"Keine Liebesheirat": Die Rathaus-Koalition zieht Bilanz

Vor genau einem Jahr haben CSU und SPD im Rathaus ihr Bündnis besiegelt – und sind nun voller Lob für die geleistete Arbeit. Bei der Opposition fällt das Urteil anders aus.
| Florian Zick
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Ein Jahr Seite an Seite: Die SPD von OB Dieter Reiter und Josef Schmids CSU arbeiten seit dem 20. Mai 2014 an der Rathausspitze zusammen.
dpa Ein Jahr Seite an Seite: Die SPD von OB Dieter Reiter und Josef Schmids CSU arbeiten seit dem 20. Mai 2014 an der Rathausspitze zusammen.

Vor genau einem Jahr haben CSU und SPD im Rathaus ihr Bündnis besiegelt – und sind nun voller Lob für die geleistete Arbeit. Bei der Opposition fällt das Urteil anders aus.

München – Diesen Schlagabtausch haben sich Hans Podiuk, der CSU-Chef im Rathaus, und Alexander Reissl, sein SPD-Gegenpart, dieses Jahr natürlich schon desöfteren geliefert. Selten aber haben sie ihn so genüsslich zelebriert wie in diesem Moment.

Von einer Zweckehe spricht Podiuk da. Das Zusammengehen mit den Roten sei sicherlich „keine Liebeshochzeit“ gewesen, frotzelt er. Aber das Gute an so einer Zweckehe sei ja auch, kontert Reissl und grinst dabei in sich hinein: „Wenn am Anfang die Liebe nicht so groß ist, kann am Ende auch die Enttäuschung nicht so groß sein“.

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Der Umgang zwischen den beiden Fraktionsvorsitzenden ist also überaus locker. Wobei: Von „Enttäuschung“, davon wollen freilich weder Reissl noch Podiuk sprechen – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. In den Ratskeller haben die beiden gestern vielmehr geladen, um zum Jubiläum des schwarz-roten Bündnisses die vielen Errungenschaften der Großen Koalition zu preisen.

Genau ein Jahr ist es nun her, dass die beiden großen Rathaus-Fraktionen ihre Zusammenarbeit besiegelt haben. Und auch wenn in dieses Zeit aus der Zweckehe noch keine Liebesbeziehung geworden ist: „Wir haben unaufgeregt und pragmatisch für die Stadt so einiges erreicht“, urteilt Podiuk.

Der CSU-Chef denkt dabei vor allem an die Klinik-Rettung, an die Schulbau-Offensive, an den Ausbau des U-Bahn-Netzes – lauter Dinge, die für eine wachsende Stadt wie München absolut unabdingbar sind. „Da haben wir schon sehr viel geleistet“, sagt Podiuk.

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Auch Reissl stellt der schwarz-roten Rathausspitze ein gutes Zeugnis aus. Den Grünen, dem Kooperationspartner früherer Tage, scheint er nicht unbedingt nachzutrauern – im Gegenteil.

Reissl schwärmt mittlerweile von der „offenen Diskussionsatmosphäre“ und der Bereitschaft beim Regierungspartner, kurzerhand auch in den Sitzungen selbst noch einen Kompromiss herbeizuführen. Früher sei das nicht möglich gewesen, sagt Reissl. Also: alles super.

Bei der Opposition im Rathaus sieht man das natürlich anders. Die Große Koalition habe lediglich das Glück gehabt, „jetzt ernten zu können, was wir in vielen Jahren Rot-Grün gesät haben“, sagt Grünen-Chef Florian Roth.

Die neuen Schulen, der U-Bahn-Ausbau, all das sei vor langer Zeit in die Wege geleitet worden. Und dass es an der Stadtspitze so harmonisch zugehe, das liege allein daran, so Roth, dass CSU und SPD alle kontroversen Themen immer nur vertage. Genau deshalb habe die Stadtregierung etwa bei der Verkehrspolitik bislang auch noch nichts vorzuweisen.

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