München: Traditionsgeschäft am Königshof zieht nach 70 Jahren aus

Der Königshof-Abriss steht bevor, die Geschäfte müssen weichen. So auch ein Traditions-Juwelier, der sich nach 70 Jahren einen neuen Standort suchen muss.
| Myriam Siegert
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Robert (links) und Rudolf Bleiholder ziehen mit Geschäft und Werkstatt um.
Daniel von Loeper 5 Robert (links) und Rudolf Bleiholder ziehen mit Geschäft und Werkstatt um.
Zweite Generation: Vater Bleiholder 1986 vor dem Laden im Königshof.
oh 5 Zweite Generation: Vater Bleiholder 1986 vor dem Laden im Königshof.
Erste Generation: die Großmutter vor dem Laden in der Perusastraße.
oh 5 Erste Generation: die Großmutter vor dem Laden in der Perusastraße.
Die Brüder sind beide Goldschmiede.
Daniel von Loeper 5 Die Brüder sind beide Goldschmiede.
Die Werkstatt der Gebrüder Bleiholder.
Daniel von Loeper 5 Die Werkstatt der Gebrüder Bleiholder.

München - Versteckt hinter einer cremefarbenen Wand am Ende des kleinen Ladens geht es nach oben. Eine schöne alte Holztreppe mit geschwungenem Geländer hinauf auf eine Art Zwischenboden. Die Decke ist gewölbt, in der Mitte ein tiefer Balken. Wer über 1,70 Meter groß ist, muss sich ducken. Hier im Eck ist die kleine Werkstatt, in der die Bleiholders werkeln. Beide sind Goldschmiedemeister, "hier ist alles Handwerk", sagt Rudolf Bleiholder (47).

Seit 99 Jahren gibt es den Familienbetrieb, 1919 wurde er von den Großeltern gegründet, damals noch in der Perusastraße. Seit 1948, also seit 70 Jahren, sind sie im Königshof mit Blick auf den Justizpalast. Jetzt aber kleben die roten "Räumungsverkauf"-Aufkleber draußen auf dem Fenster. Der Königshof, eines der vielleicht markantesten Gebäude der Stadt, wird abgerissen, die Geschäfte rundherum schließen oder sind schon zu. Am 24. Dezember ist bei den Bleiholders der letzte Tag. Im Januar starten sie an einem neuen Standort in ihr hundertstes Jahr.

Großes Glück: Es gibt schon einen neuen Standort

Hat er Trennungsschmerz? "Ja, sehr", sagt Robert Bleiholder (50). "Weil ich nichts mitnehmen kann, die Ladeneinrichtung, und auch die Möbel hier, die sind noch vom Großvater." Er zeigt auf eine schwere dunkle Vitrine in der Werkstatt. Aber immerhin: "Wir haben großes Glück gehabt", sagt Rudolf Bleiholder. Das neue Geschäft wird beim Hotel Blauer Bock am Sebastiansplatz sein. Gleich gegenüber der Schrannenhalle und des Viktualienmarkts.

Seit 2011 wussten sie, dass sie ausziehen müssen, "seitdem suchen wir", so Rudolf Bleiholder. Die Angst dabei war immer, in der Innenstadt nichts Passendes zu finden. Die teuren Ladenmieten, "ein großes Thema", sagt Bleiholder. Gerade für kleine Läden. "Wir leben von unseren Stammkunden", erklärt er. Dass die auch an den neuen Standort kommen, ist überlebenswichtig. Genau das hätten aber bisher alle versprochen.

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Moderner Laden mit Blick in die Werkstatt

Etwas Aufregung bleibt trotzdem, denn "hier weiß ich wie der Standort funktioniert", sagt Bleiholder. "Da unten bin ich der Neue." Und es ist auch Freude dabei: "Der neue Laden wird richtig schön", sagt der Juwelier und seine Augen leuchten. "Und modern." Besonders freut er sich, dass die Kunden im neuen Geschäft in die Werkstatt schauen können. Ganz anders als jetzt. "Hier glaubt mir ja keiner, dass wir alles selber anfertigen", sagt Bleiholder.

Wird es eine vierte Generation geben? "Ich habe Töchter", sagt Bleiholder und lacht, "ich bin voller Hoffnung."

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