Jetzt wird's voll: Die Italiener kommen

Das zweite Wiesn-Wochenende gehört traditionell den Italienern. Die meisten rollen im Camper an - mit kiloweise Spaghetti und Parmesan an Bord. Das Münchner Bier aber lieben sie alle.
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Am Camper-Parkplatz in der Siegenburger Straße ist kein Platz mehr frei.
Martha Schlüter 3 Am Camper-Parkplatz in der Siegenburger Straße ist kein Platz mehr frei.
Cinzia aus Verona ist noch etwas verschlafen. Sie ist erst spätabends in München angekommen. Doch jetzt geht's bald auf die Wiesn.
Martha Schlüter 3 Cinzia aus Verona ist noch etwas verschlafen. Sie ist erst spätabends in München angekommen. Doch jetzt geht's bald auf die Wiesn.
Zu acht wollen sich die acht Jungs aus Padua ins Getümmel stürzen. Damit sie sich nicht verlieren, haben sie den gleichen Pullover an.
Martha Schlüter 3 Zu acht wollen sich die acht Jungs aus Padua ins Getümmel stürzen. Damit sie sich nicht verlieren, haben sie den gleichen Pullover an.

MÜNCHEN - Das zweite Wiesn-Wochenende gehört traditionell den Italienern. Die meisten rollen im Camper an - mit kiloweise Spaghetti und Parmesan an Bord. Das Münchner Bier aber lieben sie alle.

Italien liegt in München – zumindest einmal im Jahr. Fast 200 000 Südländer kommen zur Wiesn, am zweiten Wochenende sind es traditionell so viele, dass es sogar nach ihnen benannt wurde.

Die meisten sind Donnerstagabend in München angekommen – im Campingwagen natürlich. Weil die Hotels viel zu teuer sind und Italiener die kleinen Häuser auf vier Rädern lieben. Sie sind ihr schönstes Accessoire – nach dem Handy, versteht sich.

Um nach Hause zu telefonieren, ist Cinzia noch viel zu müde. Spät in der Nacht ist sie mit ihrem Freund in der Tübinger Straße angekommen. Dementsprechend verschlafen lugt sie um halb elf aus dem Wohnwagenfenster.

Es ist das zweite Mal, dass die 27-jährige Barfrau aus Verona nach München kommt, um auf der Festa di Ottobre zu feiern. „Ich mag es, weil so viele Leute da sind“, sagt sie. Dass auf der Wiesn die meisten Dirndl und Lederhosen tragen, gefällt ihr zwar, sie selbst würde so etwas aber nicht anziehen.

Von Tracht und Janker sind Paolo Piviani (48) und seine 20 Jahre alte Tochter Laura aus Carrara noch weit entfernt. Sie sind am Mittwoch angekommen, mit zwei weiteren Vater-Tochter–Pärchen, und haben ihren Camper auf dem Parkplatz in der Siegenburger Straße abgestellt.

Doch bevor es auf die Wiesn geht, lümmeln sie erstmal im Bademantel rum. Im Kühlschrank steht eine Schüssel mit Gemüse-Lasagne. „Das Essen haben unsere Frauen zubereitet. Sie sind lieber zuhause geblieben“, sagt Paolo Piviani und lacht. Es klingt nicht so, als ob er das bedauern würde.

Salsiccie und Pollo – Bratwürste und Hendl – das ist für die italienischen Wiesn-Besucher ein Muss. Was aber nichts daran ändert, dass alle kiloweise italienische Lebensmittel mit über den Brenner nach München schleppen – und zwar nicht nur aus Spargründen.

Ohne Parmesan, Salami, Spaghetti, Wein haben Italiener einfach nicht gegessen. Oder wie Paolo Piviani sagen würde: „Die Bratwürste auf dem Oktoberfest sind sehr gut. Aber italienische Pasta ist einfach die Nummer eins.“

Wem, wenn nicht den Italienern, würde man solch einen übersteigerten Heimat-Stolz verzeihen. Sie investieren ihr Geld lieber in Bier. „Ich liebe es“, sagt Luca aus der Grappa-Hochburg Bassano. Er gibt sich mit seinen Freunden drei Tage Wiesn in Endlosschleife. Ohne Tischreservierung, aber garantiert mit viel Spaß.

Den ersten Italienern steigt das Münchner Bier schon am Nachmittag zu Kopf. „Dann kommen sie zum Camper zurück, schlafen kurz, essen was und gehen wieder aufs Fest“, sagt Daniele Bruno. Der Münchner mit italienischen Wurzeln bewacht den Parkplatz in der Siegenburger Straße und springt als Dolmetscher ein.

„Uns gefällt, dass hier so viele Leute zusammen feiern, aber alles friedlich abläuft“, sagt Paolo Piviani. Ein schöneres Kompliment hätte er den Münchnern kaum machen können.

Verena Duregger

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