Im Münchner Kreativquartier: Stadt lässt Wohnungen leerstehen

200 Quadratmeter werden im Kreativquartier seit vielen Jahren nicht bewohnt. Die CSU will das ändern und Zimmer für Künstler schaffen.
| Christina Hertel
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Hier sollen Künstler einziehen, fordern Leo Agerer (l.) und Christian Schnurer in der leerstehenden Wohnung.
Hier sollen Künstler einziehen, fordern Leo Agerer (l.) und Christian Schnurer in der leerstehenden Wohnung. © Daniel von Loeper

München - Mit etwas frischer Farbe an den Wänden, mit neuem Belag auf den Böden - so könnten auf dem Areal des Kreativquartiers Zimmer für Künstler entstehen, glaubt Christian Schnurer.

Er ist Bildhauer, Vorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler in Bayern, er gründete vor mehr als zehn Jahren die Halle 6 im Kreativquartier, wo um die 60 Künstler werkeln, proben und üben.

Im Kreativquartier stehen Wohnungen leer

Aus alle diesen Erfahrungen heraus weiß Schnurer: Platz für Münchner Künstler ist knapp. Und der Platz für Künstler, die aus anderen Städten nach München reisen, ist noch knapper. Umso ärgerlicher findet Schnurer es deshalb, dass die Stadt zwei Wohnungen im Kreativquartier mit einer Fläche von insgesamt 200 Quadratmetern seit Jahren leerstehen lässt.

Die eine Wohnung wird schon mindestens seit 2012 nicht mehr bewohnt. Die andere war noch bis 2016 vermietet. Das teilt Rudolf Boneberger mit. Er ist der Geschäftsführer des Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrums und verwaltet die Immobilien - die übrigens nicht die einzigen sind, wo Leere herrscht: Ende 2019 waren 394 städtische Wohnungen nicht vermietet.

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Stadt will Zimmer für sechs Münchner Künstler schaffen

Inzwischen geht die Stadt davon aus, dass nur noch die Hälfte unbewohnt ist. Ein Grund seien Sanierungsarbeiten. Im Kreativquartier an Dachauer Straße könnte sich auch der Lärm der Ateliers, Werkstätten und Proberäume, die sich auf dem Gelände befinden, störend auf eine normale Wohnnutzung auswirken, schreibt Boneberger.

Für Schnurers Pläne klingen sie allerdings ideal: Er will dort Zimmer für etwa sechs Künstler schaffen. Sie sollen dort übergangsweise wohnen, wenn sie in München zum Beispiel für ein Theaterprojekt proben.

Laut Stadt sind die Wohnungen in schlechtem Zustand

Eigentlich, so erzählt Schnurer es, liegen diese Pläne schon seit 2015 in den Schubladen. Doch die Mühlen einer Verwaltung mahlen langsam. Passiert ist nämlich all die Jahre wenig. Doch nun bekommt die Idee neuen Aufwind: CSU-Stadtrat Leo Agerer unterstützt das Vorhaben mit einem Antrag, den er am Mittwoch im Stadtrat einbringt. Er fordert, dass die Stadt den Wohnraum für ein "Residency-Projekt" nutzbar macht.

Er halte es für denkbar, sagt Agerer, dass die Stadt die Wohnungen innerhalb der nächsten eineinhalb Monate herrichtet. So gering ist aus seiner Sicht der Sanierungsaufwand. Die Stadt klingt weniger optimistisch: Die Wohnungen seien in einem schlechten Zustand, es gebe Schimmel, eine Generalsanierung sei notwendig.

Finanzierung durch Coronahilfen für Kulturszene

Geld müsste die Stadt dafür fast keines investieren. Davon sind der Künstler und der Stadtrat überzeugt. Denn gerade unterstütze der Bund die von Corona lahmgelegte Kulturszene mit großzügigen Hilfsprogrammen, sagen beide. Mehr Platz für Kultur will Stadtrat Leo Agerer auch über dem Pathos-Theater schaffen.

Auf 500 Quadratmeter lagert das Gesundheitsreferat dort Akten. Doch nur zwei, drei Mal im Monat werden Unterlagen von dort benötigt, schreibt eine Sprecherin des Referats. Agerer fordert deshalb einen Umzug des Archivs. Und damit könnte der Stadtrat Erfolg haben. Denn ein Umzug sei auch aus Sicht der Stadt denkbar, schreibt die Pressestelle.

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