"Möchte einen anderen Umgang": Einen kleinen Seitenhieb Richtung Reiter gibt Bald-OB Krause doch noch ab
Zwei, drei Lokaljournalisten sitzen normalerweise auf der Pressebank im großen Rathaus-Sitzungssaal, wenn der Stadtrat tagt. Diesen Mittwoch tut man sich schwer, einen Platz zu finden. Manche Journalisten müssen sich aufs Fensterbrett setzen, manche stehen.
Schon bevor es losgeht, warten Kamera-Leute und Fotografen am Eingang. Dabei hat der Stadtrat gar nichts Besonderes zu beschließen. All die Medienleute sind nur seinetwegen da: Dominik Krause, der am Sonntag überraschend zum ersten grünen Münchner Oberbürgermeister gewählt wurde.
Offiziell ist Krause noch nicht OB. Er und der neue Stadtrat müssen erst noch vereidigt werden. Am 11. Mai soll Krauses offizielle Amtseinführung stattfinden.

Noch ein paar Wochen ist Krause also bloß Bürgermeister und Vertretung von OB Dieter Reiter (SPD), der wegen einer Herz-Erkrankung ausfällt. Auch der Stadtrat ist noch der alte. Gleichzeitig beginnen in diesen Tagen die Sondierungsgespräche, um eine neue Rathaus-Regierung zu bilden. Die ersten sollen Ende der Woche stattfinden.
SPD-Bürgermeisterin: "Ich wünsche dir persönlich alles Gute"
Und zumindest SPD-Bürgermeisterin Verena Dietl, die zur AZ schon gesagt hat, dass sie gerne Bürgermeisterin bleiben möchte, gibt sich sehr viel Mühe, dass der Start mit Krause möglichst freundlich läuft. Sie überreicht ihm einen Blumenstrauß. "Ich wünsche dir persönlich alles Gute", sagt sie. "Es sind herausfordernde Zeiten, die wir vor uns haben. Da wünsche ich dir ein glückliches Händchen, unsere Stadt zu regieren."
Und Krause? Bedankt sich höflich, allzu sehr feiern will er sich aber noch nicht lassen. "Es ist ja noch ein Monat in der bisherigen Periode. Ich hoffe, dass es auch noch einen Übergabe-Akt geben wird", sagt er und klingt eher zurückhaltend.
Nach der Sitzung erzählt Krause der AZ, dass er nach wie vor nicht wisse, wann und wie Dieter Reiter ihn in die Amtsgeschäfte einführen werde. Dass dies geschehen soll und dass sich Reiter von den Münchnern auch verabschieden werde, hat er inzwischen öffentlich erklärt.
Krause: "Es hatte nichts Überwältigendes"
Und wie geht es Krause nun nach dieser ersten Sitzung als Fast-OB? Die Sitzung selbst habe sich für ihn gar nicht so besonders angefühlt. "Es hatte nichts Überwältigendes", sagt Krause. Als Zweiter Bürgermeister musste er den OB schon hin und wieder mal vertreten und Sitzungen leiten. Und schließlich ist Dominik Krause schon seit zwölf Jahren Mitglied des Stadtrats – und kennt das Prozedere.

Etwas geschafft schaut Krause an diesem Mittwochvormittag allerdings schon aus. Dabei habe er diese Nacht zum ersten Mal mehr geschlafen als fünf, sechs Stunden, wie es im Wahlkampf üblich war, erzählt er. "Aber wenn man dann mal mehr schläft, wird man fast noch müder." Krause lacht und winkt ab: "Aber nein – es ist alles vollkommen fein." Doch Respekt das habe er natürlich schon vor der neuen Aufgabe.
Er habe die Fraktionsvorsitzenden bereits zu ersten Gesprächen getroffen. "Gar nicht für Sondierungen. Einfach, weil ich einen anderen Umgang zwischen OB und Stadtrat haben möchte", sagt Krause.
Ein kleiner Seitenhieb Richtung Reiter, der sich mit der grün-roten Rathaus-Koalition selten austauschte. An Haushaltsverhandlungen soll er praktisch nie teilgenommen haben. Eine Referentin erzählt der AZ, dass sich Reiter in den vergangenen drei Jahren kein einziges Mal mit ihr über ihren Job unterhalten habe. "Ich freue mich auf einen Chef, der sich endlich dafür interessiert", sagt sie.
Etwas Erholung, bevor es richtig ernst wird, gönnt sich Krause aber bald doch: Über die Osterfeiertage werde er ein paar Tage in Südtirol Urlaub machen, zum Wandern.
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