Goretzka sagt ab: Wer über Münchens Olympia-Bewerbung abstimmt
Am Samstag fällt die Entscheidung: Platzt Münchens Olympia-Traum? Oder geht es in die nächste Runde – und darf sich München für Olympische Sommerspiele bewerben? Wie stehen die Chancen? Die AZ gibt Antworten.
Was wird entschieden?
Am Samstag entscheidet der DOSB, ob sich München oder die Region Köln-Rhein-Ruhr für Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben darf. Eine Garantie, dass die Spiele nach Deutschland kommen, gibt es nicht. Das IOC hat angekündigt, erst 2029 bekanntzugeben, wo Olympia 2036 stattfinden soll.

Warum sind Hamburg und Berlin raus?
63,5 Prozent der Hamburger stimmten Ende Mai gegen eine Bewerbung. Berlin zog seine Bewerbung diese Woche zurück. Der noch Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) begründete das mit dem Wahlerfolg der Linken. Die spricht sich klar gegen Olympia aus. Die Berliner selbst haben nicht über Olympia abgestimmt.
Wer entscheidet jetzt?
Um zu gewinnen, ist eine absolute Mehrheit nötig. Es gibt 144 Stimmen. Die 42 olympischen Spitzenverbände haben jeweils drei Stimmen - macht 126. Aufteilen dürfen die Verbände ihre drei Stimmen nicht. Außerdem dürfen das zehnköpfige DOSB-Präsidium und acht persönliche Mitglieder je eine Stimme vergeben. Darunter wäre Ex-Bayern-Profi Leon Goretzka gewesen. Doch er sagte ebenso ab wie die frühere Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber und die Kanupolo-Spielerin Elena Gilles.
Wer hat die besseren Chancen?
München – ist doch klar! Das hätten die meisten im Rathaus auf diese Frage bis vor kurzem geantwortet. Inzwischen klingen viele nicht mehr so selbstbewusst. "Auch Köln-Rhein-Ruhr hat ein sehr gutes Konzept vorgelegt", gab OB Dominik Krause (Grüne) diese Woche zu, als der DOSB das Ergebnis seiner Bewertung der Konzepte bekannt gab. Bei dieser lag München (87,03 Punkte) nur knapp vor NRW (85,02 Punkte). Was die Sport-Experten im Rathaus optimistisch macht: Auch die Sportverbände, die am Samstag die meisten Stimmen vergeben dürfen, wurden für diese Bewertung befragt. Bei ihnen liegt München immer und zum Teil mit deutlichem Abstand vorn.

Womit will München punkten?
Mit seinem olympischen Erbe: So wie 1972 soll der Olympiapark das Herzstück sein. Auch weitere Anlagen von ‘72 will München nutzen – wie die Ruderregatta in Oberschleißheim oder die Reitanlage in Riem. Das Rathaus wirbt deshalb mit besonders nachhaltigen Spielen. Außerdem soll die Kulisse von München und dem Umland überzeugen: Schwimmen im Starnberger See, Reiten vor Schloss Nymphenburg, Bogenschießen vor Schloss Schleißheim. Punkten will die Münchner Bewerbung zudem mit kurzen Wegen.

Wo überzeugt NRW?
Ein großer Trumpf sind die 17,6 Millionen Tickets, die NRW (nach eigenen Angaben) verkaufen könnte. Das wäre ein neuer Rekord. Möglich wird das, weil 15 Städte (mit Köln als Zentrum) antreten. NRW setzt ebenfalls auf bestehende Stadien. Neu entstehen soll nur ein Leichtathletik-Stadion, das später zu Wohnraum umgewandelt werden soll. Der Kölner OB Torsten Burmester (SPD) nannte die Bewerbung in der AZ das „innovative und moderne Zukunftsversprechen“.

Wo kann man die Entscheidung verfolgen?
Am Samstag ab 13.45 Uhr entscheidet der DOSB. Vor Ort sind Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und OB Dominik Krause (Grüne). Der BR sendet live. Die AZ berichtet ebenfalls laufend online.
