OB-Stichwahl in München: Nach einem Skandal verlor schon mal ein Amtsinhaber

Lange Zeit wurden Oberbürgermeister schon im ersten Wahlgang gewählt. Inzwischen bleibt es oft länger spannend. Ein Blick in die Geschichte der Münchner OB-Stichwahlen.
Felix Müller
Felix Müller
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
1  Kommentar
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Schorsch Kronawitter feiert am Wahlabend 1984 seinen Sieg in der Stichwahl. Rechts hinter ihm feiert der junge Christian Ude mit.
imago images/Heinz Gebhardt 5 Schorsch Kronawitter feiert am Wahlabend 1984 seinen Sieg in der Stichwahl. Rechts hinter ihm feiert der junge Christian Ude mit.
CSU-Männer feiern auf der Wiesn 1984. In der Mitte Erich Kiesl, rechts Peter Gauweiler.
imago images/Lindenthaler 5 CSU-Männer feiern auf der Wiesn 1984. In der Mitte Erich Kiesl, rechts Peter Gauweiler.
Erst Kontrahenten in der Stichwahl, dann in (durchaus nicht so einfacher) Zusammenarbeit vereint: Dieter Reiter mit Seppi Schmid auf der Wiesn 2014. Da ist der eine schon OB, der andere sein Stellvertreter und Oktoberfest-Chef.
imago/Christine Roth 5 Erst Kontrahenten in der Stichwahl, dann in (durchaus nicht so einfacher) Zusammenarbeit vereint: Dieter Reiter mit Seppi Schmid auf der Wiesn 2014. Da ist der eine schon OB, der andere sein Stellvertreter und Oktoberfest-Chef.
Zwei von dreien haben es in die Stichwahl geschafft: Dieter Reiter, Dominik Krause und Clemens Baumgärtner im Wahlkampf 2026.
IMAGO/Lindenthaler 5 Zwei von dreien haben es in die Stichwahl geschafft: Dieter Reiter, Dominik Krause und Clemens Baumgärtner im Wahlkampf 2026.
Kristina Frank war 2020 überraschend Reiters Kontrahentin in der Stichwahl, verlor dort jedoch deutlich.
imago images/Sven Simon 5 Kristina Frank war 2020 überraschend Reiters Kontrahentin in der Stichwahl, verlor dort jedoch deutlich.

Auf der Wiesn ist schon mancher eine gewagte Wette eingegangen. Doch der Abend ist noch jung in der Festhalle Schottenhamel, der SPD-Chef macht einen top-konzentrierten, klaren Eindruck. Und wettet, ganz klar und nüchtern, gegen die Rathausreporter der Münchner Zeitungen: Natürlich gewinnt Dieter Reiter im ersten Wahlgang ohne Stichwahl.

Das hatte es über Jahrzehnte nicht mehr gegeben

Das war im Herbst 2013, der Münchner SPD-Chef ein gewisser Uli Pfaffmann. Dieter Reiters erste Wahl stand bevor. Und warum sollte Pfaffmann auch nicht auf seinen Mann setzen. Eine Stichwahl – sowas war bis dahin in München die absolute historische Ausnahme. Nur ein einziges Mal hatte es im ersten Wahlgang einer Oberbürgermeisterwahl keine absolute Mehrheit gegeben. Und das lag Jahrzehnte zurück.

Der SPD-Mann Schorsch Kronawitter war schon von 1972 bis 1978 als Hans-Jochen Vogels Nachfolger Oberbürgermeister gewesen, dann aber nach SPD-internen Kämpfen mit dem linken Flügel der Partei nicht mehr angetreten. 1978 verlor stattdessen der SPD-Kandidat Max von Heckel (bereits im ersten Wahlgang) gegen den CSU-Mann Erich Kiesl, der 51,4 Prozent im ersten Wahlgang erzielte.

CSU-Männer feiern auf der Wiesn 1984. In der Mitte Erich Kiesl, rechts Peter Gauweiler.
CSU-Männer feiern auf der Wiesn 1984. In der Mitte Erich Kiesl, rechts Peter Gauweiler. © imago images/Lindenthaler

In seiner Amtszeit ereilte Kiesl dann aber die sogenannte "Bauland-Affäre": 1981 waren dem mit Kiesl befreundeten Unternehmer Josef Schörghuber und seiner Bayerischen Hausbau 60.000 Quadratmeter städtischer Grund in bester Lage deutlich unter Wert verkauft worden – ein entsprechendes Gutachten wurde dem Stadtrat vorenthalten. Erst 1988 wies die Regierung von Oberbayern einen Unterwertverkauf nach, genehmigte aber 1991 das Geschäft dennoch.

1984 trat wieder Kronawitter an – und gewann in der Stichwahl gegen Kiesl. Die lange Dynastie Münchner SPD-Oberbürgermeister wurde nach kurzer Unterbrechung fortgeführt.

Bis heute. In eine Stichwahl mussten Kronawitter und sein Nachfolger Christian Ude nicht mehr. Der erreichte bei seiner letzten Wahl 2008 im ersten Wahlgang sogar 66,7 Prozent der Stimmen.

Erst Kontrahenten in der Stichwahl, dann in (durchaus nicht so einfacher) Zusammenarbeit vereint: Dieter Reiter mit Seppi Schmid auf der Wiesn 2014. Da ist der eine schon OB, der andere sein Stellvertreter und Oktoberfest-Chef.
Erst Kontrahenten in der Stichwahl, dann in (durchaus nicht so einfacher) Zusammenarbeit vereint: Dieter Reiter mit Seppi Schmid auf der Wiesn 2014. Da ist der eine schon OB, der andere sein Stellvertreter und Oktoberfest-Chef. © imago/Christine Roth

Dann kam die Wahl 2014 - und nicht nur für damalige SPD-Chefs überraschend wurde der historische Ausnahmefall Stichwahl zum Normalfall. Reiter trat bei seiner ersten OB-Wahl gegen den CSU-Mann Seppi Schmid an. Während Reiter im Wahlkampf als Wunsch-Nachfolger von Bürgerkönig Christian Ude vermarktet wurde, versuchte Schmid mit einem damals ungewöhnlichen Konzept einer liberalen, großstädtischen CSU zu punkten.

Im ersten Wahlgang holte Reiter 40,4 Prozentpunkte und lag knapp vor Schmid, in der Stichwahl konnte Reiter – mit einer Wahlempfehlung der Grünen im Rücken – dann mit 57:43 Prozent recht deutlich den Sieg einholen.

Kristina Frank war 2020 überraschend Reiters Kontrahentin in der Stichwahl, verlor dort jedoch deutlich.
Kristina Frank war 2020 überraschend Reiters Kontrahentin in der Stichwahl, verlor dort jedoch deutlich. © imago images/Sven Simon

2020 ging es, anders als von vielen erwartet, dann nicht gegen die Grüne Katrin Habenschaden ins Stichwahl-Duell, sondern gegen Kristina Frank von der CSU. Am Wahlabend verzeichnete die Kandidatin von der Union 21,3 Prozent der Stimmen für sich und lag damit knapp vor ihrer Konkurrentin von den Grünen mit 20,8 Prozent, Dieter Reiter kam auf 47,9 Prozent.

Bei der Stichwahl konnte Reiter dann aber einen seiner größten Siege einfahren. 71,7 Prozent der Stimmen holte er, Frank konnte nur 28,3 Prozent überzeugen.

Auch 2026 kommt es zu einer Stichwahl – mit ganz neuen Vorzeichen

Zwei von dreien haben es in die Stichwahl geschafft: Dieter Reiter, Dominik Krause und Clemens Baumgärtner im Wahlkampf 2026.
Zwei von dreien haben es in die Stichwahl geschafft: Dieter Reiter, Dominik Krause und Clemens Baumgärtner im Wahlkampf 2026. © IMAGO/Lindenthaler

Am Sonntag folgt Reiters dritter Stichwahl-Streich. Dieses Mal traut sich kaum ein Beobachter eine Prognose zu – ein so deutlicher Reiter-Sieg wie 2020 wäre inzwischen auf jeden Fall eine absolute Sensation.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
  • Schmierblatt vor einer Stunde / Bewertung:

    Zeitzeugenfoto. Der "junge Christian Ude" - erfrischend :-)

    Antworten lädt ... Kommentar melden
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.