Ohne Worte: Fitschen schweigt zum Deutsche-Bank-Rücktritt

Im Landgericht München am Dienstag war Jürgen Fitschens Rücktritt bei der Deutschen Bank interessanter für die Reporter als der Prozess. Das Blitzlichgewitter ertrug der Angeklagte ohne eine Miene zu verziehen.
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Steinerner Blick: Jürgen Fitschen betritt am Dienstag den Gerichtssaal im Landgericht München.
dpa Steinerner Blick: Jürgen Fitschen betritt am Dienstag den Gerichtssaal im Landgericht München.

Im Landgericht München am Dienstag war Jürgen Fitschens Rücktritt bei der Deutschen Bank interessanter für die Reporter als der Prozess. Das Blitzlichgewitter ertrug der Angeklagte ohne eine Miene zu verziehen.

München - Jürgen Fitschen hat seine Gesichtszüge perfekt unter Kontrolle. Er verzieht keine Miene, als er am Dienstag in den Saal 273 des Münchner Landgerichts läuft und wieder einmal auf der Anklagebank Platz nimmt. Nadelstreifenanzug, weißes Hemd, blaue Krawatte. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt, seitdem er am Sonntag zusammen mit Anshu Jain überraschend den Rücktritt von der Spitze der Deutschen Bank ankündigte. "Ist der Prozess ein Grund für Ihren Rücktritt?", will ein ZDF-Reporter wissen. Fitschen schweigt.

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Seit Ende April steht der Top-Banker als Angeklagter vor Gericht, weil er im Zusammenspiel mit Ex-Kollegen Richter getäuscht haben soll, um die Deutsche Bank vor Schadenersatzzahlungen für die Pleite der Kirch-Gruppe zu verschonen. Versuchter Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall, meint die Staatsanwaltschaft.

Aber es ist nichts bewiesen und Fitschen hat die Vorwürfe wie auch die anderen Angeklagten zurückgewiesen: Er habe nie gelogen und betrogen, erklärte er am letzten Verhandlungstag vor der Pfingstpause im Mai. Damals stand seine Position als Teil der mächtigen Doppelspitze der Deutschen Bank noch nicht in Frage. Seit Sonntag ist er Co-Chef auf Zeit – nach der Hauptversammlung im kommenden Jahr soll Schluss sein.

Fitschens Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sitzen in dem düsteren Saal mit Neonlicht direkt vor ihm. In einer Prozesspause bleiben die drei als einzige der Angeklagten im Raum, aber reden kein Wort miteinander. Fitschen und Ackermann sitzen auf ihren Plätzen, Breuer steht auf, lehnt sich an die Richterbank direkt neben ihnen und blickt schweigend in den Raum.

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Alle drei eint jedoch die Vergangenheit und der Fall Kirch, der sich längst zu einem Fluch für das größte deutsche Geldhaus entwickelt hat. Als kurz nach dem Beginn der Verhandlung bekannt wird, dass es wieder eine Razzia in den Zwillingstürmen der Bank gab, entsteht kurz Unruhe in den Zuschauerreihen, in denen auch Mitarbeiter des Instituts sitzen. Aber diesmal ging es nicht um Kirch, sondern nach Angaben der Bank um dubiose Geschäfte einzelner Kunden, für die die Ermittler Beweise suchten.

Die Stimmung im Saal bleibt aber angespannt. Zwischendurch öffnet sich eine Tür, weil sich anscheinend ein Justiz-Mitarbeiter im Raum geirrt hat. "Da haben schon die Handschellen geklirrt", sagt Richter Peter Noll, nachdem sich die Tür wieder schließt. Für Lacher sorgt diese Bemerkung nur bei den Zuschauern.

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