Kommt jetzt das siebte Wiesn-Bier? München plant neue Regeln

Auf dem Oktoberfest könnte es bald mehr Münchner Bier-Vielfalt geben: Der Stadtrat arbeitet an transparenten, rechtssicheren Kriterien für neue Brauereien – eine Chance vor allem für Giesinger Bräu, aber auch ein Machtfaktor im millionenschweren Wiesn-Geschäft.
von  Ruth Frömmer, Christina Hertel
Steffen Marx will in den Prozess einbezogen werden.
Steffen Marx will in den Prozess einbezogen werden. © Giesinger Bräu / Markus Mühlbauer

Schon im Wahlkampf hat sich OB Dominik Krause (Grüne) dafür ausgesprochen, dass Giesinger ein Zelt auf der Wiesn bekommt. Sogar ein Bürgerbegehren der Brauerei hat er unterschrieben. In den nächsten Tagen könnten die Weichen dafür gestellt werden.

Die Grünen haben einen Antrag ausgearbeitet, dem sich auch CSU und SPD anschließen sollen. Er soll neuen Brauereien den Zugang zur Wiesn ermöglichen. Der "Münchner Merkur" hat darüber zuerst berichtet.

Ein Antragsentwurf liegt der AZ vor. Darin heißt es: "Es sollen auf Grundlage der geltenden rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen transparente, nachvollziehbare und rechtssichere Kriterien entwickelt werden, anhand derer über die Zulassung neuer / anderer Münchner Brauereien und den Ausschank ihrer Biere entschieden werden kann."

Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne).
Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne). © IMAGO/B. Lindenthaler

"Wir Grüne haben uns schon seit Langem offen dafür gezeigt, den Kreis der Brauereien, die auf dem Oktoberfest ausschenken dürfen, zu erweitern", sagt Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne). Es sei ein Erfolg, die Partner in der Koalition davon zu überzeugen und auch in den Koalitionsvertrag eine Passage hineinzuverhandeln. Dort heißt es: "Die Wiesn muss ihren Charakter als münchnerisch-bayerisches Traditionsvolksfest behalten. Dort soll nur Münchner Bier ausgeschenkt werden, wobei wir offen sind für weitere Münchner Brauereien."

"Wird sich zeigen, ob es tatsächlich neue Brauereien mit Wiesn-Ambitionen gibt, die die Kriterien erfüllen können."


Berger sagt: "Es reicht natürlich nicht, solche Vorhaben nur in einem Vertrag festzuhalten, sondern man muss diese Vorhaben dann auch umsetzen."

Auch der CSU wurde ein Entwurf des Antrags zugesandt. Allerdings gab es in der Fraktion wohl noch Gesprächsbedarf. "Die Wiesn ist ein riesiger Wirtschaftsfaktor", sagt Manuel Pretzl. "Daran wollen viele teilhaben." Für die Beschicker gebe es schon lange ein rechtssicheres Bewerbungs- und Vergabeverfahren.

Stadtrat Manuel Pretzl (CSU).
Stadtrat Manuel Pretzl (CSU). © IMAGO/B. Lindenthaler

"Das Anliegen, auch für Brauereien eindeutige Auswahlkriterien festzuschreiben, begrüßen wir", so Pretzl weiter. Ein solches Verfahren müsse noch im Stadtrat diskutiert und beschlossen werden. "Erst danach wird sich zeigen, ob es tatsächlich neue Brauereien mit Wiesn-Ambitionen gibt, die die Kriterien erfüllen können."

Von Seiten der SPD hört man, dass ihnen vor allem wichtig ist, dass die Brauerei die Tarifverträge einhält und gute Arbeitsbedingungen bietet.

So oder so hätte das Wirtschaftsreferat aber wohl demnächst eine Beschlussvorlage mit neuen Kriterien für die Wiesn-Vergabe einbringen müssen, heißt es aus dem Rathaus. Hintergrund ist der Gerichtsprozess rund um die Zeltvergabe, den die Wirtefamilie Egger ausgelöst hatte.

Kriterien müssen für junge Brauereien auch erreichbar bleiben

Giesinger begrüßt die Entwicklung transparenter Kriterien. "Dies war eine unserer zentralen Forderungen in den vergangenen Jahren", sagt Brauerei-Chef Steffen Marx der AZ. Wichtig sei, dass diese Kriterien für junge Brauereien "auch erreichbar bleiben und nicht den Status quo der etablierten Oktoberfest-Brauereien zementieren." Er würde sich wünschen, in den Prozess einbezogen zu werden.

Auch der Geschäftsführer des Vereins der Münchner Brauereien Andreas Maisberger spricht sich auf Anfrage für klare Rahmenbedingungen aus: "Transparenz ist grundsätzlich etwas Positives."

Andreas Maisberger, der Geschäftsführer des Vereins der Münchner Brauereien.
Andreas Maisberger, der Geschäftsführer des Vereins der Münchner Brauereien. © Bernd Wackerbauer

Die bisherigen Kriterien Münchner Bier, Bewährtheit, Tradition und Leistungsfähigkeit sollen nun greifbar gemacht werden. Maisberger begrüßt, dass die drei Fraktionen im Stadtrat sich gemeinsam ein Bild machen. "Deshalb gehe ich davon aus, dass das Hand und Fuß hat und umso ausgewogener sein wird.“

Anders als die sechs Münchner Traditionsbrauereien ist Giesinger Bräu kein Mitglied des Vereins.

Wiesn-Wirt Christian Schottenhamel betont: "Wen sie auf der Wiesn zulässt, entscheidet nur die Stadt München, und das kommentieren wir nicht.“ Für ihn persönlich steht jedoch fest: "Wir arbeiten seit Ewigkeiten mit Spaten zusammen und sehen keine Notwendigkeit, die Brauerei zu wechseln."

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