München: Viel zu wenige Plätze in Frauenhäusern

In den Frauenhäusern in München gibt es nur 78 Plätze - das beklagt nun die ÖDP. Sie fordert, das Angebot zu verdreifachen. Und schimpft auf die Stadt.
| Emily Engels
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Körperliche Gewalt ist für viele Frauen Alltag. In München haben Betroffene zu wenige Anlaufpunkte, beklagt nun die ÖDP.
picture alliance / dpa Körperliche Gewalt ist für viele Frauen Alltag. In München haben Betroffene zu wenige Anlaufpunkte, beklagt nun die ÖDP.

München - Die Zahlen des Landeskriminalamtes sind ernüchternd: Jede dritte Frau in Deutschland erleidet mindestens einmal in ihrem Leben körperliche Gewalt.

In München steht dem gegenüber eine ebenfalls sehr ernüchternde Zahl: In den Frauenhäusern der Stadt gibt es nur 78 Plätze. Das ist ein halber Platz pro 10.000 Einwohner.

Mehr Plätze in Frauenhäusern: "Unsere gesetzliche Verpflichtung"

Viel zu wenig, beklagt die Fraktion ÖDP-Freie Wähler-München Liste jetzt in einem öffentlichen Brief an Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) an. Zudem eine Quote, die gegen die vor bereits neun Jahren von der EU beschlossenen Istanbul-Konvention verstößt. Denn diese schreibt vor, dass es pro 10.000 Einwohner einen Platz geben muss. Die ÖDP fordert deshalb jetzt in einem Antrag: Die Kapazität an Plätzen in Frauenhäusern muss im nächsten Jahr auf 0,75 pro 10.000 Einwohner und in den nächsten sechs Jahren auf 1,5 pro 10.000 Einwohner ausgeweitet werden.

Rudolf Schabl, planungspolitischer Sprecher der ÖDP, erklärt: "Das ist uns nicht nur ein moralisches Anliegen, sondern unsere gesetzliche Verpflichtung."

Die ÖDP hatte im Mai eine Anfrage an die Sozialreferentin gestellt. Jetzt heißt es in der Antwort von Schiwy, die der AZ vorliegt: "Eine referatsübergreifende Arbeitsgruppe (Sozialreferat, Referat für Gesundheit und Umwelt, Frauengleichstellungsstelle) befasst sich seit geraumer Zeit mit dem Ausbau an Frauenhausplätzen unter besonderer Berücksichtigung von Plätzen für psychisch kranke und suchtkranke Frauen."

Schabl: "Jeder hat ein Recht auf ein Leben ohne Angst und Gewalt"

Schabl reagiert jetzt darauf: "Jeder hat ein Recht auf ein Leben ohne Angst, Bedrohung und Gewalt." Die Stadt dürfe die Münchnerinnen nicht länger in ihrer Not alleine lassen.

Schabl klagt an: "Die Stadt muss psychisch Kranke und Suchtkranke so umfassend wie möglich unterstützen. Es ärgert mich aber, dass das Sozialreferat diese Unterstützung als Ersatz für dringend benötigten Frauenhausplätze sieht und die Bedarfe gegeneinander ausspielt."

Schabl hatte auch gefragt, ob es seit der Corona-Krise eine verstärkte Nachfrage nach Plätzen gibt. Diese habe man noch nicht feststellen können, schreibt Schiwy in ihrer Antwort an die ÖDP.

Lesen Sie hier: Clemens Baumgärtner - Der Stadt fehlt mindestens eine Milliarde

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