Neuer Konzertsaal: Nun also doch die Philharmonie

Nach jahrelangen Debatten machen Seehofer und OB Reiter nun Nägel mit Köpfen: Es wird keinen weiteren Konzertsaal für München geben. Stattdessen soll es in der Philharmonie ein neues Auditorium mit optimaler Akustik geben.
| dpa/az
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Seehofer und Reiter haben sich neulich im Rathaus getroffen: Die Philharmonie soll demnach nicht - wie spekuliert - abgerissen, sondern entkernt werden, um dort einen neuen Saal einzubauen.
dpa Seehofer und Reiter haben sich neulich im Rathaus getroffen: Die Philharmonie soll demnach nicht - wie spekuliert - abgerissen, sondern entkernt werden, um dort einen neuen Saal einzubauen.

München - Plötzliches Ende einer prächtigen Vision: Die Idee eines eigenständigen, dritten Konzertsaales für München ist vom Tisch. Stattdessen planen Stadt und Freistaat Bayern gemeinsam einen neuen, akustisch optimalen Saal insbesondere für klassische Konzerte in der alten Hülle der Philharmonie im Kulturzentrum Gasteig. Dies berichteten Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Montag nach einem Gespräch im Münchner Rathaus.

Die Philharmonie soll demnach nicht - wie spekuliert - abgerissen, sondern entkernt werden, um dort einen neuen Saal einzubauen. Die akustische Qualität des riesigen bisherigen Saales mit rund 2400 Plätzen war seit seinem Bau vor rund 30 Jahren in der Kritik. "Ich will einen Konzertsaal mit Weltniveau", sagte Seehofer. Parallel zu diesem Vorhaben werde der Freistaat den ihm gehörenden Herkulessaal in der Münchner Residenz baulich "ertüchtigen". Die Idee, auf dem Gelände des sogenannten Finanzgartens nahe dem Odeonsplatz oder andernorts in München ein sowohl architektonisch wie akustisch Maßstäbe setzendes neues Konzerthaus zu bauen, ist damit vom Tisch.

Was die Zahl der Plätze für Konzertbesucher in beiden Sälen anbelangt, soll der Status quo in etwa erhalten bleiben. Die Kapazität der Philharmonie wird laut Reiter "nicht wesentlich" sinken. Allerdings wird es auch keinen Zuwachs an Plätzen insgesamt in München geben. Vor allem seitens privater Konzertveranstalter war immer wieder kritisiert worden, dass es in der weltbekannten Musikstadt München mit insgesamt drei Spitzenorchestern vor allem an einem Saal mittlerer Größe mangele.

Lesen Sie hier: Kritik an Konzertsaal-Lösung für München

Zuletzt waren zudem Befürchtungen laut geworden, dass das klassische Konzertleben in München während der Entkernung der Philharmonie und dem Neubau praktisch zum Erliegen komme. Dem widersprachen die beiden Politiker entschieden. Man werde sich rechtzeitig um eine "vernünftige Interimslösung" kümmern, sagte Reiter.

Die Debatte um einen neuen Konzertsaal schwelt seit Jahren. Seitdem seien zahlreiche Standorte geprüft worden, aber ohne Ergebnis, sagte Seehofer. Er wolle jetzt handeln. "Wir nehmen viel Geld in die Hand bei 100 Prozent Realisierungschancen." Konkrete Zahlen nannte Seehofer nicht. Einen angeblich vorgesehenen Beitrag des Freistaates in Höhe von 200 Millionen Euro für das Konzertsaalprojekt dementierte der Ministerpräsident ausdrücklich.

Bereits in einer Woche wolle er einen entsprechenden Kabinettsbeschluss auf den Weg bringen. Alle Details wie Kosten und die Belegungsrechte für die beiden betroffenen Klangkörper, die Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, sollen danach geklärt werden. Vor allem für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dessen Chefdirigent Mariss Jansons sich seit Jahren für einen dritten Saal einsetzt, ist die Entscheidung eine herbe Enttäuschung.

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