München: Stadt will Obdachlose ganzjährig unterbringen

Die Stadt will das Programm für Obdachlose ausweiten. Auch, damit es weniger Ärger mit Menschen gibt, die unter Brücken schlafen.
| Paul Nöllke
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Ein Obdachloser betritt die Räume des Kälteschutzes in der Bayernkaserne. In fünf Jahren werden sie geschlossen.
Matthias Balk/dpa Ein Obdachloser betritt die Räume des Kälteschutzes in der Bayernkaserne. In fünf Jahren werden sie geschlossen.

München - Wer diesen Herbst an der Isar unterwegs war, kennt das Problem: Unter den Bögen der Isarbrücken versammelten sich Wohnungslose und suchten in provisorischen Bretterverschlägen Schutz vor Wind und Wetter. Dass dies für die Obdachlosen gefährlich sein kann, ist spätestens seit dem Brand unter der Reichenbachbrücke bekannt. Die Lager werden am Donnerstag geräumt, bald soll sich die Situation grundsätzlich ändern – zumindest nach dem Willen der Stadtpolitik.

Die Stadt will Obdachlosen ganzjährig einen sicheren Übernachtungsort bieten, um dem Anspruch "Niemand muss in München auf der Straße übernachten" endlich auch im Sommer gerecht zu werden. Bis jetzt gab es nur einen , damit Obdachlose nicht in der eisigen Kälte erfrieren. Gerade EU-Bürger – die oftmals keinen Anspruch auf eine Wohnung haben, da sie in ihrem Heimatland mit Wohnung gemeldet sind – könnte mit dem neuen Konzept ganzjährig ein Schlafplatz angeboten werden.

Projekt soll gegen Ressentiments helfen

Geplant ist, den Kälteschutz von der Bayernkaserne in die Maria-Probst-Straße umzuziehen. Allerdings erst in fünf Jahren. Dort wäre dann auch Platz für Sommerschlafplätze. Ein entsprechender Antrag von der Linkspartei und ÖDP wird heute im Stadtrat diskutiert. Die Kosten für das Gesamtprojekt werden auf 1,7 Millionen Euro geschätzt. Unterstützt wird das Anliegen von allen großen Stadtratsfraktionen.

Marian Offman, der sozialpolitische Sprecher der CSU, begrüßt das Projekt: "Speziell für Frauen mit kleinen Kindern ist es sehr wichtig ganzjährig geschützt zu sein." Er betont im Gespräch mit der AZ, dass durch das Projekt sowohl den Münchner Bürgern als auch den Obdachlosen geholfen sei. Provisorische Bleiben unter Brücken oder in Hauseingängen seien nicht nur sehr gefährlich, sondern würden auch Ressentiments gegen Obdachlose schüren.

Grüne begrüßen Antrag - ärgern sich aber auch

Auch Jutta Koller von den Grünen begrüßt den Antrag. Allerdings habe sich ihre Fraktion über den Zeitpunkt des Antrages auch etwas geärgert: "Seit über zwei Jahren fordern wir von den Grünen immer wieder den Kälteschutz auch auf den Sommer auszudehnen, und immer sind wir gescheitert". Jetzt würde der Antrag plötzlich auch von SPD und CSU unterstützt.

Dies sei zwar erfreulich, aber man hätte doch schon früher reagieren können. Ihrer Fraktion sei es wichtig, dass trotz der Umbaumaßnahmen in der Bayernkaserne ein ausreichender Kälteschutz stattfindet. Denn während der Umzugsphase könnte es sein, dass kurzfristig auch einmal weniger Plätze zu Verfügung stehen.

Bilder: So bekommen Obdachlose im Winter Hilfe

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