Hier tut sich viel: Wichtige Veränderung an bekanntem Münchner Platz
Knotenpunkt für den ÖPNV, Verweilzone und Stadtviertelzentrum – der Harras in Sendling ist vieles. Der Platz an der Einmündung der Albert-Roßhaupter-Straße in die Plinganserstraße hat zudem eine lange Geschichte. Und ist weiter ständig in Bewegung: In den kommenden Wochen tut sich dort wieder einiges. Wo früher die Postbank war, soll im Herbst ein Biomarkt eröffnen. McDonald's wird modernisiert, und ein neuer Kiosk will künftig sogar wieder Postdienste anbieten.
Am Harras sitzen Menschen auf der langen Holzbank, die sich durch die Mitte zieht, warten auf den nächsten Bus oder hetzen zur S-Bahn. In den vergangenen Monaten mussten die Anwohner allerdings auch einige Veränderungen verkraften. Wie die AZ exklusiv berichtete, hat etwa der große Edeka im Juni für einen Umbau geschlossen. Bis Dezember sollen die Arbeiten dauern.
Post am Harras: Nachfolger wird Biomarkt
Besonders schmerzlich war für viele der Abschied von der großen Postbank-Filiale im historischen Gebäude mit der Hausnummer 2. Rund 100 Jahre lang wurden von dort Briefe und Pakete verschickt. Nun ist das Erdgeschoss leer geräumt, die Fenster sind mit großen Planen verhängt. Was in die Räume des Bauhaus-Denkmals einziehen würde, beschäftigte die Sendlinger deshalb seit Monaten.

Nun steht der Nachfolger fest, wie die AZ exklusiv erfahren hat: In das Erdgeschoss kommt ein Biomarkt. "Wir freuen uns, bald auch am Münchner Harras im Stadtteil Untersendling einen neuen Denns Biomarkt zu eröffnen", bestätigt Dennree-Pressesprecherin Daniela Wolf der AZ.
Noch laufen die Umbauarbeiten. Geplant sei ein "modernes, freundlich gestaltetes Ambiente" für die Kunden, zugleich solle der Charakter des denkmalgeschützten Gebäudes erhalten bleiben, sagt Wolf. Im Oktober soll der Denns-Biomarkt auf rund 350 Quadratmetern eröffnen.
Biomarkt am Harras: Eröffnung im Oktober
Viele Sendlinger hatten sich für den zentralen Standort Gastronomie gewünscht. Auch der damalige BA-Vorsitzende Markus Lutz (SPD) machte sich dafür stark. "Wenn man mich fragt, darf hier kein Büro rein, sondern muss am Harras in das Baudenkmal eine schöne bayerische Wirtschaft her", sagte Lutz im Februar der AZ.

Eine bayerische Wirtschaft wird es nicht. Ganz ohne Gastronomie bleibt der Standort trotzdem nicht: In den Biomarkt soll ein kleines Bistro integriert werden, teilt das Unternehmen mit.
Mit einem temporären Verlust in Sachen Gastro müssen die Sendlinger allerdings noch auskommen – zumindest die Fast-Food-Fans. Wer beim Umstieg von Bus auf Bahn schnell noch einen Burger bei McDonald's essen möchte, steht derzeit vor verschlossenen Türen.
McDonald's-Filiale bis September dicht
Ein Blick in die beliebte Filiale zeigt: Drinnen ist kaum noch etwas an seinem Platz. Die Räume sind vollständig entkernt, der Eingang weitläufig abgesperrt. Doch die Filiale soll zurückkommen. Ein McDonald's-Sprecher bestätigt der AZ, das Restaurant werde derzeit "umfassend nach den neuesten McDonald's-Standards modernisiert".

Das Unternehmen bekennt sich damit klar zu dem Standort, nachdem in der Vergangenheit immer wieder Filialen aus den Vierteln verschwunden sind. Die Harras-Filiale ist eine der ältesten McDonald's-Filialen Münchens. Eröffnet wurde sie 1974.
Postfiliale kehrt im Kiosk zurück
"Im Rahmen des Umbaus werden die Küche, der Gästebereich sowie die technische Infrastruktur umfassend erneuert und auf den neuesten Stand gebracht", sagt McDonald's. Noch vor der Wiesn – am 17. September – sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Der Konzern investiere in den kommenden Jahren stark in den Ausbau und die Modernisierung seines Restaurantnetzes, heißt es weiter. Rund 500 zusätzliche Restaurants sollen eröffnet werden.
Und noch eine gute Nachricht für die Sendlinger: Eine Postfiliale soll an den Harras zurückkehren – in den neuen Madlen-Kiosk im ehemaligen Herrmannsdorfer in der Hausnummer 14. Die Bio-Metzgerei hatte im Mai aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen. Bereits kommende Woche soll dafür der Kiosk eröffnen, zunächst mit Paketshop, perspektivisch dann auch mit einer vollwertigen Postfiliale.
Beim Wort Kiosk dürften sich manche Sendlinger allerdings fragen: "Noch einer?" Neben Barbershops ersetzten hier jüngst vor allem Kioske langjährige Geschäfte. Erst kürzlich hat gegenüber dem Harras der "Kiosk 11" in der Plinganserstraße 47 den Betrieb aufgenommen. Und seit rund zwei Jahren gibt es in der Albert-Roßhaupter-Straße 2 den "E-Kiosk24" – komplett ohne Personal und rund um die Uhr geöffnet.
Kiosk-Hype in München: "Menschen gehen gerne spät raus"
Der Madlen-Kiosk soll allerdings anders werden, sagt Betreiber Dalor Khiro Ali. Der Laden am Harras ist der vierte Madlen-Standort, benannt nach seiner kleinen Schwester. Ein weiterer soll bald am Pasinger Bahnhofsplatz folgen. Das Geschäft mit den kleinen Läden scheint zu boomen. Nicht nur am Harras schießen Kioske aus dem Boden.

Ali sieht dafür vor allem zwei Gründe. "Die Menschen in München gehen gerne spät raus – gerade im Sommer", sagt er. Da sei es praktisch, sich auch spätabends noch schnell ein Getränk oder ein Eis holen zu können. Hinzu kommt die Lust der Münchner, draußen zu sein und sich etwas für unterwegs mitzunehmen.
Kioske seien außerdem eine immer wichtigere Anlaufstelle für Dinge des täglichen Bedarfs, wenn die üblichen Supermarktöffnungszeiten längst vorbei sind. Auch Ali will in seinem Laden am Harras Milch, Mehl und Zucker anbieten – ebenso wie Hygieneartikel.
Kaffee statt Party am Harras
Von den teils negativ besetzten 24-Stunden-Kiosken oder "Assi-Spätis", wie er sie nennt, mit Partys vor der Tür, möchte sich Ali bewusst abgrenzen. Ihm sei der persönliche Kontakt zu den Kunden wichtig, sagt er: einen guten Morgen wünschen, ein bisschen Small Talk halten.
Zwar wird es auch vor seinem Kiosk rund fünf Tische zum Verweilen geben. Alkoholkonsum sei dort aber weder erwünscht noch erlaubt. Stattdessen können es sich die Anwohner bei einem Kaffee gemütlich machen.

Der Harras war schon immer ein Ort des Kommens und Gehens. Menschen steigen aus dem Bus, wechseln in die S-Bahn, holen schnell noch etwas zu essen oder warten auf den nächsten Anschluss. Nun verändert sich auch das, was sie rund um den Platz vorfinden. Alte Geschäfte verschwinden, neue kommen hinzu. Am Harras bleibt also vieles in Bewegung.
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