Historischer Sieg – und ein Kuss für den Partner: Die emotionalsten Momente von Krauses Wahlabend

Historischer Wahlsieg in München: Dominik Krause wird erster grüner Oberbürgermeister der Stadt. In der Muffathalle feiern Anhänger den überraschenden Erfolg.
Niclas Vaccalluzzo
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"Er ist eine große Stütze“, sagt der neugewählte OB Dominik Krause (r.) über seinen Verlobten Sebastian Müller (l.). Krause wird der erste offen schwule Oberbürgermeister.
"Er ist eine große Stütze“, sagt der neugewählte OB Dominik Krause (r.) über seinen Verlobten Sebastian Müller (l.). Krause wird der erste offen schwule Oberbürgermeister. © Sven Hoppe (dpa)

Die Bedingungen waren perfekt, alles schien bereit für einen historischen Moment – für manche sogar für eine Art Wunder in der seit Jahrzehnten sozialdemokratisch regierten Landeshauptstadt München. Ein Grüner an der Spitze, ein offen schwuler Oberbürgermeister, der jüngste seit Hans-Jochen Vogel (1960–1972): viel Symbolik für eine Wahl, sehr viel.

Für seine Partei und deren Anhänger grenzt bereits das Ergebnis des ersten Wahlgangs vor zwei Wochen an ein Wunder. Der 35-jährige Dominik Krause zog als erster Grünen-Kandidat überhaupt in die Stichwahl ein – und veränderte damit die politische Statik der Stadt spürbar.

Historischer Wahlsieg: Dominik Krause wird Oberbürgermeister von München

Auf der Wahlparty der Grünen in der Muffathalle wird am Sonntagabend jedoch schnell klar: An ein Wunder glaubt hier kaum noch jemand – weil viele überzeugt sind, dass es keines braucht. Der Rückhalt für Krause ist spürbar. „Dominik ist auf die Straße gegangen und hat gezeigt: ,Hier bin ich!‘“, sagt ein Partygast der AZ. Er habe zugehört, sei präsent gewesen – und genau das sei angekommen.

Als die ersten Ergebnisse auf der Bühne verkündet werden, spielt die Glaubensfrage ohnehin keine Rolle mehr. Die Menge jubelt, liegt sich in den Armen, stößt an. Die Gewissheit wächst: An diesem Abend wird etwas Großes passieren. Spätestens, als der Wiesn-Hit „Bella Napoli“ angestimmt wird – wie schon beim vergangenen Wahlabend –, ist klar: Jetzt ist er da, ihr Held, ihr Kandidat, ihr neuer Oberbürgermeister.

Wahlparty in der Muffathalle: Euphorie statt Zweifel

Dabei beginnt der Tag für Krause ganz anders – ruhig, routiniert. Am Morgen geht er wählen, danach bruncht er mit seinem Verlobten Sebastian Müller. Am Abend folgt der Auftritt bei der Wahlparty. Es ist der letzte Akt eines bemerkenswerten Wahlkampfs: Mit viel Mühe bahnt sich Krause den Weg durch die Menschen, er hat Tränen in den Augen. Auf der Bühne warten die frisch gewählten Grünen-Stadträte auf ihn und alle gemeinsam feiern sie – dass das Rathaus jetzt grün ist. „Es ist wirklich irre“, sagt Krause.

Die Partygäste feiern ihren neuen Oberbürgermeister in der vollen Muffathalle.
Die Partygäste feiern ihren neuen Oberbürgermeister in der vollen Muffathalle. © Sigi Müller

In den letzten zwei Wochen habe er auf der Straße eine besondere Atmosphäre gespürt, den Wunsch nach Erneuerung. Er dankt den Münchnerinnen und Münchnern für ihr Vertrauen. Kurz danach dankt Krause auch seinem Kontrahenten Dieter Reiter (SPD) für „einen fairen und sachlichen Wahlkampf“. „Die Aufbruchsstimmung der letzten Zeit wollen wir in den kommenden Jahren in konkrete Politik übersetzen“, kündigt Krause an.

Zuvor habe er Reiter bereits persönlich gratuliert und sich per Textnachricht für den respektvollen Umgang bedankt, berichtet er später der AZ. Zugleich signalisiert er Gesprächsbereitschaft: „Wir werden natürlich auf die SPD zugehen.“

Bis zuletzt setzt Krause im Wahlkampf auf einen betont sachlichen Stil. Persönliche Angriffe vermied er weitgehend, stattdessen stellte er Inhalte in den Vordergrund – und inszenierte sich erfolgreich als Gegenentwurf zur bisherigen Rathauspolitik.

In den letzten Wochen profitierte er zwar auch von den Diskussionen um Reiters gut dotierten Posten beim FC Bayern, doch politisches Kapital schlug er daraus nie offensiv. Immer wieder wurde er auf den Vorgang angesprochen, immer wieder um eine klare Positionierung gebeten – bis zuletzt blieb er zurückhaltend. Das schien Beobachtern eine riskante Strategie zu sein, doch Krause sollte recht behalten.

Privates Glück: Unterstützung von Verlobtem Sebastian Müller

Auf der Bühne wird es auch noch persönlich. Krause dankt seinem Verlobten Sebastian Müller. „Er war eine große Stütze“, sagt er später im Gespräch. Gleichzeitig betont er, dass diese Unterstützung auf Gegenseitigkeit beruhe. Müller ist Arzt, geht seinen eigenen Weg – und das schätzt Krause: „Einen Partner auf Augenhöhe zu haben, der da ist, wenn man ihn braucht.“ Trotz der neuen Aufgabe wolle man sich gemeinsame Zeit bewahren.

Viele Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer haben zu dem Triumph ihres Kandidaten beigetragen. Ihre T-Shirts erinnern an die von Rockbands.
Viele Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer haben zu dem Triumph ihres Kandidaten beigetragen. Ihre T-Shirts erinnern an die von Rockbands. © Sigi Müller

Ab morgen werde gearbeitet, sagt Krause. „Ich habe Demut vor dem Amt.“ Es gebe einiges zu tun. „Wir werden mit allen demokratischen Parteien sprechen“, sagt er. Ihm sei es wichtig, miteinander zu sprechen und vielleicht auch über die üblichen Parteigrenzen hinweg zusammen zu kommen.

Erfolgsrezept im Wahlkampf: Sachlich, ruhig, strategisch

Als Zweiter Bürgermeister war Krause bereits Teil der Rathausspitze – und steht nun doch für einen klaren Bruch mit der Vergangenheit. Der in Obermenzing aufgewachsene Politiker hat im Wahlkampf immer wieder auf Zusammenarbeit gesetzt, auf Zuhören, auf Ausgleich.

Der 35-Jährige hat sich im Laufe dieses Wahlkampfs sichtbar weiterentwickelt, hat gezeigt, dass er dieses Amt ausfüllen kann. Krause hat geschafft, dass sich in diesen Wochen viele in der Stadt an den Gedanken gewöhnt haben, nicht nur irgendeinen Grünen, sondern genau diesen Grünen als Oberbürgermeister zu haben.

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  • Boandl_kramer vor 10 Minuten / Bewertung:

    Das Wahlvolk hat entschieden: München - Reiter - basst nimmer.

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  • Sani Bonani vor 6 Stunden / Bewertung:

    Die Präsenz offen schwuler Politiker in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen.
    Guido Westerwelle 2009-2013, Aussenminister, Jens Spahn, Gesundheitsminister, Klaus Wowereit, Bürgermeister von Berlin und viele andere. Was haben sie erreicht für die Bundesrepublik Deutschland? Eigene Kinder? Funktioniert nicht. Sodom und Gomera und die Schlafschafe laufen denen hinterher.

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  • doket vor 3 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Sani Bonani

    Mir erschließt sich ja nicht, was die Sexualität eines Politikers mit dessen Arbeit zu tun haben könnte. Was wissen Sie denn über die Sexualität von Herrn Reiter oder Herrn Baumgärtner.
    Und was hat La Gomera mit Schlafschafen zu tun?

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