Oktoberfest in der Hauptstadt: Seehofers Berliner Farbenspiel

Beim bayerischen Oktoberfest vor dem Roten Rathaus: Der Ministerpräsident sieht rot-grün-gelb. Und Emilia Müller zapfttapfer mit dreieinhalb Schlägen an
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Guter Laune bei der Eröffnung des Berliner Oktoberfestes: die Minister Joachim Herrmann und Christine Haderthauer. Fotos: Mike Schmalz
az Guter Laune bei der Eröffnung des Berliner Oktoberfestes: die Minister Joachim Herrmann und Christine Haderthauer. Fotos: Mike Schmalz

Beim bayerischen Oktoberfest vor dem Roten Rathaus: Der Ministerpräsident sieht rot-grün-gelb. Und Emilia Müller zapfttapfer mit dreieinhalb Schlägen an

Der Himmel der Bayern ist rot-grün-gelb. Zumindest auf dem Berliner Oktoberfest. Eine politische Ampel – oder wie Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer meint: „Das ist die Auswahl, die Schwarz im September zur Verfügung steht.“

Zehn Tage vor dem Wiesn-Anstich wird in Berlin Wahlkampf der zünftigen Art betrieben, auf dem hiesigen Oktoberfest. „Jeder darf heute so viel trinken wie er mag und verträgt“, sagt Seehofer und spielt damit auf Günther Becksteins Fauxpas vom letzten Jahr an, er könne zwei Maß trinken und noch Autofahren. Und doch wird nur verhalten geprostet und geschunkelt. „Afghanistan, Sie wissen schon“, raunt es im Zelt. Nein, da machen sich ausgelassen feiernde Politiker nicht so gut.

Vielleicht gibt sich Festwirt Sepp Krätz deshalb so viel Mühe, die Vor-Wiesn-Stimmung zu befeuern. Für ihn ist es eine Premiere an der Spree: Das erste Mal ist er mit seinem Hippodrom der Gastgeber vor dem Roten Rathaus. Nach gerade Mal acht Tagen Aufbau und „vielen Überraschungen“, wie er sagt, hält er jetzt Tochter Stefanie als Münchner Kindl im Arm, singt das Prosit mit. „Die Berliner können zünftig feiern, da fühlt man sich gleich wie daheim", sagt er.

Augustiner-Chef Jannik Inselkammer lässt sich sogar die Löwenbräu-Maß schmecken: „Berlin hat mehr den Charakter einer Weltstadt, aber die Münchner Herzlichkeit, da kommt's noch nicht ran.“ Und so essen die versammelte Staatskanzlei und die gastronomischen München-Missionare die „Brezel“, die hier angeboten wird, zusammen mit dem „typisch bayerischen Käsemix“, wie die Bedienung den Obatzden betitelt.

Bevor heute Abend die Berliner Prominenz im Festzelt erwartet wird, darf auf Einladung der bayerischen Staatskanzlei und Löwenbräu erst einmal die Polit-Prominenz schunkeln: Seehofer, der statt neben Ehefrau Karin neben dem Botschafter der Russischen Föderation, Vladimir V. Kotener, sitzt; die Ministerin für Bundesangelegenheiten Emilia Müller, die souverän mit dreieinhalb Schlägen anzapft; Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner mit Schleiferl auf der linken Seite. Bayerns SPD-Chef Franz Maget, der meint, dass „schwarz sich eben nicht gut in einer Ampel macht“; der gut gelaunte Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der den gelben Pullunder in der Hand hält; Staatsminister Siegfried Schneider, der mit Regisseur Joseph Vilsmaier anstößt; Innenminister Joachim Herrmann, der als einer der wenigen Politiker seine Frau Gerswid mitgebracht hat. Außerdem mit dabei: Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und diverse Wiesn-Wirte unter Führung ihres Sprechers Toni Roiderer.

Nur eine fehlt bei der weiß-blauen Feier: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie wird zunächst für den späten Abend erwartet. Sagt dann aber ab. Wegen Afghanistan, Sie wissen schon . . .

Anne Kathrin Koophamel

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