Interview

Naturschutzbund über Kröten: "Wir müssen die Tiere einfangen"

Auch im Stadtgebiet sind Kröten gefährdet. Der Bund Naturschutz erklärt, wo die Gefahren lauern und wie man selbst zum Amphibien-Retter wird.
| Conie Morarescu
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"Amphibien sind faszinierende Tiere. Es reicht, innezuhalten und sie zu beobachten, um das zu erkennen", sagt Martin Hänsel vom Bund Naturschutz.
"Amphibien sind faszinierende Tiere. Es reicht, innezuhalten und sie zu beobachten, um das zu erkennen", sagt Martin Hänsel vom Bund Naturschutz. © Wolfgang Willner

München - Die Laichzeit ist angebrochen und Amphibien erwachen aus ihrer Kältestarre, um zu dem Ort zurückzukehren, an dem sie geschlüpft sind. Auf ihrem Weg zu den Teichen und Tümpeln müssen sie viele Gefahren überwinden, besonders am Stadtrand.

Ihre Lebensräume kann man sich wie Inseln vorstellen. Straßen, Gleise, Fahrrad-Trails trennen häufig den Überwinterungsort vom Geburtsgewässer. Der Bund Naturschutz sucht Helfer, um Kröten und Frösche sicher zu ihrem Ziel zu bringen.

Isar und Würm: Wichtige Lebensadern für Kröten

Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer der Kreisgruppe München, erklärt der AZ, was genau getan wird und welche Gefahren auch innerhalb der Biotope noch auf die Tiere lauern.

AZ: Herr Hänsel, dass Kröten in der Stadt unterwegs sind, würde man nicht unbedingt vermuten. Wo genau sind die Lebensräume der Amphibien im Münchner Stadtgebiet?
MARTIN HÄNSEL: Die befinden sich eher am Stadtrand und sind inselartig verteilt. Ein Beispiel im Süden ist der Perlacher Forst, im Norden dienen die Heiden als Lebensraum, im Osten der Buga-Park. Auch Isar und Würm sind wichtige Lebensadern für die Tiere.

Martin Hänsel vom Bund Naturschutz.
Martin Hänsel vom Bund Naturschutz. © Herbert Stadelmann

"Wir haben künstliche Laichgewässer im Forst angelegt"

Wie sieht die Arbeit vom Bund Naturschutz hier aus?
Aktuell haben wir ein Projekt am Perlacher Forst. Dort wollen die Amphibien vom nördlichen Rand des Forstes über eine Straße in die Gartenteiche der Anwohner wandern. Sie steuern als Ziel immer den Teich an, in dem sie geschlüpft sind. Wir haben künstliche Laichgewässer im Forst angelegt. Die Aufgabe besteht darin, die Tiere mit Hilfe eines Schutzzaunes einzufangen, bevor sie auf die Straße gelangen. Dann bringen wir sie zu den neuen Teichen, wo sie laichen können. Die nächste Generation wandert automatisch dorthin und muss nicht mehr die Straße überqueren.

Dann sind die Nachkommen in Sicherheit …
Das kann man so nicht sagen. Gefährlich kann es immer noch werden. Die Amphibien wandern nämlich sehr langsam. Wenn sie aus der Kältestarre erwachen, sind sie noch sehr schwach, denn sie haben ihren Organismus im Winter auf Sparflamme gestellt. Um sich aufzuwärmen, suchen sie sich gerne sonnige Flecken, das kann im Wald ein Trail sein, über den Biker fahren. Die merken dann nicht einmal, dass sie gerade einen Frosch überfahren haben.

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Gibt es noch weitere Gefahrenquellen im Wald?
Andere Tiere. Das sind aber nicht immer nur natürliche Fressfeinde. Es kommt auch vor, dass Haustierbesitzer ihre Goldfische im Teich aussetzen. Dieser Teich ist dann zum Ablaichen für die Amphibien unbrauchbar. Bis auf die Erdkröte kann sich keine Art gegen Goldfische durchsetzen.

Eine Kröte in Nahaufnahme.
Eine Kröte in Nahaufnahme. © Wolfgang Willner

Was kann noch passieren?
Es kann auch vorkommen, dass Hunde in den Teich stürmen und das Wasser aufwühlen. Sie brauchen die Laiche nicht einmal zu zertreten. Der aufgewirbelte Schlamm setzt sich auf den Laichballen nieder, die dann verpilzen. Das ist sehr schade, denn Amphibien sind faszinierende Tiere. Es reicht, einmal innezuhalten und sie zu beobachten, um das zu erkennen. Wie ihre Schallblasen beim Rufen anwachsen, auch die Färbung der Haut ist wunderschön. Der Respekt vor dem Lebensraum dieser Tiere kommt dann von alleine.

Wenn man sich gerne aktiv für die Frösche und Kröten engagieren möchte, an wen kann man sich wenden?
Für das Projekt im Perlacher Forst suchen wir aktuell Helfer, idealerweise Menschen, die in der Nähe wohnen und abends mal eine Stunde Zeit haben. Leider können wir als Kreisgruppe München unmöglich alle Stadtrandgebiete abdecken. Deshalb suchen wir immer engagierte Anwohner aus den verschiedenen Gebieten, die wir dann dabei unterstützen, Zäune aufzustellen und die Amphibien am richtigen Ort auszusetzen. Man kann sich auch an die Untere Naturschutzbehörde wenden.


Ansprechpartner für die Zaunkontrolle am Perlacher Forst sind Christiane Hartmann und Andreas Weißbrodt. E-Mail: kroeten-harlaching@t-online.de Tel.: 089 0151 / 56 38 70 24

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