pendel" wiederum wirbelt die Fahrgäste in bis zu 42 Metern Höhe und mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern durch die Luft.
Trotz aller Vorfreude auf das größte Volksfest der Welt dürften der Anschlag auf den Berliner CSD letzte Woche und die Bombendrohung auf der Wiesn im vergangenen Jahr bei vielen die Frage nach der Sicherheit aufkommen lassen. "Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit", stellt Scharpf klar. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich, da sich auch das bisherige Sicherheitskonzept bewährt hat.
Sicherheit auf dem Oktoberfest: Amokfahrt "ziemlich ausgeschlossen"
Die Sperrzonen rund um das Festgelände machten eine Amokfahrt "ziemlich ausgeschlossen", sagt Scharpf. Auch die Metalldetektoren an den Eingängen und das Rucksackverbot sorgten für ein hohes Sicherheitsgefühl.

Scharpf hat eine turbulente erste Wiesn als Hauptverantwortlicher hinter sich. Wenn es nach ihm geht, dürfte es in diesem Jahr deutlich ruhiger zugehen: "Ich brauche keine Rekordwiesn, um das ganz klar zu sagen". Die Rekordmarke von sieben Millionen Besuchern müsse aus seiner Sicht nicht unbedingt geknackt werden. Viel wichtiger sei eine "gmiatliche Wiesn", auf der sich alle Besucher frei bewegen könnten.
Ob dieser Plan aufgeht, wird sich ab dem 19. September zeigen, wenn – als eine weitere Neuerung – Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) erstmals das erste Wiesn-Fass anzapft.
- Themen:
- Dieter Reiter
- Dominik Krause
- Oktoberfest
- SPD

