Motorama München: Immer mehr Läden dicht – doch jetzt gibt es neue Pläne
Die Apotheke, das Schuhgeschäft und der große Asia-Supermarkt sind geschlossen. Der eigentlich immer gut besuchte Asia-Imbiss hat aufgegeben und seit Kürzerem auch noch der Dönerladen nebenan. Auch der frühere Sandwich-Laden ist schon seit Jahren verwaist, wie auch die große Ladenfläche am Ausgang zur Hochstraße, früher ein Titus Skateshop. Und auch der Bubble-Tea-Laden sieht nicht so aus, als würde er je wieder aufsperren.
Der Gesamteindruck ist wenig einladend
In der Motorama-Einkaufspassage an der Rosenheimer Straße wechseln die Geschäfte und Lokale nicht nur oft, häufig stehen sie auch lange leer oder verharren in einem ewig-unfertigen Umbau-Modus. Provisorisch zugeklebte Glasfronten oder Baustellen-Verhau hinter leeren Fenstern – so richtig einladend sieht das nicht aus für die Kunden, die hier (immer noch) einkaufen. Denn große Einzelhändler wie Hit, Aldi und dm locken nach wie vor Kundschaft ins Motorama. Außerdem durchqueren die Hotelgäste des Holiday Inn die Passage auf dem Weg zum S-Bahnhof Rosenheimer Platz, der – genau wie ihr Hotel – direkt vom Motorama aus zugänglich ist.

Eigentlich sollte schon 2021 alles erneuert werden
Dabei sollte hier eigentlich längst alles schick und neu sein: Im Mai 2021 hatte der Münchner Immobilienentwickler Accumulata zusammen mit Partnern die Ladenstadt aus den 70ern gekauft. Man wolle den rund 24.000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex, zu dem auch darüberliegende Wohnungen, Praxisräume und das Hotel gehören, „neu positionieren“. Geplant sei „ein zeitgemäßer Nutzungsmix zur langfristigen Aufwertung des Standorts“, hieß es damals. Mit der Generalsanierung des gegenüberliegenden Gasteigs sah man „den richtigen Zeitpunkt gekommen, auch das Motorama in eine neue Zukunft zu führen“, erklärte Accumulata.
Die Gasteig-Sanierung allerdings hat sich bekanntermaßen verzögert, und das hatte auch Auswirkungen auf die Pläne fürs Motorama.

Die Verzögerung beim Gasteig bremst Motorama-Pläne
Wie sich auf AZ-Anfrage herausstellt, ist Accumulata gerade nicht mehr für das Objekt zuständig, stattdessen liege das Asset Management, also die Verwaltung, beim Frankfurter Unternehmen Kintyre, so ein Accumulata-Sprecher. Und was sagt man dort zum aktuellen Zustand der Ladenstadt? Auf AZ-Anfrage erklärt Adam Pearce von Kintyre, man warte mit möglichen Maßnahmen, bis es mit der Weiterentwicklung im Umfeld vorangeht. Immerhin habe das Motorama im Zusammenhang mit der Gasteig-Sanierung „aktuell eine wichtige Interimsfunktion, unter anderem durch die Unterbringung der Münchner Stadtbibliothek“.
Pläne hat man aber: Für das Objekt bestünden „grundsätzlich konzeptionelle Überlegungen und langfristige Entwicklungsideen“. Diese hängen jedoch von „externen Rahmenbedingungen“ ab, „insbesondere von der weiteren zeitlichen und inhaltlichen Konkretisierung des Gasteig-Projekts sowie weiterer struktureller Voraussetzungen“, so der Sprecher. Für konkrete „bauliche oder nutzungsbezogene Maßnahmen am Motorama“ gebe es daher derzeit „keine belastbare Zeitschiene“. Soll heißen: So lange am Gasteig nichts passiert, geht auch am Motorama nichts voran.

"Wer hier keinen Umsatz macht, macht ihn nirgends"
Aber wie finden das die dortigen Ladenbesitzer? Die AZ hat sich umgehört. Ein wahres Motorama-Urgestein ist der Schuhreparatur-Service von Hattab Khalfallah. "Wir sind hier seit 40 Jahren", sagt sein Sohn Alex (41). "Wir sind ein Familienbetrieb, mein Vater hat das Geschäft gegründet." Er ist halb Deutscher, halb Tunesier und kam als Gastarbeiter nach Deutschland. Seit gut 20 Jahren steht Alex Khalfallah (41) hier sechs Tage die Woche von 9 bis 19 Uhr in der Mini-Werkstatt für Schuhreparaturen, Schlüsseldienst, Gravuren und Stempel. Er kennt dementsprechend alle und bekommt viel mit.
Und er ist zufrieden mit der Situation im Motorama. "Wer hier keinen Umsatz macht, der macht nirgendwo Umsatz, gerade auch mit Gastronomie", sagt er und weist auf die vielen Passanten, die vor dem Laden vorbeilaufen. Mit dem Hinweis meint er die Gastronomien, die hier zuletzt geschlossen haben. Soweit er weiß, gingen diese Läden insolvent. Einer sei von einem Tag auf den anderen plötzlich zu gewesen.

Dabei mangele es nicht an Kundschaft, so Khalfallah. „So lange die Supermärkte hier sind, kommen genug Kunden. Wir haben außerdem vier Hotels in direkter Umgebung, mehrere Schulen, die S-Bahn eine Minute entfernt, oben drüber auch noch die vielen Wohnungen und Arztpraxen“, sagt er. Samstage und Anlässe wie die Wiesnzeit seien besonders stark. „Die S-Bahn muss halt funktionieren, das merkt man sofort“, fügt er hinzu.
Von einem Investor zum nächsten: Das Objekt wurde schon mehrmals verkauft
Das Motorama wurde über die Jahre und Jahrzehnte mehrmals verkauft, die Hausverwaltungen wechselten häufig. Mittlerweile sei aber auch Konstanz eingekehrt, findet Khalfallah. Er habe den Eindruck, die Läden würden nun mit mehr Bedacht vergeben, es werde sorgfältiger ausgewählt. Die jetzige Hausverwaltung gebe sich viel mehr Mühe, auch beim baulichen Zustand sei schon viel gemacht worden, findet er, „und es geht halt vieles auch nicht von heute auf morgen“.
"Wir sind hier wie eine Familie"
Ähnlich sieht das auch Alicia Sterhardt. Sie betreibt seit zwölf Jahren einen Zeitungs-, Tabak- und Lotto-Laden im Motorama. Es habe Zeiten gegeben, in denen es eher abwärts gegangen sei und sie sich gesorgt habe, sagt sie, aber seit einiger Zeit sehe sie die Entwicklung des Motoramas „sehr positiv“. „Motorama – Motodrama haben die Leute früher immer gesagt“, erzählt sie und lacht. „Das ist jetzt nicht mehr so.“
Auch sie ist mit der Kundschaft zufrieden. „Es kommen viele Touristen, ich habe aber auch viele Stammkunden“, erzählt sie. Und die Geschäftsleute untereinander seien „wie eine kleine Familie“. „Wir kennen uns ja alle, das ist einfach schön“, sagt sie. Um den Leerstand macht sie sich ebenfalls keine Sorgen, sie weiß, dass die Läden bald wieder besetzt sein werden – eine neue Apotheke werde kommen, ein Restaurant und ein Modeladen.

In Planung: Apotheke, Restaurant, Mode
Und damit hat sie recht. Auch von Adam Pearce ist dann doch noch Konkreteres zu erfahren: Die Flächen an der Ecke Rosenheimer Straße/Hochstraße mit insgesamt rund 325 Quadratmetern seien „an ein trendiges Gastronomiekonzept vermietet“, so Pearce. Der Ausbau sei derzeit in Vorbereitung, im Juli/August soll Eröffnung sein. An den noch zugeklebten Scheiben klebt bereits die Reklame für das neue Lokal: Tam Tam Kitchen & Bar wird es heißen.
Laut Pearce habe man kurz vor Weihnachten auch einen Mietvertrag mit einem bekannten Fashion-Retailer für eine Fläche im Untergeschoss mit rund 240 Quadratmetern abgeschlossen. Hier soll im Mai/Juni eröffnet werden. Zu den weiteren noch leeren Flächen liefen Gespräche mit mehreren Interessenten.

Der Verwalter betont, der aktuelle Zustand sei "nicht als Stillstand" zu verstehen, man halte sich nur bewusst zurück, wolle die nächsten Schritte sorgfältig vorbereiten. Das Motorama habe wegen seiner Lage, Größe und Nachbarschaft "erhebliches Entwicklungspotenzial". Man darf also gespannt sein, was sich am Motorama in der nächsten Zeit so tut.


