München: Warum der Krieg um die Parkplätze tobt

Mehr Parklizenzen als Plätze. Bei der Neugestaltung von Straßen opfert die Stadt München immer wieder Parkplätze – das verschärft das Gerangel um freie Lücken.
| Florian Zick
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Stoßstange an Stoßstange – gewohntes Bild in München.
Peter Braun Stoßstange an Stoßstange – gewohntes Bild in München.

München - In München gibt es zu wenig Parkplätze – was an sich keine sensationelle Neuigkeit ist. Vermutlich jeder Autofahrer hat auf der Suche nach einer Lücke hier schon so seine Runden um den Block gedreht. Interessant allerdings ist, dass die Stadt dieses Problem in den vergangenen Jahren noch zusätzlich verschärft hat.

Seit 2002 sind durch die Umgestaltung von Straßenzügen und Plätzen in München etwa 1.850 Parkplätze weggefallen. In der gleichen Zeit ist die Stadt jedoch erheblich gewachsen. Durch die Nachverdichtung ist es in einzelnen Stadtvierteln mittlerweile richtig eng geworden – dort tobt auf den Straßen jetzt der allabendliche Parkplatz-Krieg.

Überall sind mehr Parklizenzen im Umlauf, als es Parkplätze gibt

Betroffen vom Parkplatz-Schwund sind so gut wie alle Stadtbezirke. In Haidhausen sind 300 Plätze weggefallen, in der Maxvorstadt 500 und im Lehel 150. Alleine in Obergießing konnten durch die Aufhebung von Parkverboten 50 Plätze gewonnen werden. „Kein besonders guter Zustand“, findet Stadtrat Thomas Ranft (Piraten).

Ranft und seine Fraktionskollegen von FDP und Hut haben schon länger den Eindruck, dass die Stadt bei Neubaumaßnahmen oft Parkplätze opfert. Das ist vor allem deshalb problematisch, weil in allen Stadtvierteln mehr Anwohner-Parklizenzen vergeben sind, als es dort tatsächlich Parkplätze gibt. In Haidhausen zum Beispiel sind auf den Straßen ungefähr 10.400 Parkplätze verfügbar – im vergangenen September waren dort jedoch 13.766 Parklizenzen vergeben. Da kann man sich leicht vorstellen, dass zu Spitzenzeiten das Parkplatzgerangel groß ist. „Irgendwie klappt’s aber dann doch immer“, sagt Stadtrat Wolfgang Heubisch (FDP).

Heubisch wohnt seit einigen Wochen in Haidhausen, zuvor hat er im Lehel gelebt. Er weiß, wie eng es auf Münchens Straßen werden kann. Es seien aber auch nie alle Anwohner gleichzeitig da, sagt er. Deswegen sei das Problem gar nicht so groß, wie es die Zahlen zunächst den Anschein machen. Richtig ungemütlich werde es immer erst, wenn in der Nähe eine Veranstaltung stattfinde. „Dann“, so Heubisch, „sind die Parkbuchten wirklich dicht“.

Man kann nur eines von beidem haben

Einen richtigen Ausweg aus dem Dilemma weiß er nicht. Mehr Parkhäuser seien auch keine Lösung, „das wäre architektonisch und stadtplanerisch eine Tragödie“, sagt Heubisch. Und schließlich seien die Parkplätze auch nicht einfach so gestrichen worden, sie entfielen „zugunsten der Aufwertung von Plätzen und Straßenzügen“, wie die Stadt mitteilt. Man kann also nur eines von beidem haben: Ausreichend Parkplätze oder eine schön gestaltete Stadt – „eine Ideallösung gibt es da nicht“, sagt Heubisch. Bis auf ein bisschen Feintuning sei wohl nicht mehr drin.

Ums Rundendrehen um den Block kommt man also auch in Zukunft nicht herum.

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