Kriminalstatistik 2018: So steht es um die Sicherheit in München

Wie steht es um die Kriminalität in München? In der Kriminalstatistik, die am Donnerstag vorgestellt wurde, schlüsselt die Polizei die Straftaten genau auf. Eine Übersicht.
| AZ/rah, AZ/vaf
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Die Polizei München hatte 2018 wieder gut zu tun - insgesamt sind mehr Straftaten passiert als im Jahr davor.
Lino Mirgeler/dpa Die Polizei München hatte 2018 wieder gut zu tun - insgesamt sind mehr Straftaten passiert als im Jahr davor.

München - Am Donnerstag hat die Münchner Polizei die Kriminalitätsstatistik 2018 für München vorgestellt. Die gute Nachricht zuerst: Im Verhältnis zu dem Bevölkerungsanstieg um 9,6 Prozent in der Stadt und im Landkreis München in den vergangenen zehn Jahren sind die Gesamtstraftaten um 3 Prozent gesunken. 112.224 Straftaten wurden 2018 aufgenommen. Auch die Aufklärungsquote ist laut Bericht mit 62,3 Prozent auf einem neuen Höchststand.

2018 hatte die Münchner Polizei gut zu tun: Im Schnitt ging knapp alle zwei Minuten ein neuer Notruf ein, dem die Einsatzkräfte nachgehen mussten - insgesamt waren das etwa 308.000 Einsätze. München ist im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten allerdings Schlusslicht, was die Häufigkeit der Straftaten im Verhältnis zu den Einwohnern angeht. Auf 100.000 Einwohner kommen 6.469 Straftaten. In Hamburg sind es 11.637 und in Berlin 13.746. 

Die AZ gibt einen Überblick über die wichtigsten Zahlen aus der Münchner Kriminalitätstatistik 2018.

Gewaltdelikte und Tötungen

Bei den Sexualstraftaten verzeichnet die Polizei einen deutlichen Anstieg (+23,6 Prozent). Tatsache ist, es werden mehr Sexualdelikte angezeigt. 1472 Taten waren es 2018. Besonders auffällig ist die Zunahme von sexuellem Missbrauch an Kindern. Ein Anstieg um 50 Fälle meldet das Präsidium.

Häufig handle es sich dabei um erwachsene Männer, die sich über das Internet gezielt an Kinder heranmachen. Getarnt als Teenager fordern sie Kinder auf, Nacktfotos von sich zu verschicken oder vor laufender Webcam sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen.

Sexuelle Belästigung macht fast die Hälfte des Gesamtanstiegs aus. Männer, die Frauen begrapschen, oder versuchen, sie gegen deren Willen zu küssen. Auch durch die #metoo-Bewegung ist die Zahl der Anzeigen offenbar gestiegen. Opfer melden sich schneller und häufiger bei der Polizei.

Eine Rolle spielt auch die Verschärfung des Sexualrechts 2016. Viele Delikte werden seitdem härter bestraft. Statistiker haben eine signifikante Steigerung der Fallzahlen festgestellt. Ob es tatsächlich mehr Sexualdelikte gibt, oder ob lediglich mehr angezeigt werden, wissen die Statistiker noch nicht. Ein verlässlicher Vergleich der Zahlen sei erst im nächsten Jahr möglich, sagen Experten. Erfreulich: Die Aufklärungsquote bei Sexualdelikten ist hoch, sie liegt bei 78,5 Prozent.

54 Personen sind 2018 getötet worden - das sind sechs Personen mehr als im Jahr davor. Die sogenannten Rohheitsdelikte - das sind unter anderem Körperverletzung und Raub - sind hingegen rückläufig. Das liegt laut Polizei daran, dass die Anzahl der leichten Körperverletzungen zurückgegangen ist. Das heißt: Die Körperverletzungen werden insgesamt nicht weniger, dafür aber brutaler.

Erfreulich: Die Gewalttaten in öffentlichen Verkehrsmitteln wie U- oder S-Bahnen sind dem Bericht zufolge zurückgegangen. Das sind 15 Delikte weniger als 2017.

Politische Kriminalität 

Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität gibt es laut Polizei einen sehr drastischen Anstieg im Bereich linksmotivierter Kriminalität. Insgesamt 593 Delikte werden diesem Bereich zugeordnet. Das entspricht einem Anstieg von 42,2 Prozent. In 459 Fällen handelt es sich dabei um Sachbeschädigung, wie Schmierschriften. 

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Auch auf der anderen Seite (rechtsmotivierte Kriminalität) gibt es mit 469 Straftaten einen leichten Anstieg (um 2,2 Prozent). Darunter sind Propagandadelikte (239 Fälle), Volksverhetzung oder Nötigung (197 Fälle) und Gewaltverbrechen (33 Fälle).

Einbrüche in München besonders häufig

Im vergangenen Jahr gab es in München bei den Einbrüchen einen Anstieg um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Polizei listet in dem Bericht 4.407 Einbruchsdelikte auf. Dabei drangen in 1.369 Fällen Einbrecher in Wohnungen ein. Bei den Wohnungseinbrüchen klappt allerdings nur etwa jeder zweite: 45,4 Prozent der Einbrüche enden bereits beim Versuch. 

Kleinere Diebstähle, wie Laden- oder Taschendiebstahl, sind um 4,8 Prozent zurückgegangen - schwere Diebstähle (Fahrräder) steigen hingegen an (+5,9 Prozent).

Vergleicht man München mit dem Rest des Freistaats, wird die Einbruchsbilanz noch trauriger. Seit 2015 sinken in Bayern die Einbruchszahlen. "Ein Trend, der sich 2018 fortgesetzt hat", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag bei der Präsentation der bayerischen Kriminalstatistik.  

Warum München unter Einbrüchen mehr leidet als der Rest von Bayern, ist unklar. München sei eine reiche Stadt mit vielen gut bezahlten Jobs, sagen Experten. Der Wohlstand lockt die Täter. Besonders beliebte Tageszeiten lassen sich nicht erkennen. "Eingebrochen wird nicht nur nachts oder in der Dämmerung", betont Hubertus Andrä. Was allerdings auffällt, zum Wochenende hin oder in den Ferien steigen die Zahlen.

Betrugsfälle in München

Falsche Polizisten, falsche Handwerker und falsche Gewinnspiele - 2018 war wieder ein gutes Jahr für Trickbetrüger. Die Zahlen sind laut Polizei weiterhin hoch und stellen damit eine besondere Herausforderung auch für das aktuelle Jahr dar. 2.465 falsche Polizisten und Callcenter-Betrüger verursachten dabei einen Schaden von 2.65 Millionen Euro.

Auch die falschen Handwerker kassierten ordentlich ab: 166 Fälle und 452.542 Euro gingen 2018 auf ihr Konto.

Rauschgiftdelikte in München

Im vergangenen Jahr starben 31 Menschen an einer Überdosis, 13 weniger als 2017. Im Zehnjahresvergleich die niedrigste Zahl. Stark gestiegen ist dagegen die Zahl der Rauschgiftvergehen. 10.783 Fälle kamen im letzten Jahr zur Anzeige, 540 Delikte mehr, ein Plus von 5,3 Prozent.

"Es werden mehr Drogendelikte registriert, weil mehr Kontrollen stattfinden", heißt es im Präsidium. Das ist korrekt, aber nur die halbe Wahrheit. Es sind auch mehr Drogen im Umlauf, betont Innenminister Joachim Herrmann. Die größte Zunahme gebe es bei Cannabisprodukten. Das betrifft auch München.

Die Einrichtung von Drogenkonsumräumen lehnt das Präsidium ab. Dadurch würden Probleme nicht gelöst. Vielmehr würden Kinder und Jugendliche leichter in Griffnähe verbotener Substanzen kommen. Zudem seinen Beschwerden von Anwohnern programmiert. 

Seit Anfang 2018 werden auch die immer beliebteren psychoaktiven Drogen, die auch unter den Namen Badesalz und Kräutermischungen gehandelt werden, eigens in der Statistik aufgeführt. Das Landeskriminalamt hatte erst im März 2018 einen Münchner Drogenboss hochgenommen, der mit mehr als einer Tonne Psycho-Drogen ein Vermögen gemacht hatte.

Brennpunkt Hauptbahnhof trocken gelegt

Permanten Polizeikontrollen und Razzien haben dazu geführt, dass die Szene das Viertel rund um den Hauptbahnhof zunehmend meidet. "Seit 2017 spüren wir einen kontinuierlichen Rückgang", sagt Polizeipräsident Hubertus Andrä. Vor allem das Alkoholverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens zeigt Wirkung. Ab August 2019 soll das Alkoholverbot am Hauptbahnhof rund um die Uhr gelten.

Durch die verstärkten Kontrollen werden aber auch deutlich mehr Straftaten registriert. Südlich des Hauptbahnhofs 3619 (plus 28,5 Prozent). Vor allem bei Rauschgiftdelikte explodieren im Süden die Zahlen: 1.047 Delikte, plus 91,4 Prozent. Nördlich sind es 1.213 Straftaten (plus 13 Prozent). Rauschgift: 469, plus 50,8 Prozent. Im Bahnhof gingen die Straftaten um 1,3 Prozent zurück auf 3.326. Rauschgift: 1030, plus 6,5 Prozent.

In allen drei Bereichen ergab sich 2018 eine Steigerung der Fallzahlen laut Präsidium um 12,4 Prozent auf 8.156 Anzeigen. Geschäftsleute loben die verstärkte Präsenz von Polizei und Kommunalem Außendienst.

Vergleich mit 2009: War früher alles besser?

Manche in München fühlen sich nicht mehr richtig sicher. Nachts auf der Straße alleine unterwegs, besonders als Frau? Da beschleicht viele ein ungutes Gefühl. Manche behaupten, es gebe mehr Gewaltverbrechen. Die statistischen Zahlen sprechen eine andere Sprache. Mit 106.401 registrieren Straftaten (inklusive ausländerrechtlichen Verstößen 112.224 Delikte) liegt München deutlich unterhalb der Zahlen aus 2009.

Das heißt, München ist heute deutlich sicherer. Dabei ist die Bevölkerung seitdem erheblich gewachsen auf rund 1,5 Millionen Einwohner. Beispiel Mord: 2019 gab es in München vier Tötungsdelikte. 2009 waren es acht Tote. Geht man zurück ins Jahr 1999, waren es laut Polizeistatistik zehn Tötungsdelikte.

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