Einzelhandels-Bilanz in München: "Es lohnt sich nicht"

Seit gut einer Woche gilt: Shopping nur mit negativem Test. Die Bilanz ist negativ.
| Christina Hertel
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Gähnende Leere: Blick auf den Marienplatz am vergangenen Montagnachmittag.
Gähnende Leere: Blick auf den Marienplatz am vergangenen Montagnachmittag. © Sigi Müller

München - Wer sich mit einer Zeitkapsel einen Samstag lang zurück in den April 2019 beamen lassen würde, der sähe in der Münchner Fußgängerzone 160.000 Menschen. Damals zählte die Neuhauser Straße zu den meistfrequentierten Einkaufsmeilen Deutschlands. Damals gab es kein Corona, keine Maskenpflicht, keine Schnelltests.

Kaum Passanten auf Münchens Einkaufsmeile

Ein Jahr später, ist all dies Realität - von den Menschenmassen allerdings ist wenig übrig: Vergangenen Samstag durchquerten die Neuhauser Straße gerade mal noch 21.000 Passanten, sagt Wolfgang Fischer, der Geschäftsführer von "City Partner", dem Verband der Innenstadt-Händler. Es sei so gut wie leer gewesen - obwohl die Geschäfte aufsperren durften. Rein kommt man derzeit allerdings nur mit einem aktuellen Corona-Test. Doch diesen zu machen, ist den meisten offensichtlich zu viel Aufwand.

"Um eine Pfanne bei Kustermann zu kaufen, macht niemand einen Schnelltest", meint Fischer. Er weiß von vielen Geschäften in der Innenstadt, die ihre Einkaufszeiten entweder reduzierten oder das Angebot, dass Kunden mit Schnelltests in den Laden dürfen, bereits wieder einstellten. Eines dieser Geschäfte ist das Sporthaus Schuster. Weil so wenige Kunden kamen, habe der Laden schon nach einem Tag das Click&Meet-Konzept mit Test wieder abgeschafft, erzählt Tobias Zipfer, der die Filiale in der Innenstadt leitet.

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Vor der Pandemie kauften laut Zipfer bis zu 1.200 Menschen in dem Sporthaus ein. Diese Zahlen erreicht Schuster schon lange nicht mehr. Nicht einmal ein Zehntel der Kunden kommen noch. Der Umsatz sei um 40 Prozent eingebrochen, die Frequenz sei um 80 Prozent zurückgegangen - selbst als noch kein negativer Test die Zugangsvoraussetzung war. Danach schrumpften die Zahlen weiter. Eine Öffnung mit Test und Termin lohnt sich nicht - vor allem, weil das Sporthaus dann Mitarbeiter bezahlen müsste, die Kunden beraten, Klamotten aufräumen, Ware abkassieren.

Ähnliches erzählt Magnus Versen, der Geschäftsführer des Kaufrings am Ostbahnhof. Auch er entschied sich gegen eine Öffnung mit Termin und Test. "Es rechnet sich einfach nicht", sagt er. Insbesondere für Sortimentsbereiche, die es auch in Supermärkten oder in Drogerien gebe, sei es problematisch. Ändern werde sich das erst, wenn ein negatives Testergebnis nicht nur Shopping erlaubt, sondern auch einen Besuch im Theater oder ein Mittagessen in einem Restaurant möglich macht, glaubt der Einzelhandelsvertreter Fischer.

Click&Meet mit Test funktioniert laut Einzelhandel nicht

Dafür müsste es aus seiner Sicht allerdings auch mehr Testangebote geben - etwa in Innenhöfen, leerstehenden Geschäften, in Zelten auf der Fußgängerzone. Auch Wolfgang Puff, der Geschäftsführer des bayerischen Handelsverbands zieht eine negative Bilanz: "Click&Meet mit Test funktioniert nicht annähernd so, wie es sich die Politik erhofft hätte", sagt er. Der Umsatz der Münchner Geschäfte sei um über 90 Prozent eingebrochen.

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