Ladenschlusszeiten: Münchens Händler proben den Aufstand

Traditionshäuser wie Hirmer und Kustermann wollen gemeinsam gegen die strikten Ladenschlusszeiten vorgehen. Dafür haben sie einen "Shopping-Pakt" geschlossen.
| Florian Zick
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Das Traditionshaus Hirmer klagt über zu starre Regelungen im Freistaat – und bei der Stadt.
Hirmer Das Traditionshaus Hirmer klagt über zu starre Regelungen im Freistaat – und bei der Stadt.

Altstadt - Im Jahr mehr Besucher als die Wiesn, zusammen mehr Verkaufsfläche als das weltberühmte Warenhaus Harrods in London: Es ist ein beachtliches Gewicht, das die fünf alteingesessenen Münchner Unternehmen Hirmer, Kustermann, Kaut-Bullinger, Bettenrid und Sport Schuster in die Waagschale werfen können. In Zukunft wollen die fünf Traditionsgeschäfte ihre Ziele deshalb verstärkt gemeinsam verfolgen.

Regelungen seien nicht mehr zeitgemäß

Bereits vor zwei Jahren haben die Familienbetriebe eine Art Shopping-Pakt geschlossen und sich den selbstbewussten Namen "Münchens Erste Häuser" gegeben. Seitdem ist ein gemeinsames "Azubi College" entstanden. Die Partner machen gegenseitig füreinander Werbung. Künftig soll es vermehrt aber auch um die großen Themen gehen.

Was den fünf Unternehmen am meisten stinkt, ist das in Bayern sehr strikte Ladenschlussgesetz. Mal ein Abendevent mit Stammkunden, das sei hier nicht möglich, klagt Robert Waloßek, der Geschäftsführer von Bettenrid. "Da werden wir sofort abgestraft." Die Chefs der fünf Münchner Traditionshäuser forderten auf einer Podiumsdiskussion mit Bürgermeister Josef Schmid (CSU) am Dienstagabend deshalb eine Flexibilisierung der Öffnungszeiten.

Als vor einigen Jahren zum Beispiel ein neuer Band der Harry-Potter-Reihe herauskam, hieß es bei der Diskussion, habe der deutsche Buchhandel das mit einem Sonderverkauf zur Geisterstunde gefeiert. Vielerorts stürmten Fantasy-Fans um Mitternacht die Läden. Nur in Bayern blieben die Schaufenster dunkel. Das sei nicht zeitgemäß und mache den hiesigen Verkaufshäusern nur das Geschäft kaputt. "Historisch gesehen sind wir da noch in den Bäumen", sagt auch Wolfgang Fischer vom Branchenverband City-Partner.

Auch die Stadt wirft manchmal Knüppel zwischen die Beine

Es sind aber nicht nur die großen Paragrafen auf Landesebene, die den Geschäften das Leben mitunter schwer machen. Manchmal sind es auch die kleinen Regelungen von Seiten der Stadt. Flori Schuster, der Geschäftsführer vom Sporthaus Schuster, weiß davon ein Lied zu singen: Vor knapp 15 Jahren hat sein Unternehmen das Sportgeschäft Münzinger im Neuen Rathaus übernommen. Im Schaufenster wollte Schuster mit einer Videowand werben. Aber so moderner Kram hinter der altehrwürdigen Fassade? Der Stadt hat das nicht gefallen: 1.800 Euro Strafe. "Ich habe mir da offenbar keinen Laden gekauft, sondern ein Denkmal", spottet Schuster.

Der Sporthaus-Chef und seine Kollegen fordern von der Stadt bei der Auslegung von Vorschriften deshalb eine etwas großzügigere Handhabe. So müsse man es, da die Baustelle für die zweite Stammstrecke die Innenstadt jetzt für fast zehn Jahre unter einer Staubwolke begraben werde, den umliegenden Geschäften zum Beispiel erlauben, auf sich aufmerksam zu machen, etwa mit Werbeplakaten auf den Bauzäunen.

Altstadt bekommt jetzt "stöckelschuhfreundliches Pflaster"

Bürgermeister Schmid notierte bei der Podiumsdiskussion fleißig mit. Es sei zwar nicht so, dass die Stadt bei allem immer nur bremse, sagte er. Beispielsweise sei in der Fußgängerzone erst kürzlich die Zahl der Sitzgelegenheiten erhöht worden. Zudem werde dort gerade ein stöckelschuhfreundliches Pflaster verlegt. Der Sache mit der Videowand im Rathaus wolle er aber nachgehen. Und auch beim Ladenschlussgesetz will er sich weiter Gedanken machen.

Es sei klar, sagte Schmid: Wenn man abends nur noch im Internet einkaufen könne, dann leide da natürlich der Einzelhandel darunter. Er will sich deshalb dafür einsetzen, dass Geschäfte wie Hirmer und Kustermann trotz schwindender Besucherströme und der Konkurrenz mit dem Online-Handel auch in Zukunft noch einen sicheren Platz in München haben. "Solche Häuser machen das Gesicht der Stadt schließlich aus", so Schmid.

Ob Schmid da aber so viel wird ausrichten können? So weit scheint es mit der Shopping-Freundlichkeit in München nämlich nicht her zu sein. Bezeichnenderweise kam bei der Veranstaltung am Dienstagabend die Nachricht herein, dass die Stadt für den 8. September eine lange Einkaufs-Nacht genehmigt hat – allerdings nur unter der Bedingung, dass diese keinesfalls "lange Einkaufs-Nacht" genannt wird. Nicht, dass die Veranstaltung dann einen zu kommerziellen Einschlag bekommt.

Lesen Sie auch den AZ-Kommentar zum Thema: Längere Öffnungszeiten? Das wär’s doch!

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