Münchner Frauenberatungsstelle begrüßt die Umgestaltung des Teufelsrads

Über vier Frauenfiguren über dem Eingang des Teufelsrades streitet München gerade heftig. Die Betreiberin hat sie so umpinseln lassen, dass sie nun mehr Kleidung tragen. Vorausgegangen war ein Hinweis der Stadt. Die CSU, aber auch die grüne Bürgermeisterin Mona Fuchs und sogar der Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) kritisierten das Vorgehen ihrer eigenen Behörde. Doch das sehen nicht alle so.
Kristina Gottlöber von der Frauenberatungsstelle Imma, die die Sichere Wiesn, einen Safe Space auf dem Festgelände, mitorganisiert, hat der AZ erklärt, warum sie die Änderung der Figuren begrüßt.
"Sexualisierte Gewalt beginnt viel früher als beim Übergriff"
"Natürlich ist es nicht egal, wie Mädchen und Frauen dargestellt werden", sagt sie. Denn: "Sexualisierte Gewalt beginnt viel früher als beim Übergriff." Aus der Forschung wisse man, dass sexualisierte Darstellungen von Mädchen und Frauen Gewalt begünstigen können.
"Sexualisierte Bilder prägen die Gesellschaft", sagt Gottlöber. Insgesamt habe sich in den vergangenen Jahrzehnten viel verändert – etwa, wie Frauen in Werbung dargestellt werden. "Warum soll sich nicht auch die Wiesn verändern?", fragt sie. "Wir finden es deshalb gut, dass die Betreiberin positiv auf den Vorschlag der Stadt reagiert hat."
Die frühere Vorsitzende der Gleichstellungskommission, die ehemalige SPD-Stadträtin Micky Wenngatz, erinnert daran, dass die Idee für die Umgestaltung schon drei Jahre alt ist: "Damals hatten sich Mitglieder der Gleichstellungskommission, auch aus den Reihen der Grünen und der CSU, vor Ort persönlich ein Bild gemacht. Wir haben genau hingeschaut. Unser gemeinsames Ergebnis: Einige Figuren sind sexistisch dargestellt, eine rassistisch."
Dass die CSU nun trotzdem von Prüderie spreche, sei für sie nicht überraschend. "Aber von den Grünen, die sich gerne als feministische Kraft präsentieren, hätte ich erwartet, dass sie standhaft bleiben", so Wenngatz.
Was tut die Stadt gegen Upskirting?
Für problematisch hält die städtische Gleichstellungsstelle die Frauenfiguren auch deshalb, weil es im Teufelsrad vermehrt zu Fällen von Upskirting gekommen ist. Männer haben Frauen unter den Rock gefilmt und diese Aufnahmen im Netz verbreitet.
ÖDP-Chef Tobias Ruff will mit einer Anfrage klären, welche Möglichkeiten die Stadt hat, gegen solche Aufnahmen und ihre Verbreitung vorzugehen. "Ich wünsche mir, dass wir jetzt einen Schritt aufeinander zugehen und gemeinsam überlegen, wie wir Frauen auf der Wiesn wirklich schützen können", meint er. Erfahren will Ruff mit seiner Anfrage auch, wie die Stadt Frauen bei einer Anzeige unterstützen kann.