Gibts auf der Wiesn bald nur noch Öko-Fleisch?

Die Stadt denkt darüber nach, bei öffentlichen Festen Fleisch aus artgerechter Haltung zur Vorschrift zu machen - das Oktoberfest macht da keine Ausnahme.
| Florian Zick
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Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mit Stephanie Weigel vom Aktionsbündnis und der stimmgewaltigen Wurst.
Bernd Wackerbauer/Tollwood Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mit Stephanie Weigel vom Aktionsbündnis und der stimmgewaltigen Wurst.

München - Ein Grillhendl möchte man nun wahrlich nicht sein: Erst ist man eingesperrt auf allerengstem Raum und muss sich mit Tausenden anderen um jeden Zentimeter Platz zanken. Es gibt nie ein Leckerli, sondern immer nur das gleiche billige Futter. Und nach rund 30 Tagen landet man zu allem Überfluss auch noch auf dem Rost. Ein erfülltes Leben sieht anders aus.

Weil es vielen anderen Tieren nicht viel besser geht als den Grillhendln, hat sich vor knapp einem Jahr das Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ formiert. Dieses setzt sich dafür ein, dass die Stadt in ihrem Wirkungskreis darauf achtet, dass nur noch Produkte aus artgerechter Tierhaltung eingesetzt werden – in den Rathaus-Kantinen beispielsweise, bei städtischen Empfängen oder bei öffentlichen Veranstaltungen.

Am morgigen Donnerstag hätte es nun endlich so weit sein sollen. Plangemäß hätte der Stadtrat da ein Konzept zur Vermeidung von Fleisch aus Tierfabriken verabschieden sollen. Aus Sicht der Öko-Aktivisten sind die darin gemachten Vorschläge allerdings wenig überzeugend. „Sehr enttäuschend“ sei die Beschlussvorlage, sagt Stephanie Weigel vom Tollwood-Festival, das das Aktionsbündnis ins Leben gerufen hat.

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Die Leute von „Artgerechtes München“ haben Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gestern deshalb eine zur Wurst geformte Unterschriftenliste übergeben. Rund 30 000 Münchner sprechen sich darin dafür aus, dass die Stadt mehr im Bereich Tierschutz unternimmt.

Der OB zeigte sich beeindruckt von der „bemerkenswerten Zahl“ an Unterstützern und versprach, sich für weitreichende Maßnahmen einzusetzen. Denn auch ihm vergehe regelmäßig der Appetit, wenn ihm mal wieder Bilder von Legebatterien vor Augen kämen.

Gemeinsam mit den Grünen will die SPD morgen im Stadtrat deshalb ein paar Änderungen durchboxen. „Wir sollten als Stadt da Vorbildcharakter haben“ findet Reiter. Deshalb sollen in München künftig ein paar Pilotprojekte durchgeführt werden.

So soll auf dem nächsten Stadtgründungsfest nur noch Fleisch aus artgerechter Haltung verkauft werden dürfen. Vorstellbar ist auch, dass diese Regelung irgendwann sogar auf das Oktoberfest ausgeweitet wird.

Die Wiesn-Hendl würde das sicher freuen. Doch bevor es soweit kommt, soll noch eine Teststufe zwischengeschaltet werden. Denn zumindest ein paar Cent mehr kostet so ein glückliches Hendl schon. Und auf den Dulten, so die Vorstellung von SPD und Grünen, könnte man wunderbar ausprobieren, ob die Münchner gewillt wären, für die artgerechte Erzeugung auch ein bisschen was draufzulegen.

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