Münchens Innenstadt autofrei? Es braucht ein Gesamtkonzept

Beim Expertengespräch im Rathaus ist im Münchner Stadtrat am Mittwoch leidenschaftlich diskutiert worden – bald soll es neue Beschlüsse zum Thema geben. 
| Paul Nöllke
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München -  Ein Lob aus Hamburg hört der Münchner ja eher selten. Wenn München aber mal aus dem Norden gelobt wird, freut man sich besonders. "Wenn es um Verkehr geht, schauen wir immer neidisch auf die Bayern", sagte Stefanie Bremer am Mittwoch im Rathaus.

Die Professorin für Verkehrsplanung sprach zum Expertengespräch "Autofreie Innenstadt". Und obwohl sie die Münchner Verkehrspolitik lobte, übte sie auch Kritik. "Dass wir über eine autofreie Innenstadt reden, gefällt mir nicht", sagte sie gleich zu Beginn. "Im Wahlkampf mag das ein guter Slogan sein, aber eine autofreie Innenstadt wird es nie geben." Solche Formulierungen spalteten die Bürger. "Nutzen Sie bitte nicht diesen Kampfbegriff", appellierte sie. "Verkehr soll besser werden. Darum geht es."

Professorin fordert Gesamtkonzept für Verkehr in München

Die Professorin forderte ein Gesamtkonzept für den Verkehr in München. Als Beispiel nahm Bremer eine Visualisierung der Grünen, welche eine autofreie Straße zeigte. "Das ist ein tolles Konzept, aber es entstehen Fragen", so Bremer. "Wo sind die weggefallenen Stellplätze, wo sind Lieferzonen, warum gibt es keine Bäume?" All dies seien Fragen, die im Gesamtkonzept beantwortet werden müssten.

München habe vor fast 50 Jahren mit der Fußgängerzone ein Vorbild geschaffen, das solle auch der Anspruch in Zukunft sein. Ein weiterer Experte war Peter Blösl vom Paketlieferer UPS. Er erklärte, wie der Kurierdienst in München Lastenräder nutzt und in der Innenstadt mit nur drei Lastwagen ausliefert. "Da ist München schon Vorbild", sagte Peter Blösl.

OB Dieter Reiter: "Brauchen Konzept für die gesamte Stadt"

OB Dieter Reiter (SPD) begrüßte die Ideen: "Wir brauchen ein Konzept für die gesamte Stadt, das ist mir klar geworden." Er hoffe, dass die Verwaltung dies bald vorlegen könne. Gleichzeitig griff er die Grünen an: "Es langt eben nicht, nur ein kleines Stückchen Straße umzubauen." Stadtrat Paul Bickelbacher (Grüne) widersprach: "Man muss nicht für jede Straße ein komplettes Konzept haben. Manchmal muss man mit Provisorien arbeiten." Trotz Differenzen gaben sich die Beteiligten optimistisch.

SPD-Stadtrat Jens Röver freute sich, dass die Anhörung "einen so großen Konsens gezeigt hat". So äußerte sich auch Wirtschaftsreferent Clemens Baumgartner (CSU). Vorab hatte er kritisiert, dass keine Experten aus Handel und Gastronomie geladen worden waren. "Es war gut zu hören, dass auch Handel und Gewerbe berücksichtigt werden müssen." 

Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer, der das Gespräch als Besucher verfolgt hatte, fügte hinzu: "Endlich wird erkannt, dass München ein Gesamtverkehrskonzept braucht."

Autofreie Innenstadt in München steht weiter zur Debatte

Auch Stadtrat Florian Roth (Grüne) gefiel das Gespräch: "Wir haben das lange vorangetrieben. Wie in der Umfrage der AZ zu sehen, wird eine autofreie Innenstadt von vielen gewünscht." Stadtbaurätin Elisabeth Merk kündigte an, dem Stadtrat in den nächsten Monaten Beschlüsse zu dem Thema vorzulegen: "Dann können Sie abstimmen" - und auf die Worte Taten folgen zu lassen.

 

Lesen Sie auch: Autofreie Altstadt - Münchner Wirtschaft warnt vor Aktionismus

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