Impfpass- und Genesungsnachweis-Fälschung: Was Münchner Apotheker sagen

Ein neuer Trend überholt gerade die Impfpass-Fälscherei in München: das Herumtricksen an Nachweisen, dass man Corona überstanden habe. Das macht den Apothekern in der Stadt zunehmend zu schaffen.
| Irene Kleber
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Peter Sandmann in der Nauplia Apotheke in Giesing - eine von drei Münchner Filialen des Apothekers. Hier lassen sich aktuell täglich rund 20 Kundinnen und Kunden eine Corona-Impfung mittels QR-Code digitalisieren. Mit Genesenen-Dokumenten kommen etwa doppelt so viele Menschen. Bei Zweifeln an den Dokumenten ruft er die Polizei.
Peter Sandmann in der Nauplia Apotheke in Giesing - eine von drei Münchner Filialen des Apothekers. Hier lassen sich aktuell täglich rund 20 Kundinnen und Kunden eine Corona-Impfung mittels QR-Code digitalisieren. Mit Genesenen-Dokumenten kommen etwa doppelt so viele Menschen. Bei Zweifeln an den Dokumenten ruft er die Polizei. © Daniel von Loeper

München -Die Polizei filzt Wohnungen, ermittelt Hintermänner und die Münchner Apotheker schauen mit Argusaugen hin, ob ihnen die Kundschaft gefälschte Impfausweise vorlegt, um an die begehrten QR-Codes für digitale Impfzertifikate zu kommen.

Statt Impfpass-Fälschung: Falscher Genesenen-Nachweis als neuer Trend

Immer mehr Impfverweigerer fliegen deshalb auf, die sich Fälschungen erschleichen wollen oder schon erschlichen haben. Die Polizei habe bayernweit rund 5.500 Impfpässe und -zertifikate sichergestellt, teilt das Innenministerium mit. In München haben Ermittler im Oktober Betrüger geschnappt, die 500 gefälschte Impfzertifikate hergestellt haben sollen - pro Monat. Aber das ist nur die Spitze eines Eisbergs. Einen falschen Impfstatus haben wohl weit mehr Menschen, man müsse "leider von einem großen Dunkelfeld ausgehen".

Impfpässe, PCR-Testbestätigungen, ärztliche Atteste - alles muss in der Apotheke geprüft werden.
Impfpässe, PCR-Testbestätigungen, ärztliche Atteste - alles muss in der Apotheke geprüft werden. © Daniel von Loeper

Jetzt scheint ein neuer Trend die Impfpass-Fälscherei zu überholen: die Erschleichung von Genesenen-Zertifikaten. Wer nämlich als "genesen" registriert ist, der muss sich erstmal nicht impfen lassen (bislang galt: für sechs Monate, neuerdings verfällt der Status schon nach drei Monaten). Zuletzt fallen oft Atteste von Heilpraktikern auf, die ungültig sind.

Genesungsnachweis: Apotheker in München müssen genau hinschauen

Und hier müssen Apotheker noch viel genauer hinschauen, um mögliche Fälschungen zu identifizieren. "Das wird zunehmend knifflig", sagt Apotheker Peter Sandmann, der drei Filialen in München betreibt und auch Münchner Sprecher des Apothekerverbands Bayern ist.

Wer sich in der Apotheke einen QR-Code besorgen will, der den Genesenenstatus digital bestätigt, kann verschiedene Beleg-Dokumente vorlegen - die alle unterschiedlich aussehen: Wahlweise einen positiven PCR-Test, PoC-PCR oder einen anderen Nukleinsäure-Nachweis (das Testergebnis muss 28 Tage zurückliegen).

Münchner Apotheker fallen zunehmend Atteste von Heilpraktikern auf

Das kann von einem Arzt ausgestellt sein, von einem Labor oder einer Teststelle. Als Nachweis gilt auch ein ärztliches Attest oder eine Quarantäne-Bescheinigung vom Gesundheitsreferat. "Wichtig ist, dass Name, PCR-Test und das Meldedatum auf dem jeweiligen Dokument bestätigt sind", erklärt der Apotheker - und hier sind Tricksereien oft nur zu erkennen, wenn man sehr genau hinschaut. Da würden Namen in Papiere von Freunden oder Bekannten hineinkopiert, Testdaten umgeschrieben oder gleich gefälschte Bescheinigungen über Telegram-Gruppen oder im Internet gekauft.

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Zuletzt seien ihm auch zunehmend Atteste von Heilpraktikern oder Homöopathen aufgefallen. "Die bestätigen eine vermutete Infektion", sagt Sandmann, "und schreiben sowas wie: 'Mein Patient war im Dezember an Covid-19 erkrankt und ist nun bis Datum x immun.' Das wird dann so unterschrieben und gestempelt - und ist natürlich Nonsens."

Seit Weihnachten kommen täglich etwa doppelt so viele Kunden mit Genesenen-Papieren wie Geimpfte zum Digitalisieren in seine Apotheken. "Erstens, weil es in dieser Omikron-Welle immer mehr Genesene gibt", sagt er, aber auch, weil manche hoffen, leichter mit einer Genesenen-Fälschung durchzukommen. Auffällig sei, wie viele Kunden aus Ostdeutschland zuletzt mit Genesenen-Dokumenten in seine Filialen kamen, "vorwiegend jüngere Menschen", sagt er, "ich wusste gar nicht, dass so viele in München unterwegs sind."

Gefälschte Impfpässe: Darauf müssen Apotheker achten

Dabei müssten seine Mitarbeiter schon beim Impfpass-Prüfen extrem gut aufpassen. Seit vergangenem Juni hätten seine Filialen 22.000 digitale Zertifikate ausgestellt, "das ist als Zusatzarbeit wirklich heftig und komplett erschöpfend für die Mitarbeiter", sagt Sandmann.

Oft fehlen etwa Vornamen im Impfpass, Nachnamen seien falsch geschrieben, das Geburtsdatum fehlt. Hinweise auf Fälschungen seien auch, wenn der Impfpass nagelneu aussieht, ausschließlich Corona-Impfungen (und sonst keine anderen) zeigt oder wenn die Handschrift auf der Frontseite identisch scheint mit der Schrift zu den Impfdaten.

Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts wird ein Großteil der gefälschten Impfpässe im Internet angeboten. Teils im Darknet, aber auch offen auf Kanälen wie Whatsapp, Telegram oder Facebook. Dazu kommen Einzelfälle, in denen auf Veranstaltungen mit Corona-Bezug gezielt Kunden angeworben wurden.

Die Polizeibeamten sind übrigens in Minuten da, wenn Apotheker sie rufen, das ist aus vielen Münchner Filialen zu hören. Peter Sandmanns Mitarbeiter haben bislang acht Menschen im Laden festnehmen lassen, die erkennbar mit gefälschten Papieren gekommen waren. Es werden nicht die letzten gewesen sein.

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