Knobloch: "Neonazis sind eine Schande für unser Land"

Zum einjährigen Pegida-Jubiläum kamen in Dresden Tausende Anhänger der fremdenfeindlichen Bewegung zusammen, gegenüber standen ihnen auch etliche Gegendemonstranten. Auch in München fand ein Umzug statt - jetzt äußert sich Charlotte Knobloch zu Wort.
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Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bezeichnet die Pegida-Bewegung als "rassistisch, fremdenfeindlich, antisemitisch – kurzum menschenverachtend".
Djordje Matkovic/dpa/AZ Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bezeichnet die Pegida-Bewegung als "rassistisch, fremdenfeindlich, antisemitisch – kurzum menschenverachtend".

München - Zwar fanden sich am Montagabend in der Münchner Innenstadt deutlich weniger Demonstranten ein, als vor der Dresdner Semperoper, trotzdem sorgte der Umzug in der bayerischen Landeshauptstadt für Aufsehen. Grund war eine Pegida-Aktion: Anhänger des fremdenfeindlichen Bündnisses legten einen Kranz am Platz der Opfer des Nationalsozialismus nieder - eine Akt der Verhöhnung für viele Münchner und Gegendemonstranten.

 

Pegida an "Zynismus nicht zu überbieten"

 

Micky Wenngatz, die Vorsitzende von "München ist bunt" zur Aktion, die vom KVR genehmigt wurde: „Es ist unfassbar! Es ist schockierend, wie das KVR hier entschieden hat, was in den kommenden Tagen auch sicher noch aufgearbeitet werden muss.“ Weiter sagte sie: "Wenn eine rassitische und antisemitische Gruppierung wie Pegida einen Kranz am diesem Gedenkort niederlegen wollen, dann ist dies an Zynismus nicht zu überbieten."

Lesen Sie hier: Pegida am Platz der Opfer des Nationalsozialismus - "unfassbar!"

Tausende Pegida-Anhänger fanden sich zur Jubiläums-Kundgebung in Dresden ein, jedoch waren es mindesten ebenso viele Gegendemonstranten, die sich auf dem Theaterplatz versammelten. In München ging es am Montagabend etwas ruhiger zu: Nach Angaben der Polizei gingen rund 600 Gegendemonstranten auf die Straße. Auf Pegida-Seite hätten sich rund 250 Teilnehmer versammelt, teilte ein Polizeisprecher weiter mit.

 

"Rassistisch, fremdenfeindlich und antisemitisch"

 

Am Dienstagmorgen meldete sich Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, zu Wort. Zum ersten "Geburtstag" von Pegida, den Demos in Dresden und München, sowie der Kranzniederlegung äußerte sie sich folgendermaßen: "Die Maske ist längst gefallen. Pegida ist eine offen rassistische, fremdenfeindliche und antisemitische Bewegung, die gestoppt werden muss." Weiter fordert sie das Verbot der Pegida-Märsche, das die jeweiligen Verwaltungsbehörden, wenn nötig, bis vor das Bundesverfassungsgericht bringen müssten.

 

Umzug ist "Skandal"

 

Für Knobloch ist die fremdenfeindliche Bewegung "braunes Pack", welches inzwischen "offen rassistisch, fremdenfeindlich, antisemitisch - kurzum menschenverachtend" agiert. Sie sieht die Kranzniederlegung als "schauerliches Schauspiel" und "Verspottung der Opfer" an.

Lesen Sie hier: Hunderte Menschen bei Pegida-Demo in München

Weiter bezeichnet es Knobloch als "Skandal", dass es weder staatliche oder juristische Interventionen im Zuge der Demo am Montagabend gab. Vor allem, da die Pegida-Teilnehmer "unmissverständlich den Nationalsozialismus verherrlichen und die Täter glorifizieren." Ebenso geht sie auf den geplanten Anschlag auf das jüdische Zentrum am St.-Jakobs-Platz ein - unter den Münchner Pegida-Anhängern sollen sich etlich "verurteilte Rechts-Terroristen" befinden, die mit diesem Vorfall in Zusammenhang stehen.

Zu einer möglichen Pegida-Demo am 9. November vor der Feldherrnhalle sagt sie: "Es wäre absolut unerträglich, wenn auch am 9. November der Aufmarsch der Neonazis genehmigt würde, an jenem Tag, als Goebbels 1938 von München aus die ‚Reichskristallnacht‘ initiierte. Die Vorstellung, 77 Jahre später könnten wieder Nazis als Mob durch unsere Straßen ziehen, erfüllt mich mit blankem Entsetzen und Wut."

 

"Verfassungsfeinde" mit "Hass-Ideologie"

 

Sie bezeichnet die Pegida-Mitglieder als "Verfassungsfeinde", die "ungehindert ihre Hass-Ideologie verbreiten können." Abschließend stellt Knobloch klar: "Die Stadt München sollte ein Zeichen setzen und ein entsprechendes Demonstrationsverbot notfalls auch vor dem Bundesverfassungsgericht vertreten. [...] Wir erleben das Gegenteil von 'Wehret den Anfängen!'"

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