Immer mehr Kokain auf der Wiesn: Polizei meldet überraschenden Halbzeit-Trend
Eine solche Zwischenbilanz hätte sich Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) im vergangenen Jahr sicher gewünscht. Damals – einen Tag nach der Überfüllung – musste die Stadt erklären, wie es so weit kommen konnte.
Heuer berichtet Scharpf bei der Pressekonferenz zur Wiesn-Halbzeit am Sonntag vor allem von guter Laune, schönem Wetter und ausgelassener Atmosphäre. Von den Rettungsdiensten und der Polizei wird dennoch von teilweise unschönen Entwicklungen berichtet.
Einen außergewöhnlichen Trend vermeldet die Polizei bei den Betäubungsmittelverstößen. Ihre Zahl liegt bisher bei 122 Fällen. Im vergangenen Jahr waren es nach acht Festtagen 86. Das entspricht einem Anstieg von 41,8 Prozent. In 95 Prozent der Fälle werde Kokain gefunden, sagt Polizeisprecher Christian Drexler. Kokainaufgriffe hätten grundsätzlich zugenommen.
Mehr Kokain-Fälle auf der Wiesn: "Enorme Anstiege"
Auf Nachfrage der AZ sagt der Polizeisprecher: "Sowohl in der Stadt und im Landkreis haben wir sowohl letztes als auch dieses Jahr enorme Anstiege zu verzeichnen." Dieses Phänomen spiegle sich nun auch auf dem Oktoberfest wider. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Bei den anderen Delikten gibt es laut Polizeibericht wiederum kaum negative Veränderungen. Die Zahl der Taschendiebstähle ist mit 35 Fällen leicht gestiegen (2025: 29 Fälle). Die Zahl der Sexualdelikte (32) ist um zwei Fälle gesunken. Anzeigen wegen Vergewaltigungen gab es zur Halbzeit keine (2025: 3).

Die Zahl der Körperverletzungen bleibt heuer mit 135 Fällen gleich. Zum Maßkrug wurde dabei in elf Fällen gegriffen (2025: 16). Insgesamt musste die Polizei bisher zu 936 Einsätzen ausrücken (2025: 833).
Nicht nur die Berichte über Straftaten trüben das Bild der ausgelassenen Wiesn. Auch ein tödlicher Unfall überschattet den bisherigen Verlauf des Festes. Wie berichtet, wurde beim Fahrgeschäft "Hangover" am vergangenen Montagabend ein Mitarbeiter von einer Gondel getroffen und tödlich verletzt. "Solche Einsätze beschäftigen natürlich auch erfahrene Einsatzkräfte", sagt Michel Belcijan, Geschäftsführer der Aicher Ambulanz.
Zunächst reanimierter Mann verstirbt im Krankenhaus
Unabhängig von dem Unfall gibt es einen weiteren Todesfall unter den Wiesn-Besuchern. Der Mann, der am vergangenen Dienstag auf der Wiesn erfolgreich von zwei Kellnerinnen reanimiert werden konnte, ist inzwischen verstorben, berichtet Belcijan.

Der Sohn habe dem Rettungsdienst einige Tage später mitgeteilt, dass sein Vater im Krankenhaus "sanft eingeschlafen" sei. Bei dem 78-Jährigen hätten schwere Vorerkrankungen vorgelegen.
4243 Einsätze für den Sanitätsdienst
Insgesamt 4243 Patientinnen und Patienten wurden bisher auf dem Oktoberfest 2026 versorgt, heißt es vom Wiesn-Sanitätsdienst. Das ist ein leichter Anstieg von sieben Prozent im Vergleich zur Halbzeit 2025 (3953). Die Gründe für die Einsätze bleiben dieselben: hauptsächlich Alkohol oder chirurgische Verletzungen.
Die leichte Tendenz nach oben bei den Patientenzahlen lasse sich laut Aicher-Chef auf den Anstieg der Besucherzahlen in diesem Jahr zurückführen. Wie die Festleitung mitteilt, haben bis einschließlich Sonntag etwa 3,8 Millionen Gäste das Oktoberfest besucht (Halbzeit 2025: 3,5 Millionen).
Dieses Jahr noch keine Überfüllung – Maßnahmen helfen
Zu Überfüllungssituationen ist es bisher nicht gekommen. Laut Wiesn-Chef Scharpf hätten die neuen Maßnahmen (AZ berichtete) ihre Wirkung gezeigt. "Es ist ein echter Quantensprung", sagt Scharpf zu KI-Kameras und Co. "Wir waren bis letztes Jahr als Veranstalter im Servicezentrum mehr oder weniger blind."
Auch am sehr vollen zweiten Samstag in diesem Jahr "musste zu keiner Zeit das Wiesn-Gelände ganz geschlossen werden", sagt Scharpf. An den Wochenenden seien die Besucherzahlen zudem leicht rückläufig, dafür kämen die Leute heuer lieber unter der Woche (+18,5 Prozent). Laut Festleitung sei das ein Erfolg der Informationskampagne "How To Wiesn", bei der unter anderem auf die ruhigeren Tage hingewiesen wird.
Trend-Getränk auf der Wiesn: Saures Radler
Der Bierkonsum ist mit einem Minus von 1,4 Prozent nur leicht rückläufig. Gerne greifen die Besucher zu alkoholfreiem Bier (+4,5 Prozent). Überraschend ist das neue In-Getränk: saures Radler. Scharpf könne sich das nicht erklären.

Immerhin verzeichnet Weißbier ein starkes Plus von 15 Prozent, sagen die Wirte. Im Großen und Ganzen zeigt sich das Fest mit Millionen von Besuchern – trotz vereinzelter Schreckensmeldungen – von seiner guten Seite. "Die Menschen sind gut gelaunt aufs Gelände gekommen", sagt Scharpf. Und das liege auch am schönen Wetter.
Wird "Gute Laune" der Wiesn-Hit des Jahres?
Einen Favoriten auf den Wiesn-Hit des Jahres gibt es übrigens noch nicht. Zu den laut Stadt großen "Newcomern" zählt "Gute Laune" von Großstadtengel. Darin heißt es: "Oben gute Laune, unten gute Laune (...) gute Laune einfach überall". Und das scheint auch für die Wiesn 2026 zu gelten.
