Müller backt wieder: 500.000 Brezn für die Wiesn

Sechs Monate nach ihrer Übernahme der insolventen Großbäckerei backen Evi Müller und Franz Höflinger erstmals wieder selbst – in einer gemieteten Bäckerei in Landshut
| Thomas Gautier
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Evi Müller und Franz Höflinger backen jetzt Wiesnbrezn - nach dem altem Rezept von Vater Hans.
Petra Schramek Evi Müller und Franz Höflinger backen jetzt Wiesnbrezn - nach dem altem Rezept von Vater Hans.

MÜNCHEN - Der Bäckerei Heinz in Altdorf bei Landshut geht es prima. Sie produziert jeden Tag 220 000 Backwaren, beliefert 250 Großhandelskunden, hat 23 Filialen und 250 Mitarbeiter. Seit kurzem hat sie auch einen Untermieter: die Müller-Höflinger GmbH.

Die Nachfolge-Firma von Müller-Brot hat eine Etage in der Bäckerei angemietet. Und arbeitet dort an ihrem großen Come-Back.

Mitte Juli versprachen Evi Müller und Bäckermeister Franz Höflinger im AZ-Interview: „Zur Wiesn produzieren wir unsere Brezn selbst.“

Gesagt, getan: Wie die AZ erfuhr, arbeiten seit Mitte August zwölf bis 14 Bäcker in Altdorf. Sie alle sind ehemalige Müller-Brot-Angestellte. Manche von ihnen wurden extra für die Aktion wieder eingestellt.

In der Leih-Bäckerei produzieren sie jede Nacht frische Brezn und Teiglinge. In den vergangenen Wochen verkauften Müller und Höflinger sie an Biergärten. Und ab Samstag auf dem Oktoberfest.
500 000 Stück wollen sie nach eigener Aussage produzieren. Das Rezept stammt noch von Evi Müllers Vater Hans, sagt Sprecher Torsten Fricke. „Das sind echte Müller-Brezn.“

Ein Teil werde von Landshut aus direkt an die eigene Lieferstation auf dem Festgelände geliefert, sagt Fricke. Der andere Teil kommt als Teigling und wird bei Bedarf fertig gebacken – sozusagen als Reserve. Die Wiesnbrezn wollten Evi Müller und Franz Höflinger „grundsätzlich überall“ verkaufen, so Fricke.

Die Müller-Macher sind auf der Wiesn nicht allein. In diesem Jahr beliefern laut Tourismusamt München sechs Bäckereien Zelte und Standl: Müller-Höflinger, Ratschiller aus Holzkirchen, Reis aus Gilching, Götz aus Taufkirchen, Zöttl aus München und Oswald Piller aus Karlsfeld. Dazu kommen laut Tourismusamtssprecherin Gabriele Papke einige kleine Bäcker, die sich in den einzelnen Zelten eingemietet haben.

Die sechs großen Lieferanten mussten wie jedes Jahr einen Standplatz für ihre Lieferstation auf dem Gelände bei der Stadt beantragen, sagt Papke. Und die unterscheidet noch einmal zwischen „Lieferanten“ und „Bäckern“. Die ersten backen in ihren Stuben und liefern die Brezn per Laster an die Lieferstationen. „Von dort bringen sie die Brezn per Handwagerl an die Standl oder in die Zelte“, sagt Papke.

„Bäcker“ sind dagegen die, die auf dem Festgelände ihreBrezn backen. Und das tut heuer nur einer: Oswald Piller.

Seit 1972 mischt der Bäcker aus Karlsfeld auf dem Oktoberfest mit. In diesem Jahr liefert er seine Wiesnbrezn an die Ochsenbraterei, die Bräurosl, Käfer, Ammer-, Augustiner, Löwenbräu- und Armbrustschützenzelt.

Bis zu 50 000 Brezn könne er täglich produzieren, sagt Piller. Er beschäftigt dafür 60 Mitarbeiter. Die Teig-Rohlinge backt er in seinem eigens eingerichteten Back-Zelt hinterm Augustiner-Festzelt. „Insgesamt verkaufen wir vielleicht 500 000 Stück“, sagt Piller – „wenn alles perfekt läuft. Das heißt, es sollte wenig regnen, und vor den Verkaufsstandln an den Zelteingängen sollte es nicht zu viel Gedränge geben.“

Pro Brezn verlangt Piller ein Viertel des Verkaufspreises. Der liegt zwischen vier und fünf Euro – macht für ihn also ein bis 1,25 Euro. Bei einer halben Million Stück kein ganz schlechtes Geschäft.

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