"Erstmal lahmgelegt": Warum die Stadt den Luise-Kiesselbach-Tunnel nordwärts sperrt

Ein Monat Stillstand im Luise-Kiesselbach-Tunnel nordwärts: Wegen Brandschäden wird die wichtige Verkehrsader vom 1. Juli bis 2. August komplett gesperrt. Die Stadt erklärt die Sanierungspläne, die Umleitungen – und warum der umstrittene Termin aus ihrer Sicht alternativlos ist.
Jan Krattiger
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Ein Kleintransporter brannte vor zwei Jahren im Tunnel. Jetzt wird er saniert – und dafür komplett gesperrt.
Ein Kleintransporter brannte vor zwei Jahren im Tunnel. Jetzt wird er saniert – und dafür komplett gesperrt. © Imago/Wolfgang Maria Weber

Das sorgt für mächtig Ärger im Südwesten der Stadt, bei Berufspendlern, die auf das Auto angewiesen sind, aber auch in der Nachbarschaft, die wohl während eines Monats mit viel Ausweichverkehr rechnen müssen. Die östliche Röhre des Luise-Kiesselbach-Tunnels, Fahrtrichtung nordwärts, wird vom 1. Juli bis zum 2. August komplett für Bauarbeiten gesperrt.

Das hatte die Stadt schon vergangene Woche mitgeteilt, nun schiebt sie eine detaillierte Erklärung nach, warum das genau jetzt passiert – und warum das aus ihrer Sicht noch die beste aller Möglichkeiten ist.

Sperrung des Luise-Kiesselbach-Tunnels: Stadt erklärt die Bauarbeiten

Dazu sitzen Georg Dunkel (parteilos), der Chef des Mobilitätsreferats und fünf weitere städtische Mitarbeiter aus Mobilitäts- und Baureferat am Donnerstag vor der versammelten Münchner Presse. "Es sind viele Fragen aufgekommen und es gibt für viele sehr gute Antworten", sagt Dunkel.

Zunächst sei der Schaden, der am 17. April 2024 durch einen brennenden Lkw entstand, auch ein Versicherungsfall. "Das können wir nicht ewig aufschieben", so Dunkel.

Der Fahrer des brennenden Kleintransporters hatte sich damals selbst in Sicherheit gebracht und musste nicht ins Krankenhaus.
Der Fahrer des brennenden Kleintransporters hatte sich damals selbst in Sicherheit gebracht und musste nicht ins Krankenhaus. © Berufsfeuerwehr München

Der Tunnel konnte damals innerhalb von 20 Stunden provisorisch repariert und wieder freigegeben werden. Jetzt müssen aber der Beton der Tunneldecke und die Sicherheitssysteme wie Brandmelder, Kameras oder die Löschwasserleitungen wiederhergestellt werden.

Das passiert laut Dunkel im Schichtbetrieb, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche über die Dauer der Vollsperrung der östlichen Röhre. Nur in der Nacht oder am Wochenende zu arbeiten, sei nicht möglich, da alle Systeme "erstmal lahmgelegt" werden müssten, so Dunkel.

Da der Kleintransporter genau unter den baulichen Lüftungsmotoren brannte, fielen diese im Laufe des Brandes aus.
Da der Kleintransporter genau unter den baulichen Lüftungsmotoren brannte, fielen diese im Laufe des Brandes aus. © Berufsfeuerwehr München

"Sorgfältige Abwägung": Warum der Tunnel ausgerechnet jetzt gesperrt wird

Es sei "Ergebnis einer sorgfältigen Abwägung", sagt das Mobilitätsreferat, den Tunnel jetzt zu sperren. Also während auch die Donnersbergerbrücke gesperrt sein wird, während die U-Bahnstationen Poccistraße und Goetheplatz saniert werden und Ersatzbusse fahren, während die Fürstenrieder Straße wegen der Tram-Westtangente eine riesige Baustelle ist, und noch einiges mehr. Die CSU im Stadtrat fordert deswegen eine Aktuelle Stunde in der nächsten Vollversammlung.

Neben Mobilitäts- und Baureferat seien unter anderem Polizei, Feuerwehr, Stadtwerke, MVG, die Bahn und auch die Autobahn GmbH involviert gewesen.

Die Stadt hat einige Maßnahmen getroffen, um den Umfahrungsverkehr möglichst gut zu gestalten: Ein Teil der Baustelle an der Fürstenrieder Straße wird zurückgebaut, damit in Richtung Norden zwei Fahrspuren zwischen A95 / Ausfahrt Kreuzhof und A96 befahrbar sind. Auch die Baustelle Boschetsrieder Straße wird zurückgebaut, sodass Verkehr in beide Richtungen möglich ist. Gleiches gilt für die Baustelle in der Wolfratshauser Straße.

Alternativen im Sommer oder Herbst?

Die Stadt begründet auch, warum sie andere Zeitfenster für weniger geeignet hält: In den Sommerferien ist die Bahnstrecke zwischen Starnberg und München komplett gesperrt, da wäre eine Tunnelsperrung "nicht darstellbar", so die Stadt.

Nach den Sommerferien nimmt laut Stadt der Verkehr zu, die Bahn plant wieder Streckensperrungen zwischen Starnberg und München – und natürlich steht die Wiesn vor der Tür. Eine Baumaßnahme dieser Größenordnung komme da nicht in Betracht. Es sind übrigens aktuell, so heißt es am Donnerstag, die größten Baustellen auf dem Ring, seit die Tunnel gebaut wurden.

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  • Mobilitätsfreund vor 46 Minuten / Bewertung:

    Ein im Süden geschlossener Eisenbahnring würde in diesen (auch bei z.B. Tunnelsanierung des Aubinger- und/oder Allacher-Tunnels) in vielen Fällen den Autoverkehr entlasten und als Eisenbahnumleitungsstrecke dienen. Aber zu was braucht es in Zukunft-Diesel-Autoland etwas, was in anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit ist: Eine wissenschaftliche Verkehrsplanung. Statt dessen nur politischer Autozwang. Die Grünen denken da weiter.
    Nein, Autotunnel sind nich nur teuer, sondern verursachen hoche Betriebskosten und erfordern hohe Sanierungsrücklagen. Die CSU Wahlkampfgedöns von "Ein weiterer Autotunnel löst alle Autostauprobleme" stimmen eben nicht und waren immer falsch. Sowohl volkswirtschaftlich, als auch verkehrswissenschaftlich. Das Geld für den volkswirtschaftlichen ÖPN Ausbau wird für die Autotunnelsanierungen verwendet. Für ÖPNV bleibt kein Geld mehr und verschiebt deren Projekte um 50 - 75 Jahre. Man kürzt sogar beim ÖPNV Ausbau, um damit den Autoverkehrshaushalt zu sanieren.

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  • Ostbayer vor 5 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Mobilitätsfreund

    Die Grünen denken eben nicht weiter. Bei den Grünen heißt es seit Jahren Fahrrad, Fahrrad und nochmals Fahrrad. Ok, vielleicht noch Tram, aber nur wenn die SPD darauf besteht.
    Was wir brauchen ist eine Verkehrsplanung, die es den Menschen ermöglich ihre Bedürfnisse zu erfüllen und alle Aspekte betrachtet.
    Es nutzt der "beste" ÖPNV nicht, wenn den Menschen Lebenszeit genommen wird.

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  • Politikverdrossen vor einer Stunde / Bewertung:

    Ein im Süden geschlossener Autobahnring würde in diesem, wie auch in anderen Fällen, z.B. Tunnelsanierung des Aubinger- und/oder Allacher-Tunnels in vielen Fällen entlasten und als Umleitungsstrecke dienen. Aber zu was braucht eine Eineinhalbmillionenstadt in Deutschland sowas, was in anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit ist. Dafür haben wir aber ewig lange 30er-Begrenzungen auf Ausfall- und Ringstraßen.

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