Münchner Kreativquartier: Kreative treffen auf Kommerz

Im Kreativquartier wollte die Stadt Künstlern bezahlbare Möglichkeiten schaffen, mitten in der teuren Stadt zu arbeiten. Warum das nicht wirklich klappt - und wie Grün-Rot reagiert.
| Paul Nöllke
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Recht steril wirken die Container-Ateliers.
Recht steril wirken die Container-Ateliers. © Paul Nöllke

München - Wie ein Fremdkörper stehen die Atelier-Container an der Dachauer Straße. Ordentlich, grün und etwas steril bilden sie einen harten Kontrast zu den alten, heruntergekommenen und bemalten Hallen, in denen Künstler schon morgens werkeln. Das Kreativquartier an der Dachauer Straße - man sieht ihm den Wandel an.

Als die Stadt 2018 beschloss, das Kreativlabor auf dem Gelände an eine städtische GmbH zu übergeben, war klar, dass die Gesellschaft mit dem Areal, auf dem fast 300 Künstler ihre Ateliers haben, Gewinn erzielen muss. Die Folge: höhere Mieten, der Abriss von alten Hallen, wo jetzt die grünen Container als Ateliers dienen sollen, und Gebühren für Veranstaltungen auf dem Gelände.

Die GmbH muss das Kreativquartier wirtschaftlich nutzen

Dass das weder künstlerische Freiräume schafft, noch der Kreativität zuträglich ist, nahm man damals in Kauf.

Doch nun soll sich das ändern: Mit insgesamt acht Anträgen im Stadtrat wollen die regierenden Rathausfraktionen Grüne/Rosa Liste und SPD/Volt die Situation für die Künstler verbessern. Im Zentrum der Anträge steht die Idee, der städtischen Münchner Gewerbehof und Technologiezentrumsgesellschaft mbH (MGH) das Kreativlabor unter Umständen sogar wieder zu entziehen.

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Man habe die MGH damals als Betreiber gewählt, weil man sich gute Fortschritte bei der Sanierung und dem Bau auf dem Gelände versprochen habe, erklärt SPD-Stadträtin Kathrin Abele. "Und die Sanierung und der Bau laufen ja auch sehr gut." Doch die Interessen von MGH und Stadt seien nicht immer die gleichen. Während die MGH gezwungen sei, wirtschaftlich zu arbeiten, wolle die Stadt das Kreativlabor erhalten und den Künstlern in München einen günstigen Ort zum Arbeiten bieten.

Mietpreise für Künstler sollen wieder sinken

Nun also alles anders? Zumindest prüfen soll die Stadt, ob man der MGH das Grundstück wieder entziehen oder eine zusätzliche Betreibergesellschaft einstellen kann, die sozialer wirtschaften kann. Zudem sollen die Mietpreise für die Künstler wieder sinken. Die MGH berechnet zur Zeit für die Miete nämlich die "Bruttofläche", also eine Fläche inklusive dicker Mauern. Das soll sich ändern. Auch soll die MGH ein Konzept erarbeiten, sodass Künstler, die als gemeinnütziger Verein oder als Kleinunternehmer organisiert sind, keine Mehrwertsteuer zusätzlich zur Miete zahlen müssen.

Und das ist nicht alles: Freiflächen sollen den Künstlern am besten kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Mona Fuchs, Stadträtin der Grünen, hofft, dass so mehr Veranstaltungen stattfinden können. "Wenn die Künstler hier einen Flohmarkt veranstalten wollten, musste die MGH Gebühren verlangen", berichtet sie. "Das ging finanziell aber nicht und so gab es dann natürlich keinen Flohmarkt."

"Wir Künstler leisten viel für die Stadt"

Auch ein "Begrünungskonzept" wird im Antrag gefordert. In der Vergangenheit wurden mobile Hochbeete, die Künstler angelegt hatten, bei einer Aufräumaktion entsorgt - das soll nach Willen der Antragsteller nicht mehr vorkommen.

Zur Pressekonferenz im Kreativlabor, auf der die Stadträte Mona Fuchs und Katrin Abele ihre Anträge vorstellen, ist auch ein hier ansässiger Künstler gekommen. Corbinian Böhm ist Bildhauer und freut sich, dass die Stadt sich endlich der Vorschläge der Künstler annimmt. "Wir Künstler leisten viel für die Stadt", sagt er, "ich hoffe nun, dass die Stimme der Künstler weitergetragen wird!"

(V.l.) Der Künstler Corbinian Böhm und die Stadträtinnen Mona Fuchs (Grüne) und Kathrin Abele (SPD).
(V.l.) Der Künstler Corbinian Böhm und die Stadträtinnen Mona Fuchs (Grüne) und Kathrin Abele (SPD). © Daniel von Loeper

Wer die grünen Container auf dem Gelände sieht, kann sich ausmalen, was dem Kreativquartier droht - wenn nun nicht gehandelt wird.

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