Maß mies eingeschenkt: Das sagen die Wiesn-Wirte

Wirtesprecher Toni Roiderer reagiert gelassen auf den jünsten Maß-Test des Vereins gegen betrügerisches Einschenken: "Das kann schon mal vorkommen"
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Eine Bedienung traegt in Muenchen auf dem Oktoberfest im Schottenhamel-Festzelt Bierkruege.
dapd Eine Bedienung traegt in Muenchen auf dem Oktoberfest im Schottenhamel-Festzelt Bierkruege.

Wirtesprecher Toni Roiderer reagiert gelassen auf den jünsten Maß-Test des Vereins gegen betrügerisches Einschenken: "Das kann schon mal vorkommen"

 

München - Der Verein gegen betrügerisches Einschenken (VGBE) hat die Schankmoral der Wiesn-Wirte auch auf dem Oktoberfest scharf kritisiert. Dieses Jahr hätten Mitglieder des Vereins in keinem Zelt eine volle Maß bekommen, bemängelte Vereinspräsident Jan-Ulrich Bittlinger am Mittwoch in München.

Im Schnitt habe die Wiesn-Maß 0,86 Liter Bier enthalten, berichtete Bittlinger und ergänzte, dass Vereinsmitglieder knapp 100 Maß geprüft hätten. Die Wirte nahmen die Kritik indes gelassen auf.

Käfer schneidet besonders schlecht ab

Am schlechtesten hat bei der Stichprobe des Vereins das Käfer-Zelt mit 0,8 Liter Inhalt abgeschnitten. „Käfer bescheißt seine Gäste besonders heftig“, sagte Bittlinger. Bereits im Vorjahr habe Käfer zu den schlechtesten Zelten gehört. Mit im Schnitt 0,94 Liter waren die Maßkrüge im Löwenbräu-Festzelt am besten gefüllt.

Zu diesem Ergebnis kam auch die „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) in einer eigenen Stichprobe, die in einer Käfer-Maß 838 Milliliter Inhalt maß und in einem Löwenbräu-Krug sogar 1001 Milliliter. Angesichts der Ergebnisse zweifelte Bittlinger an, dass die offiziellen Kontrollen des Kreisverwaltungsreferats korrekt ablaufen.

„Ich vermute mal sehr stark, dass hier für ein halbes Hendl und eine Maß Bier gerne mal ein Auge zugedrückt wird“, sagte Bittlinger. Er wirft den Wiesn-Wirten vor, den Toleranzspielraum von 0,1 Litern pro Maß systematisch auszunutzen. Dadurch entstehe den Oktoberfestbesuchern jährlich rein rechnerisch ein Schaden von mehr als fünf Millionen Euro.

"Die Vorwürfe gegen unsere Kontrolleure sind abwegig und haltlos", sagt Daniela Schlegel vom Kreisverwaltungsreferat. "Unsere Lebensmittelkontrolleure sind Backer- Konditor- oder Metzgermeister, die bei uns noch eine zweijährige Ausbildung zum Kontrolleur absolvieren - sie messen ohne Ankündigung, mit einem geeichten Maßstab aus Alufolie. Ich wage es zu bezweifeln, dass die Tester des Vereins ebenso qualifiziert sind wie unsere Kontrolleure."

Wiesn-Wirte sehen Kritik gelassen

Wirtesprecher Toni Roiderer reagierte gelassen auf die Proben Bittlingers: „Das soll er machen, das ist sein gutes Recht.“ Den Vorwurf, dass der Toleranzspielraum systematisch ausgenutzt werde, wies er zurück. Dass eine Maß nicht richtig befüllt werde, könne in der Hektik des Wiesn-Alltags schon mal vorkommen. Die Besucher könnten sich in solch einem Fall allerdings nachschenken lassen.

Bei Käfer war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Bierpreise auf dem Oktoberfest zwischen 9,10 und 9,50 Euro pro Maß hält Bittlinger für deutlich überhöht. Daher hat sein Verein, der nach eigenen Angaben rund 4.000 Mitglieder zählt, jüngst ein Bürgerbegehren für eine Preisobergrenze von 7,10 Euro pro Liter für alle Getränke auf der Wiesn auf den Weg gebracht. Im Wahlkampf um das Münchner Oberbürgermeisteramt 2014 will der Verein damit Druck auf die Stadt ausüben.

 

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