Großeinsatz in München: Sieben Polizisten bei Demonstrationen verletzt

An die 20.000 Menschen sind in München, Bamberg und Regensburg gegen Rechts auf die Straße gegangen. Weitere Demonstrationen in beiden Städten richteten sich gegen die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Gefordert wurde der Rücktritt der Regierenden. An den Demos gegen die Bundesregierung beteiligten sich laut Polizei knapp 2.000 Menschen. Die Kundgebungen verliefen weitgehend störungsfrei.
Prüf-Demo mit 12.000 Menschen
Am Kurt-Huber-Platz vor der Ludwig-Maximilians-Universität nahmen nach Angaben der Polizei rund 12.000 Menschen an einer sogenannten Prüf-Demo teil – viermal so viele wie ursprünglich angemeldet. Veranstalter Till Hofmann vom Bellevue di Monaco sprach sogar von rund 15.000 Menschen. In Regensburg und Bamberg gingen ebenfalls insgesamt rund 5000 Menschen gegen Rechts auf die Straße, wie die dortige Polizei mitteilte.
Am Königsplatz in München wehten am Samstagnachmittag Deutschlandfahnen. Dort forderten laut Polizei in der Spitze bis zu 250 Demonstranten: "Diese Regierung muss weg." Angemeldet war die Veranstaltung ursprünglich für bis zu 1000 Teilnehmer.
An der nahe gelegenen Arcisstraße und in der Umgebung versammelten sich laut Polizei in verschiedenen mehr oder weniger großen Gruppen insgesamt rund 600 Gegendemonstranten. Einige von ihnen versuchten, in die Nähe der Versammlung "Merz muss weg" zu gelangen. Daher wurde der Demozug der Merz-Kritiker abgesagt, die Kundgebung fand nur mehr stationär statt.
Sieben Polizisten verletzt
Die Polizei bot Gegendemonstranten einen Versammlungsort im Bereich zwischen der Antikensammlung und der Glyptothek an. Im weiteren Verlauf näherte sich eine Gruppe Opponierender der Versammlung "Merz muss weg", so ein Polizeisprecher. "Dabei kam es zu Angriffen auf Polizisten." Auch auf einen Streifenwagen schlugen Demonstrierende ein. Die Beamten setzten Pfefferspray ein, um die Angreifer zurückzudrängen. Dabei wurden sieben Polizisten leicht verletzt. Drei Angreifer wurden festgenommen, vier weitere entkamen, bevor sie identifiziert werden konnten.
Zu einer weiteren Protestkundgebung hatte die Organisation "Omas gegen Rechts" am Sendlinger Tor aufgerufen. "Hier ist kein Platz für rechte Hetze" und "Braune Soß nur zum Kloß", lauteten die Slogans.
OB Krause: "Wie lange wollen wir noch zuschauen?"
Die größte Protestkundgebung an der Uni verlief ohne Zwischenfälle. Die Teilnehmer zeigten sich laut und kämpferisch. Christl Sittenauer von der Lach- und Schießgesellschaft forderte: "Es muss was passieren." Gemeint hatte sie damit ein Verbotsverfahren gegen die AfD.
Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) wurde von der Menge mit lautem Applaus begrüßt. Von der Bühne runter rief er: "Wie lange wollen wir noch zuschauen?" Der OB warnte vor "falscher Toleranz" gegenüber denjenigen, "die unsere freiheitliche Demokratie hassen" und "von einem autoritären Staat träumen". Längst, so Dominik Krause weiter, hätte ein Verbotsverfahren eingeleitet werden müssen, es sei höchste Zeit. Die Brandmauer zur AfD dürfe keinesfalls fallen, sagte Krause. Der Versuch, Faschisten die Hand zu reichen, sei schon einmal schiefgegangen.
Sitzblockade und nun auch "Omas gegen Frieden"
Auch in Bamberg waren Deutschlandfahnen zu sehen: Mit Trommeln und Trillerpfeifen zogen bei einer Demo der Initiative "Einigkeit für Deutschland – Projekt M1llion" laut Polizei rund 1.500 Menschen durch die Stadt. "Merz muss weg", hieß es auf einem Transparent, auf einem anderen stand "Omas gegen Frieden". Die Gruppe fordert unter anderem Neuwahlen, einen Migrationsstopp und den Rücktritt der Bundesregierung.

An einer Gegendemo beteiligten sich rund 4.000 Menschen. Dazu aufgerufen hatten verschiedene Organisationen, darunter die "Omas gegen Rechts". "Hier ist kein Platz für rechte Hetze" und "Braune Soß nur zum Kloß", lauteten hier die Slogans.

Nur kurzzeitig sei es hier zu Verzögerungen der Demo von "Projekt M1llion" gekommen, berichtete ein Polizeisprecher. 14 Menschen hätten mit einer Sitzblockade versucht, den Demo-Zug aufzuhalten. Einige hätten weggetragen werden müssen, ehe die Demonstranten von "Projekt M1llion" weitermarschieren konnten.
In Regensburg gingen rund 3.500 Menschen gegen Rechts auf die Straße, wie die Polizei mitteilte. Die Initiative gegen Rechts (IgR) hatte angesichts des AfD-Wahlerfolgs in Sachsen-Anhalt dazu aufgerufen. Man wolle ein klares Signal senden: "Wir stehen weiter zusammen gegen menschenfeindliche Positionen, an der Seite Betroffener der extremen Rechten in Sachsen-Anhalt und für ein offenes, solidarisches Regensburg", teilte die IgR mit.
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