Münchens Saubären: Das Müll-Problem an der Isar

Weil zur Zeit Clubs und Bars geschlossen sind, feiern viele Münchner am Flussufer. Übrig bleibt Abfall, das Gebüsch wird als Toilette missbraucht. Anwohner ärgern sich, und fühlen sich alleingelassen.
| Paul Nöllke
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Morgens sind die Wiesen mit Müll übersäht, zerbrochene Flaschen liegen im Gras und auf den Steinen.
privat 5 Morgens sind die Wiesen mit Müll übersäht, zerbrochene Flaschen liegen im Gras und auf den Steinen.
Besonders häufig am Isarufer zu sehen: Zerbrochene Flaschen, die Scherben sind vor allem für Hunde besonders gefährlich.
privat 5 Besonders häufig am Isarufer zu sehen: Zerbrochene Flaschen, die Scherben sind vor allem für Hunde besonders gefährlich.
Pizzakartons, Plastikverpackungen und Glasflaschen: Der Müll wird von den Feierenden einfach liegen gelassen.
privat 5 Pizzakartons, Plastikverpackungen und Glasflaschen: Der Müll wird von den Feierenden einfach liegen gelassen.
Der Müll liegt weit verstreut auf der Wiese.
privat 5 Der Müll liegt weit verstreut auf der Wiese.
Am Isarufer stehen Gitterboxen, in die der Müll geworfen werden kann. Nicht jeder macht's allerdings.
privat 5 Am Isarufer stehen Gitterboxen, in die der Müll geworfen werden kann. Nicht jeder macht's allerdings.

München - Im Gebüsch leuchten weiße Flecken. Fast sieht es aus, als läge hier noch Schnee vom vergangenen Winter. Doch es ist Anfang August und die weißen Flecken sind keine Schneereste, sondern hunderte benutzte Papiertaschentücher.

"Die Frühlingsanlagen sind hier inzwischen eine große Toilette", sagt Wolfgang Dykiert genervt. Die Taschentücher im Gebüsch geben ihm recht. Doch es sind nicht nur die Fäkalien, die Wolfgang Dykiert jeden Morgen ärgern, wenn er mit seinem Hund Aslan am Isarufer spazieren geht. "Am gefährlichsten sind die Scherben." Denn neben den aufgeweichten Pizzakartons und zerknüllten Chipstüten, die morgens noch überall zu finden sind, liegen auch eine ganze Menge zerbrochene Flaschen. "Die können die Müllmänner nicht einzeln aufsammeln", sagt Dykiert. Er hat Sorge, dass sich sein Hund die Pfoten aufschneiden könnte.

Besonders häufig am Isarufer zu sehen: Zerbrochene Flaschen, die Scherben sind vor allem für Hunde besonders gefährlich.
Besonders häufig am Isarufer zu sehen: Zerbrochene Flaschen, die Scherben sind vor allem für Hunde besonders gefährlich. © privat

Beim Spaziergang mit der AZ am Freitagmorgen behält er Aslan daher ganz genau im Blick. Mit seinen Problemen hat er sich schon an die Stadt gewandt – sogar mehrmals. "Ich habe drei Mal geschrieben", sagt er. "Einmal habe ich die Antwort bekommen, dass man sich kümmere, aber es ist nichts passiert."

An schönen Tagen feiern Tausende an der Isar

Wolfgang Dykiert ärgert sich über diese Untätigkeit: "Ich sehe dann, dass der Oberbürgermeister am Max-Joseph-Platz Sand zu einem Strand aufschütten lässt, aber um den echten Isarstrand kümmert er sich nicht." An manchen Tagen feierten bis zu 10.000 Menschen an der Isar. "Oft sind es etwa 5.000", schätzt Dykiert. Zwar gäbe es ein paar Dixiklos am Ufer, die seien jedoch viel zu wenige und unhygienisch. "Da würde ich auch nicht auf Toilette gehen wollen", sagt Dykiert.

Mit den Feiernden hat er grundsätzlich kein Problem – obwohl er direkt an den Grünanlagen lebt und die Partys regelmäßig mitbekommt. Wie am Fußballstadion sei der Lärm manchmal. "Aber so ist das nun mal, wenn man in einer Großstadt lebt." Er verstehe, dass die Jugendlichen feiern wollen, jetzt wo alle Bars und Clubs geschlossen sind und der Urlaub bei vielen ausfällt. "Ich glaube aber, dass es Aufgabe der Stadt wäre, den Leuten dazu geeignete Orte zur Verfügung zu stellen."

Pizzakartons, Plastikverpackungen und Glasflaschen: Der Müll wird von den Feierenden einfach liegen gelassen.
Pizzakartons, Plastikverpackungen und Glasflaschen: Der Müll wird von den Feierenden einfach liegen gelassen. © privat

Party-Platz auf der Theresienwiese?

Dykiert könnte sich ein Areal auf der Theresienwiese vorstellen, wo die Stadt kontrolliert, wie viele Leute auf das Gelände kommen, und wo es Toiletten gibt. "Am nächsten Tag könnte man einfach mit der Kehrmaschine durchfahren", sagt er.

Auch an der Isar wird aufgeräumt. Mehrere Männer in orangenen Westen leeren die Mülleimer, sammeln Verpackungen und Essensreste aus dem Gras – so gut es eben geht. "Das ist doch auch eine Zumutung", sagt Dykiert. "Dass diese Leute jetzt den Müll der Feiernden wegräumen müssen." Er schlägt vor: den Müll einfach mal ein paar Tage liegenlassen. "Damit die Feiernden am nächsten Tag einmal sehen, was sie hier zurücklassen."

Der Müll liegt weit verstreut auf der Wiese.
Der Müll liegt weit verstreut auf der Wiese. © privat

Ein Ladenbesitzer in der Nähe bestätigt, dass diesen Sommer besonders viel an der Isar los ist. Er erzählt auch, dass viele Leute, die bei ihm Pfandflaschen kaufen, den Pfand nicht wieder selbst zurückbringen. "Das war aber schon immer so." Am Ufer sieht man so auch viele Pfandflaschensammler, die Glasscherben werden aber natürlich auch von ihnen liegengelassen. "Ich habe Leute gesehen, die leere Flaschen auf den Weg gestellt haben und dann mit anderen Flaschen so lange darauf geworfen haben, bis sie zerbrechen", erzählt Dykiert. "So etwas ärgert mich."

Hochwasser hat den Isar-Müll weggespült

Für die Stadtrats-SPD ist das Müllproblem an der Isar schon seit längerem Thema. Vor mehr als zwei Wochen forderte SPD-Stadtrat Christian Vorländer in der AZ bereits eine Öffentlichkeitskampagne, die "dazu beitragen soll, das Verantwortungsbewusstsein zu schärfen". Doch die Ankündigung solcher Kampagnen bringt den Anwohnern - zumindest kurzfristig - nichts.

Sobald Wolfgang Dykiert mit seinem Hund am Reinigungstrupp der Stadt vorbeigegangen ist, lässt er Aslan wieder freien Auslauf. Die Wiese ist hier gesäubert, auf dem Weg glänzen nur noch vereinzelt Scherben in der Sonne. "Die Überflutung an der Isar war eigentlich ein Glück", sagt Dykiert. Wegen des hohen Wassers kamen ein paar Tage weniger Leute zum Feiern, es lag viel weniger Müll auf der Wiese. "Zudem hat das Wasser auch den Müll weggespült", erzählt er.

Am Isarufer stehen Gitterboxen, in die der Müll geworfen werden kann. Nicht jeder macht's allerdings.
Am Isarufer stehen Gitterboxen, in die der Müll geworfen werden kann. Nicht jeder macht's allerdings. © privat

Für das Wochenende ist wieder strahlender Sonnenschein angekündigt. Auch das Isar-Hochwasser soll langsam abnehmen. Dykiert erwartet dann wieder tausende Feiernde an der Isar – und am nächsten Morgen ihren Müll. "An solchen Tagen gehe ich gar nicht hier runter", erzählt er. Dann bleibt er lieber oben am Ufer, an den Frühlingsanlagen. "Hier sind weniger Scherben", erzählt er. "Dafür verrichten hier die Leute ihre Notdurft im Gebüsch." Zwischen Glasscherben und Fäkalien sind Letzteres für ihn und Aslan das kleinere Übel.


Müllproblem in München?

Was sind Ihre Erfahrungen mit Müll an der Isar? Haben Sie bei sich im Viertel ebenfalls Grünanlagen, die vermüllt sind, und sehen Sie die Stadt oder die Feiernden in der Pflicht? Glauben Sie, es ist eine gute Idee, den Müll einfach liegenzulassen und was könnte die Stadt tun, um das Problem in den Griff zu bekommen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung und Erfahrungen unter leserforum@az-muenchen.de oder per Post unter dem Stichwort "Leserforum" Garmischer Straße 35, 81373 München

Bilder aus München: Das große Aufräumen in der Isar

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema: Zu wenig Angebote für junge Münchner

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