Hotel-Imperium der Geisels in München: Jetzt ist das alte Excelsior dran

Die Geisels sortieren ihr Hotel-Imperium gerade neu. Aktuell ist das alte Excelsior an der Reihe. Es wird wohl nicht die letzte Baustelle bleiben. Mit den Sanierungen kommt das Flair aus der Gründerzeit wieder zum Vorschein.
| Thomas Müller
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Knusper, knusper: Hier werden gerade keine halben Sachen gemacht.
Daniel von Loeper 9 Knusper, knusper: Hier werden gerade keine halben Sachen gemacht.
Freigelegt: Die alte Gründerzeit-Fassade im Erdgeschoss wird jetzt saniert und bleibt – künftig auch sichtbar – erhalten.
Daniel von Loeper 9 Freigelegt: Die alte Gründerzeit-Fassade im Erdgeschoss wird jetzt saniert und bleibt – künftig auch sichtbar – erhalten.
Ein Musterzimmer – so sollen bald alle ausschauen.
Geisel 9 Ein Musterzimmer – so sollen bald alle ausschauen.
Großbaustelle: In der Hälfte des Hotels werkeln gerade die Handwerker und erneuern so ziemlich alles.
Daniel von Loeper 9 Großbaustelle: In der Hälfte des Hotels werkeln gerade die Handwerker und erneuern so ziemlich alles.
Die Zimmer der Hotels werden auf Vordermann gebracht.
Daniel von Loeper 9 Die Zimmer der Hotels werden auf Vordermann gebracht.
Das Hotel Excelsior will wieder seine echte Fassade zeigen.
Daniel von Loeper 9 Das Hotel Excelsior will wieder seine echte Fassade zeigen.
Vor Wiesnbeginn soll der erste Bauabschnitt im Excelsior-Hotel beendet sein.
Daniel von Loeper 9 Vor Wiesnbeginn soll der erste Bauabschnitt im Excelsior-Hotel beendet sein.
Bisher war die Fassade des Excelsior-Hotels im 50er-Jahre-Stil gehalten, das wird sich nun ändern.
Daniel von Loeper 9 Bisher war die Fassade des Excelsior-Hotels im 50er-Jahre-Stil gehalten, das wird sich nun ändern.
Die Schauseite vom Hotel Excelsior in der Schützenstraße – sie zeigt sich bald völlig verändert.
Daniel von Loeper 9 Die Schauseite vom Hotel Excelsior in der Schützenstraße – sie zeigt sich bald völlig verändert.

Die Geisels sortieren ihr Hotel-Imperium gerade neu. Aktuell ist das alte Excelsior an der Reihe. Es wird wohl nicht die letzte Baustelle bleiben. Mit den Sanierungen kommt das Flair aus der Gründerzeit wieder zum Vorschein.

München - Am Blech hat’s gelegen. Diesem nämlich – und natürlich viel, viel Glück – war’s zu verdanken, dass das Excelsior als eines der ganz wenigen Münchner Hotels den Krieg fast unbeschadet überstanden hat. "Dadurch haben die Bomben das Dach nicht durchschlagen", weiß Carl Geisel. Kein Zweifel, es muss ein verdammt gutes Blech gewesen sein.

Freilich, gibt der Ur-ur-Enkel des Hotelgründer-Ehepaars zu, den Altbau-Status sieht man dem Bau kaum noch an. Die Fassade stammt von Ende der 50er Jahre, als die Amis das Hotel wieder zurückgegeben hatten. "Das war halt modern damals", sagt Geisel draußen an der Schützenstraße und schaut sinnierend die Fassade hoch.

Flair der Gründerzeit kommt zurück

Das Gründerzeit-Flair kehrt nun also wieder zurück – gar nicht mal rekonstruiert, sondern noch original vorhanden, eben unter besagter 50er-Fassade, was derzeit freigelegt und ergänzt wird: hübsche Bögen und Ornamente in Sandstein-Optik. Was aber so auch nicht stimmt, handelt es sich doch "nur" um einen strukturierten Sichtbeton. War billiger als Naturstein. Schon damals.

Das ganze Leben, heißt’s ja so schön, ist eine Baustelle. Im Falle der drei Geisel-Brüder stimmt das so nicht – es sind viel mehr Baustellen. Vier, um genau zu sein: Das ehemalige Hotel Cosmopolitan in der Hohenzollernstraße wird nach dem Abriss immer noch neu gebaut.

Eine Baustelle weniger

Eröffnung des Hotels mit dem verschwurbelten Namen "Schwabinger Wahrheit"? "Leider erst nach der Wiesn", brummelt Carl Geisel. Und man merkt, wie es ihm stinkt. Rauskommen soll Anfang 2018 ein Hybridhotel mit normalen Zimmern, aber auch Schlafkojen (mit Kofferfach und Badabteil) sowie Streetfood-Lokal und Outdoor-Whirlpool. Für die jüngere Kundschaft.

Besser schaut’s aus mit dem neuen – schon wieder so ein designter Name – "Beyond by Geisel" und seinen 20 Zimmern am Marienplatz mit Blick aufs Rathaus. Im August wird das feine Hotel im neuen Hugendubel-Haus fertig – noch vor der Wiesn. Immerhin. Und eine Baustelle weniger. Tja, und gerade wird – Baustelle Nummer drei – das Hotel Excelsior saniert.

Der neue Stil: "Klassisch modern"

Ein diagonaler Schnitt durchtrennt den Bau derzeit in ein Hotel und eine Großbaustelle. 70 Zimmer werden saniert, neu eingerichtet und mit Klimaanlagen versehen. Ohne geht’s heutzutage nicht mehr. Wird übrigens vor der Wiesn fertig – "sonst wären wir ja blöd", sagt Geisel. Der Rundgang durch die Baustelle gerät zur Zeitreise: altes Parkett, alter Stuck, Zirbelholz-Look und Gackerl-Gelb – schon erstaunlich, was sich so alles erhalten hat in dem Altbau zwischen Schützen- und Bayerstraße.

Und manches bleibt sogar erhalten, wie etwa ein paar Einbauschränke aus den 50er-Jahren – noch echte Schreinerarbeit, die bloß überarbeitet wird. Oder das astrein erhaltene 50er-Jahre-Zimmer mit Mosaikstein-Bad. Was damit passiert? Eine Retro-Suite? Darüber diskutiert noch der Familienrat. Und der neue Stil? "Klassisch modern."

Konkurrenzkampf macht Sanierung notwendig

Oder, wie Geisel es ausdrückt, "du musst schon so bauen, dass man es in zehn Jahren auch noch anschauen kann". Architektur müsse sich bewähren. Sonst kommt sie eben irgendwann einfach weg. So wie der alte Königshof – die vierte Baustelle – der ab 2019 dem Erdboden gleichgemacht wird. Nur die Tiefgarage bleibt erhalten. Fragt sich schon, warum die Geisels gerade alle ihr Hotels entweder gleich ganz abreißen und neu bauen – oder "bloß" komplettsanieren.

Der Grund ist simpel, kommt aber ganz schön teuer: "Du musst schon was tun, sonst fällst irgendwann hinten runter", so Geisel, "der Konkurrenzkampf wird immer härter." Gab es 2003 noch 40.000 Hotelbetten in München, waren es 2015 schon 61.000. Jedes Jahr werden’s noch mehr.

Baustelle hier, Baustelle da – irgendwann wird ja trotzdem mal alles fertig gebaut und saniert sein. Und was dann? Wird’s dann, so ab 2021/22, nicht schnell mal langweilig? Carl Geisel stutzt kurz, runzelt die Stirn, und meint, die "Hardware“ stünde dann zwar, die eigentliche Arbeit ginge "dann aber erst los". Wobei, sinniert er nach kurzem Nachdenken, das Anna-Hotel sei dann vielleicht auch schon in die Jahre gekommen. Klingt ganz nach einer weiteren Großbaustelle.

Hotels, Wein und Gastronomie: 117 Jahre Familienbetrieb

  • 1900: Gastro-Start der Familie Geisel mit der Bewirtschaftung des Löwenbräuzelts auf der Wiesn.
  • 1923/24: Anna und Karl Geisel eröffnen die Gasthäuser "Pasinger Weinbauer" und "Zum Brüderl".
  • 1933: Eröffnung des Restaurants "Bürgerbräu" in der Kaufingerstraße.
  • 1935: Eröffnung des Hotels Rheinhof am Hauptbahnhof.
  • 1936: Übernahme des Hotels Excelsior unter der Leitung von Anna und Karl Geisel.
  • 1943: Der Rheinhof wird zerstört. Das Hotel Bellevue am Stachus wird übernommen und in Königshof umbenannt.
  • 1945: Das Excelsior übersteht die Bombennächte, wird beschlagnahmt und zum Hauptquartier der US-Besatzungsmacht.
  • 1950: Karl Geisel beginnt mit seiner Frau Maria den Wiederaufbau des Königshofs.
  • 1956: Ende der Beschlagnahmung des Excelsior durch die Amerikaner.
  • 1959: Wiedereröffnung nach Umbau des Excelsior.
  • 1970: Generalrenovierung des Königshofs.
  • 1973: Michelin zeichnet das Gourmet-Restaurant im Königshof mit einem Stern aus.
  • 1986: Das Excelsior wird renoviert.
  • 1991: Eröffnung von Geisel’s Vinothek.
  • 1995: Die drei Brüder Carl, Michael und Stephan Geisel eröffnen das Hotel Cosmopolitan in Schwabing.
  • 2002: Eröffnung des Designhotels Anna am Stachus (benannt nach der Urgroßmutter).
  • 2011: Eröffnung von "Geisels Werneckhof" in Alt-Schwabing.
  • 2012: Die Banketträume des Excelsior werden erweitert und neugestaltet.
  • 2015: Abriss (und Neubau) des Hotels Cosmopolitan. 2017: Noch vor der Wiesn ist der erste Umbauabschnitt des Excelsior beendet.
  • 2017: Im August eröffnet das neue Hotel "Beyond by Geisel" am Marienplatz.
  • 2018: Anfang des Jahres eröffnet das neu erbaute Hotel "Schwabinger Wahrheit". Nach der Silvester-Feier schließt der alte Königshof – es folgen Abriss und Neubau.

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