Manchester gedenkt der 23 Opfer: Das Drama von München jährt sich zum 60. Mal

Die Flugzeugkatastrophe von Manchester United, die 23 Tote forderte, jährt sich am Dienstag zum 60. Mal. Auch Rummenigge und Hoeneß gedenken der Opfer. Der Ausdruck "ManU" ist ein Tabu.
| Julian Buhl
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Erinnert an die Katastrophe: Die "Munich Clock" in Manchester.
dpa 11 Erinnert an die Katastrophe: Die "Munich Clock" in Manchester.
Der Auftankstopp in München endet für das Team von Manchester United in einer Tragödie: Das Flugzeug stürzt beim Startversuch ab.
dpa 11 Der Auftankstopp in München endet für das Team von Manchester United in einer Tragödie: Das Flugzeug stürzt beim Startversuch ab.
Ein abgerissener Propeller-Motor der abgestürzten Maschine.
Dudi Dix 11 Ein abgerissener Propeller-Motor der abgestürzten Maschine.
Kurz nach dem Absturz: Das Wohnhaus qualmt noch.
Dudi Dix 11 Kurz nach dem Absturz: Das Wohnhaus qualmt noch.
BEA: Das Logo der verunglückten Maschine ist deutlich zu erkennen.
Dudi Dix 11 BEA: Das Logo der verunglückten Maschine ist deutlich zu erkennen.
Die Toten werden geborgen und notdürftig im Schnee abgedeckt.
dpa 11 Die Toten werden geborgen und notdürftig im Schnee abgedeckt.
Im Klinikum rechts der Isar: Bobby Charlton.
dpa 11 Im Klinikum rechts der Isar: Bobby Charlton.
2001: Charlton und Rummenigge gedenken der Opfer.
dpa 11 2001: Charlton und Rummenigge gedenken der Opfer.
Bürgermeisterin Gertraud Burkert empfängt 1997 fünf der Überlebenden des Flugzeugabsturzes im Münchner Rathaus.
Heinz Gebhardt 11 Bürgermeisterin Gertraud Burkert empfängt 1997 fünf der Überlebenden des Flugzeugabsturzes im Münchner Rathaus.
Der Ort des Unglücks von München heißt seit 2004: Manchesterplatz.
dpa 11 Der Ort des Unglücks von München heißt seit 2004: Manchesterplatz.
Und auch innerhalb des Old-Trafford-Stadions lebt der Mythos Manchester United weiter: Im Februar 2017 erinnern die Fans an ihre Helden des Klubs.
dpa 11 Und auch innerhalb des Old-Trafford-Stadions lebt der Mythos Manchester United weiter: Im Februar 2017 erinnern die Fans an ihre Helden des Klubs.

Die Flugzeugkatastrophe von Manchester United, die 23 Tote forderte, jährt sich am Dienstag zum 60. Mal. Auch Rummenigge und Hoeneß gedenken der Opfer. Der Ausdruck "ManU" ist bis heute ein Tabu.

Für Uli Hoeneß dürfte dieser Dienstag besonders emotional werden. Den Bayern-Präsidenten werden die Erinnerungen an die Flugzeugkatastrophe, die er am 17. Februar 1982 selbst erlebt und als einziger der vier Passagiere eines zweimotorigen Propellerflugzeuges überlebte, zwangsläufig einholen.

Denn am 6. Februar jährt sich nun schon zum 60. Mal das tragische Flugzeugunglück von München, bei dem 23 der 44 Passagiere ums Leben gekommen waren - unter anderem auch acht Spieler, der Klubsekretär und zwei Trainer von Manchester United sowie acht Journalisten.

Hoeneß wird deshalb gemeinsam mit Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Oberbürgermeister Dieter Reiter sowie einer Delegation des englischen Premier-League-Klubs nach Trudering an den Manchesterplatz, wie der Ort der Tragödie seit 2004 heißt, kommen und der Opfer gedenken.

Ein Tankstopp gerät zur Tragödie

Nach einem Europacup-Spiel bei Roter Stern Belgrad, wo man sich für das Halbfinale des Europapokals der Landesmeister qualifiziert hatte, sollte München eigentlich nur eine knapp zweistündige Zwischenstation für das Team von Manchester United werden - doch der Auftankstopp wurde am Ende zur Todesfalle.

Es sind dramatische Szenen, die sich 1958 am damaligen Flughafen Riem abspielen. Die Chartermaschine "Elizabethan" der British European Airways versucht, auf der von Schneematsch überzogenen Bahn abzuheben. Zwei Mal muss der Pilot den Start abbrechen. Der dritte Versuch um 16.03 Uhr endet dann in einem Inferno. Die Eis- und Schneebrocken zwischen den Rädern wirken wie Bremsklötze. Als der Pilot, der überlebt und dem später vorgeworfen wird, eine Eisschicht auf der Oberseite der Tragflächen nicht registriert zu haben, die zu geringe Geschwindigkeit bemerkt, ist es bereits zu spät.

Das Flugzeug hebt nicht ab, rast über die Startbahn hinaus, durchbricht den 270 Meter langen Sicherheitsstreifen. Die Maschine wird ein paar Meter in die Höhe geschleudert, bevor sie in ein Haus donnert, auseinanderbricht und in Flammen aufgeht. Leblose Körper liegen im Schnee. Zwanzig Menschen sind sofort tot, drei weitere erliegen später ihren schweren Verletzungen.

Harry Gregg verhindert, dass die Katastrophe nicht noch mehr Todesopfer fordert, und wird zum Helden. Der Torwart von United, der den Crash ohne große Verletzungen übersteht, rettet viele Personen aus dem brennenden Wrack. Darunter eine schwangere Reisebegleiterin, ihre Tochter, seinen Coach Matt Busby und den damals 20 Jahre alten Bobby Charlton.

Darum ist der Begriff "ManU" ein Tabu

"Ich habe noch im Sitz gesessen, aber das Flugzeug war ungefähr 70 Yards von mir entfernt. Dann habe ich mich umgeschaut und Harry Gregg neben mir gesehen. Er sagte mir, dass ich etwa zehn Minuten bewusstlos war", beschreibt Charlton später seine Erinnerungen daran. Der spätere Weltmeister (1966) und Gewinner des Ballon d'Or wird, wie alle anderen Überlebenden, anschließend im Klinikum Rechts der Isar behandelt und steht bereits vier Wochen nach dem Unglück wieder auf dem Platz. Sein bester Freund Duncan Edwards erliegt dagegen 14 Tage nach dem Absturz seinen schweren Verletzungen.

Die (Fußball-)Welt trauert mit Charlton um Edwards und die anderen Verstorbenen . Die "Munich Clock" am altehrwürdigen Old-Trafford-Stadion in Manchester bleibt für immer auf der Uhrzeit des Absturzes (britische Zeit) stehen. Anhänger gegnerischer Teams reagieren aber teilweise absolut respekt- und pietätlos. "Duncan Edwards is manure, rotting in his grave, Man U are manure, rotting in your grave" (auf Deutsch: "Duncan Edwards ist Dünger, verrottet in seinem Grab, Mann, du bist Dünger, verrottest in deinem Grab"), spotten sie nach der Katastrophe und verunglimpfen damit die Abkürzung "ManU" - und zwar für alle Zeiten. Denn die wird deshalb bei United noch heute als Beleidigung aufgefasst.

Wer den Opfern vom 6. Februar 1958 gebührenden Respekt erweisen will, sollte dieses vermeintliche Synonym für den Klub also niemals verwenden. Am Dienstag am Manchesterplatz in München wird das ganz sicher niemand tun.

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