Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Ausländische Arbeiter am HKW Süd protestieren

Osteuropäer bauen das Heizkraftwerk Süd um. Doch ihr Lohn beträgt gerade mal die Hälfte von dem, was ein deutscher Arbeiter bekommen würde.
| Christina Hertel
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Martin Marcinek von Verdi fordert, dass die osteuropäischen Arbeiter wie deutsche bezahlt werden.
Martin Marcinek von Verdi fordert, dass die osteuropäischen Arbeiter wie deutsche bezahlt werden. © Bernd Wackerbauer

München - Statt Brotzeit zu machen, hielt Kristof am Donnerstag um 13 Uhr ein Plakat: "Fairer Lohn - Equal Pay für Werkarbeiter bei den SWM". Und statt sich auszuruhen, sprach er in seiner Pause mit der Abendzeitung.

Heizkraftwerk Süd wird für die Energiewende umgebaut

Eigentlich heißt Kristof anders, aber er will nicht, dass sein Arbeitgeber erfährt, dass er sich an einem Protest beteiligt. Denn seine Familie in Ungarn wartet jeden Monat auf das Geld, das er nach Hause schickt. Seit Anfang April hat er sie nicht mehr gesehen, denn seitdem baut er ins Heizkraftwerk Süd an der Isar eine neue Turbine ein.

Die Anlage wird für die Energiewende umgebaut. Dort, wo einst Kohle und Müll verbrannt wurden, soll Deutschlands größte Geothermieanlage entstehen. Für diese Arbeit beauftragten die Stadtwerke Firmen, die wiederum Arbeiter und Ingenieure einsetzen, die zum Großteil aus Polen, Kroatien und Ungarn kommen.

Die Arbeiter stammen aus Polen, Ungarn und Kroatien.
Die Arbeiter stammen aus Polen, Ungarn und Kroatien. © Bernd Wackerbauer

Deutsche Kollegen habe er kaum welche, sagt Kristof. Hätte er einen deutschen Pass, würde er wohl das Doppelte verdienen.

So viel verdiene ausländische Arbeiter am HKW Süd

Gerade mal etwas mehr als neun Euro erhalten die osteuropäischen Arbeiter in der Stunde, sagt Franz Schütz von der Gewerkschaft Verdi. Deutsche Facharbeiter würden mindestens 18 Euro verdienen.

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Das ist ungerecht, findet Verdi und finden die Arbeiter. Deshalb protestierten sie vor dem Heizkraftwerk. Ihre Forderung: ein Lohn, der deutschen Verhältnissen entspricht. Tamás Székely, der Vorsitzende der ungarischen Chemiegewerkschaft, reiste sogar acht Stunden von Budapest nach München, um an der Kundgebung teilnehmen zu können. Er hält es auch deshalb für wichtig, dass seine Landsleute ebenso viel verdienen wie deutsche Arbeiter, weil München so teuer ist. "Ein Bier in einer Gaststätte kostet in Ungarn gerade einen Euro", sagt Székely.

In München gehe er nie in eine Gaststätte, sagt Kristof. Das sei viel zu teuer. "Ich lebe hier auf ganz schmalem Fuß." Mittags hole er sich immer nur schnell etwas im Supermarkt.

Gleichzeitig arbeite er hart: Zehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Seit April habe er seine Frau und seine Kinder nicht mehr gesehen und bis Oktober wird es wohl noch so weitergehen.

Ihre Familien haben sie seit Monaten nicht gesehen.
Ihre Familien haben sie seit Monaten nicht gesehen. © Bernd Wackerbauer

Das sagt SWM zu ungleichem Lohn ausländischer Arbeiter

Obwohl die Kroaten, Ungarn und Polen ein Münchner Kraftwerk umbauen, sehen sich die Stadtwerke offenbar nicht in der Verantwortung - schließlich sind die Arbeiter bei einem anderen Unternehmen angestellt, so das Argument der SWM. "Wir bitten um Verständnis, dass es uns nicht möglich ist, externen Dienstleistern Vorschriften hinsichtlich der Vergütung für deren Mitarbeiter zu machen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen", antworten die SWM auf eine Anfrage der AZ. Laut Gesetz ist der Mindestlohn genug. Allerdings gehe es nicht um das Gesetz, sondern die Moral, sagt Martin Marcinek von Verdi.

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