Münchner Trachten-Manufaktur: Wo das Hirschleder zur (Luxus-)Lederhose wird

Am Sendlinger Tor fertigt Thomas Wilhelm Beckert traditionelle und ausgefallene Trachten für Männer - vor allem jene mit dem nötigen Kleingeld.
| Lennart Hegemann
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Seit acht Jahren gibt es die Werkstatt in der Sendlinger Straße.
Petra Schramek 2 Seit acht Jahren gibt es die Werkstatt in der Sendlinger Straße.
Die Koppel wird geschliffen.
Petra Schramek 2 Die Koppel wird geschliffen.

München – Einmal, erinnert sich Thomas Wilhelm Beckert, da wollte ein Kunde ein ganz ausgefallenes Accessoire für seine Lederhose haben; auf der Koppel seines Gürtels wünschte er sich ein eingraviertes Alpenpanorama. Den funkelnden Schnee sollte dabei Brillantenstaub darstellen. Bei Beckert geht das – wenn man das nötige Kleingeld in sein Wiesn-Outfit stecken will. Eine Nummer schlichter geht’s freilich auch.

Lederhosen und Gürtel stellt Beckert in seiner Werkstatt am Sendlinger Tor her.

Beckerts Lederhosen: Typisch Münchnerisch mit einem Touch Mittelalter

Wenn er von seiner Arbeit spricht, schwingt in Beckerts Stimme Begeisterung mit. Dann erzählt er von sämisch gegerbten Hirschleder und handgestickten Mustern. Er spielt mit Stilen: Seine "Münchner Lederbux" hat einen Reißverschluss und Knöpfe statt des alpenländischen "Latzes". Optisch soll sie an die Münchner Lederhosen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern. Motive wie beispielsweise der "Münchner Geier von 1905" runden das typisch bayerische Aussehen ab.

Seit acht Jahren gibt es die Werkstatt in der Sendlinger Straße.
Seit acht Jahren gibt es die Werkstatt in der Sendlinger Straße. © Petra Schramek

Aber auch "einen uralten Touch aus dem tiefsten Mittelalter", so Beckert, hat die Lederbux. Denn die Verzierung auf der Messertasche am Hosenbein ist wie vor vielen Hundert Jahren selbst geschmiedet.

Viele Prominente kaufen hier ihre Lederhosen

Vor rund 25 Jahren fing Beckert mit dem Handwerk rund ums Leder an. Seit nunmehr acht Jahren ist der gebürtige Füssener in München am Sendlinger Tor.

Die Handwerke des Schmiedens, der Sattlerei und Säcklerei erlernte er als junger Mann von verschiedenen Altmeistern. Heute kombiniert er diese Fähigkeiten und fertigt so echte Unikate an. Das bringt ihm auch besondere Kundschaft: Auf vielen Schlössern und Landpartien lernte er den alten deutschen und österreichischen Adel kennen. So entstanden neue Kundenbeziehungen. Beispielsweise besitzt der Urenkel des österreichischen Kaisers einen Gürtel vom Sendlinger Tor.

Die Koppel wird geschliffen.
Die Koppel wird geschliffen. © Petra Schramek

Doch auch andere Prominente wie Wolfgang Fierek oder Edmund Stoiber kaufen Beckerts Unikate.

Anlässlich ihres 500-jährigen Jubiläums haben zudem die vier Brauereien Paulaner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu und Augustiner bei Beckert Koppelschlösser für Gürtel fertigen lassen.

Beckerts Lederhosen beginnen bei 3.000 Euro

Doch jeder, der das nötige Kleingeld mitbringt, kann sich eine Koppel bei ihm kaufen, preislich fangen diese bei zirka 400 Euro an. Eine maßgeschneiderte und handgefertigte Lederhose mit Koppel gibt es ab 3000 Euro.

Und dabei ist jede Hose ein echtes Unikat. Egal, ob der Kunde eine besondere Stickerei, etwas Gold oder sogar Brillantenstaub wünscht.

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