Oktoberfest 2026: Neue Sicherheitsregeln, Zeltvergabe-Streit und Änderungen auf der Oidn Wiesn

Neue Sicherheitsauflagen nach Massenpanik, ein erbitterter Streit um die Vergabe der großen Festzelte und ein neues Konzept für die schwächelnde Oide Wiesn: Was der Stadtrat für das Oktoberfest 2026 plant und welche Wirte davon besonders betroffen sind.
von  Ruth Frömmer
Als einziges großes Wiesnzelt bekommt das Paulaner Festzelt neue Wirte. Als Nachfolger von Arabella Schörghuber bekommen Lorenz und Christine Stiftl den Zuschlag. Damit möchte sich der Bewerber und Münchner-Stubn-Wirt Alexander Egger nicht zufriedengeben.
Als einziges großes Wiesnzelt bekommt das Paulaner Festzelt neue Wirte. Als Nachfolger von Arabella Schörghuber bekommen Lorenz und Christine Stiftl den Zuschlag. Damit möchte sich der Bewerber und Münchner-Stubn-Wirt Alexander Egger nicht zufriedengeben. © IMAGO/B. Lindenthaler

Die Wiesn erregt in diesem Jahr schon im Vorfeld viel Aufmerksamkeit. Erstens, weil der Wirt der Münchner Stubn Alexander Egger die Vergabepraxis der Stadt infrage stellt und einen Nachprüfungsantrag gestellt hat.
Zweitens weil es auf der letzten Wiesn zwei Vorfälle gab (eine Überfüllungssituation und eine vermeintliche Bombendrohung) und drittens hat die Oide Wiesn in den letzten Jahren immer weniger Besucher, weshalb die Politik Handlungsbedarf sieht.

Am Dienstag war die Wiesn großes Thema im Wirtschaftsausschuss im Stadtrat. Alexander Egger betreibt zwar auch in diesem Jahr mit seiner Frau Katrin Wickenhäuser-Egger das kleine Wiesnzelt Münchner Stubn. Er möchte aber eines der großen Zelte. Paulaner oder Bräurosl zum Beispiel. Ersteres geht in diesem Jahr an das Ehepaar Stiftl und das zweite bleibt wie gehabt bei Peter Reichert. Die Vergabe erfolgt über ein Punktesystem. Das findet Egger ungerecht und möchte, dass die Wiesnzelte nach Europäischem Recht vergeben werden.

Alexander Egger und seine Frau Katrin Wickenhäuser-Egger betreiben zusammen das kleine Zelt Münchner Stubn. Sie würden aber gerne Wirte eines großen Wiesnzelts werden.
Alexander Egger und seine Frau Katrin Wickenhäuser-Egger betreiben zusammen das kleine Zelt Münchner Stubn. Sie würden aber gerne Wirte eines großen Wiesnzelts werden. © IMAGO/B. Lindenthaler

Die Anwälte von Alexander Egger hatten der AZ aber bereits angekündigt, bis in die letzte Instanz zu gehen. Das Verfahren wird sich also noch hinziehen. Dementsprechend sind alle Beschlüsse für die kommende Wiesn noch mit dem Vermerk "unter Vorbehalt" versehen.

Alle großen Festzelte sollen laut Stadtratsvorlage bei ihren bisherigen Wirten bleiben, nur Paulaner geht in diesem Jahr an Lorenz und Christine Stiftl. Weil die beiden zuvor die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn betrieben haben, gibt es auch hier einen Wechsel.

Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel bilden das Betreiber-Trio der Schützenlisl. Wie schon berichtet, wollen sie das Zelt und das Konzept von ihrem Vorgänger übernehmen.

Neues Wirte-Trio und neue Brauerei in der Schützenlisl

Mit einer Ausnahme. Was die AZ schon vermutet hatte, steht nun so gut wie fest: Statt Augustiner wird in der Schützenlisl auf der nächsten Wiesn Hacker-Pschorr ausgeschenkt.

Das Volkssängerzelt Schützenlisl auf der Oidn Wiesn soll in diesem Jahr neue Wirte bekommen.
Das Volkssängerzelt Schützenlisl auf der Oidn Wiesn soll in diesem Jahr neue Wirte bekommen. © IMAGO/Christian Einecke

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt im Ausschuss: das Sicherheitskonzept. Am 27. September 2025 hatte sich während des Reservierungswechsels innerhalb kürzester Zeit auf der Höhe von Augustiner- und Hackerzelt, Schottenhamel und Bräurosl große Menschentrauben gebildet. Die Festleitung reagierte unter anderem durch deutsche Lautsprecher-Durchsagen mit der Aufforderung, das Gelände zu verlassen.

Nach Massenpanik im letzten Jahr wird das Sicherheitskonzept angepasst

Das wiederum löste bei vielen Besuchern Panik aus. Die Betreiber der Zelte und Buden waren zum größten Teil nicht über die Lage informiert. Nach rund einer Stunde hatte sich die Lage entspannt. Zur Vermeidung solcher Situationen wird es in diesem Jahr gezieltes Crowdspotting geben. Eigenes Personal soll die Menschenmengen permanent überwachen und gegebenenfalls frühzeitig eingreifen. Zusätzlich soll das Beobachtungsmanagement im Servicezentrum optimiert werden. Die Betreiber der Fahrgeschäfte, Buden und Zelte sollen fester als bisher in die Prozesse eingebunden werden.


Aufmerksamkeit hatte in den letzten Tagen auch eine Änderung in den Betriebsvorschriften erregt. Der Paragraf 26 betrifft die allgemeine Betriebs- und Anwesenheitspflicht der Betreiber. Um diese zu entlasten, hat das RAW ihre Anwesenheitspflicht gelockert. Sie dürfen ihre Zelte/Fahrgeschäfte/Buden außer zur Anlieferungszeit auch verlassen. Die Betriebspflicht zu den Öffnungszeiten bestehe aber weiterhin, wie Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) betont.

Einfacherer Zugang auf die Oide Wiesn

Die Besucherzahlen auf der Oidn Wiesn sind seit den Corona-Jahren rückläufig. Obwohl viele Besucher sich vorher Online-Tickets für die Oide Wiesn besorgt hatten, bildeten sich lange Schlangen am Einlass, da jeder Gast, auch mit Online-QR-Code, ein Einlassbändchen bekam. Zur Beschleunigung soll es nun einen eigenen Eingang für Gäste mit QR-Code geben.

Der Eintritt kostet 4 Euro. Für Kinder unter 14 Jahren und Personen mit Schwerbehindertenausweis ist der Eintritt frei. Eine Dauerkarte soll es nicht geben, aber einen Mengenrabatt. Wer zehn Mal bezahlt, darf dann zwölf Mal auf die Oide Wiesn.

Formal hätten die Beschlüsse heute in der Vollversammlung durchgewunken werden sollen. Nach einem formalen Fehler in der Stadtverwaltung wurden die Stadträte nach AZ-Informationen aber am Dienstag informiert, dass das doch erst am 11. Mai passieren kann. Die Zustimmung gilt im Rathaus aber nur noch als Formsache.

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