Im Lockdown: München möbelt sich auf

Im Winter-Lockdown richten sich viele Stadtbewohner daheim gemütlich (neu) ein. Das beschert lokalen Möbel-, Tapeten- und Parkett- Händlern glänzende Geschäfte - genauso wie Gärtnern.
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Christian Kremer (57), Chef des Designmöbel-Studios "TK 33 Living", in der Landsberger Straße.
Christian Kremer (57), Chef des Designmöbel-Studios "TK 33 Living", in der Landsberger Straße. © Daniel von Loeper

München - Eine schicke Wandfarbe für die Küche, ein neues Sofa, ein Schreibtisch fürs Homeoffice, und weil man schon dabei ist: Eine neue Beleuchtung braucht's auch. Man muss daheim ja konzentriert arbeiten (oder Hausaufgaben machen) - und es sich hernach aber auch wohlig gemütlich machen können.

Ausmisten und umstellen: Pandemiezeit ist Renovierzeit

Es ist nicht mehr zu übersehen: München möbelt sich auf. Wer noch nicht selber damit angefangen hat, in dieser Pandemiezeit daheim zu renovieren, umzustellen oder neu zu möblieren, sieht es im Treppenhaus bei den Nachbarn, die immer mehr alte Einrichtung aus den Wohnungen heraustragen - und neues herein. Wenn man wie jetzt nicht mehr aus- und essen gehen und sein Geld auch nicht im Urlaub ausgeben kann, dann wenigstens für ein schönes Zuhause.

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Die guten Nachrichten dazu: Die neue Lust am Einrichten kommt nicht nur in den Baumärkten, bei den Möbelriesen und im Internet an, sondern auch bei den lokalen Münchner Innenausstattern, Möbel- und Küchenhändlern, Lichtdesignern und Handwerksbetrieben. "Das Coronajahr 2020 war für uns das beste Geschäftsjahr überhaupt in 35 Jahren", erzählt beispielsweise Christian Kremer (57), Chef des Designmöbel-Studios "TK 33" in Pasing - trotz der wochenlangen Schließung im ersten Lockdown. Um die 20 Prozent mehr Umsatz als im Jahr davor ist in seine Kasse geflossen. Nicht nur Homeofficemöbel stehen auf der Wunschliste seiner Kunden, sondern auch Sofas und Wohnzimmermöbel, Beistelltische und Beleuchtungen.

Münchner wollen vor allem nachhaltige Möbel kaufen

"Was auffällt", sagt er: "Die Münchner wollen vor allem nachhaltige, langlebige und wiederverwendbare Möbel haben, sehr gerne also kombinierbare Modulsysteme." Auch Designklassiker verkaufen sich gut - und hochwertiges Licht. "Das Geld dafür ist bislang da bei vielen in der Stadt, trotz der Krise", sagt er, "manche haben es eben statt in eine Kreuzfahrt in ein tolles neues Sofa investiert."

Die Tapeten bei Horst Hubka sind eine Schau. Diese hier mit floralem Design fühlt sich wie weicher Stoff, es gibt auch Bast- oder Metalltapeten.
Die Tapeten bei Horst Hubka sind eine Schau. Diese hier mit floralem Design fühlt sich wie weicher Stoff, es gibt auch Bast- oder Metalltapeten. © iko

Warum auch das Wandfarben- und Tapetengeschäft brummt, wird ganz schnell klar, wenn man bei Horst Hubka in Schwabing vorbeischaut. Staunend steht man da vor edlen Farbpaletten englischer Spezialfarben und noch viel edleren Seiden-, Metall-, Bast-, Holz- oder Hanftapeten oder bedrucktem Vlies mit Stoffanmutung aus aller Herren Länder. Der Ansturm auf hochwertiges Farb- und Schmuckwerk für die Wände zuhause habe schon in den Wochen vor dem ersten Lockdown begonnen, erzählt Hubka, der auch Dozent an der Meisterschule für Maler und Lackierer ist.

Hauptkonkurrent um das Geld der Münchner fiel 2020 weg

Früh hat er auf Onlinebestellung und Lieferung gesetzt, und es funktioniert gut, 2020 hat dem Betrieb ein Umsatzplus von 18 Prozent gebracht. "Unser größter Konkurrent war schon immer der Urlaub", sagt Hubka, "und das Urlaubsbudget hatten die Leute das ganze letzte Jahr übrig." Auch für neue Parkettböden wird viel Geld ausgegeben, erzählt Thomas Wittlief (56) von der Schwabinger Parkett-Galerie. "Wir hatten 2020 das beste Jahr seit 13 Jahren" - mit einer Umsatzsteigerung von 15 bis 20 Prozent. Seine Kunden sind vor allem Münchner Wohnungs- und Hauseigentümer.

Trendy: Pflanzen als Hingucker mitten im Raum.
Trendy: Pflanzen als Hingucker mitten im Raum. © bromelia.info

Wer einen Neubau bezieht, bestellt Eiche-Landhausdielen in Weiß oder Grau. Altbaubewohner lassen sich Fischgrätparkett neu verlegen. "Viele Leute, haben solche Renovierungsarbeiten lange zurückgestellt", sagt der Schreiner, "jetzt haben sie das Geld übrig, das man ja sonst nirgendwo ausgeben kann und stecken es in die Wohnung." Ähnliches hört er von vielen Kollegen, die kaum damit hinterherkommen, bestellte Einbaumöbel zu liefern.

Auch Gärtnereien machten Plus im Coronajahr

Und noch eine Branche gibt's, die hübsche Gewinne macht, und das sind die Gärtnereien und Zimmerpflanzenlieferanten. Der Münchner Versandgärtner Jürgen Grießmeyer (49), der in seinem Gewächshaus in Freimann 1.200 Arten von Bromelien, Kakteen Blattschmuck, Duft- und Heilpflanzen züchtet, verbucht Rekordumsätze seit November.

Bromelien, Kakteen, Duft- und Heilpflanzen züchtet der Versandgärtner Jürgen Grießmeyer (49) in seinem Gewächshaus in Freimann.
Bromelien, Kakteen, Duft- und Heilpflanzen züchtet der Versandgärtner Jürgen Grießmeyer (49) in seinem Gewächshaus in Freimann. © privat

"Je grauer es draußen ist, und je weniger man unternehmen kann, umso glücklicher macht viel Natur in der Wohnung", sagt er. Und erzählt von den Fotos, die ihm viele Kunden schicken: "Die stellen die Pflanzen heute ja nicht mehr nur ans Fensterbrett, sondern bauen oft kleine Pflanzenlandschaften daraus - in Terrarien oder in Regalen und Vitrinen, mit LEDs beleuchtet." Das fühle sich dann fast an wie Urlaub daheim.

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