Geheimnisvoller Bronze-Pumuckl an Münchner Brunnen: Jetzt spricht der Künstler
Vor einigen Wochen hat die AZ ihn am Wittelsbacherbrunnen am Lenbachplatz entdeckt, seither haben viele Medien über ihn berichtet: Der kleine bronzene Pumuckl mit einer Maß in den Händen, der dort auf den Steinen hockt.
Der Künstler, Mykhailo Kolodko, ist dafür bekannt solche Guerilla-Skulpturen in verschiedensten europäischen Städten anzubringen. Zum Pumuckl hat er sich bisher nicht geäußert. Der AZ hat er nun aber Fragen beantwortet. Der Ukrainer lebt und arbeitet in Budapest, die Fragen hat er per Mail beantwortet.

AZ: Herr Kolodko, wann haben Sie den Pumuckl hier in München installiert?
MYKHAILO KOLODKO: Am Eröffnungstag des Oktoberfests 2022, als das Fest nach einer zweijährigen Pause wegen der COVID-19-Pandemie wieder stattfand. Darum hält der Pumuckl eine Maß. Er sitzt an der Seite des Brunnens, wo die allegorische Figur des reinen Wassers sich befindet. Das reine Wasser ist natürlich eine der wichtigsten Zutaten eines exzellenten Biers.
Warum der Pumuckl?
Es ist eine meiner Lieblingsfiguren seit der Kindheit. Da habe ich zum ersten Mal diese Mischung gesehen aus Realität – in der Form der echten Filmsequenzen – und einer fantastischen Welt, die durch die Animation gezeigt wird.
Das hat Sie fasziniert?
Ich glaube, genau da wurde in mir dieser Wunsch geboren, die fantastische Welt in die Alltagsrealität zu bringen, sodass sie die Leute unerwartet in ihrem Alltag trifft. Viele Jahre später, nachdem ich das Kunsthandwerk gelernt habe, hatte ich die Gelegenheit, das in meiner Arbeit zu verwirklichen.

Was gefällt Ihnen am Pumuckl?
Er ist von Natur aus unsichtbar und zeigt sich den Leuten nur, wenn er sich dazu entscheidet. Er findet immer einen Ort, wo ihn niemand erwartet. Darum ist die kleine Pumuckl-Figur, die im öffentlichen Raum platziert ist, auf eine gewisse Art eine Erweiterung seines Charakters: Er taucht in der echten Welt wieder auf, aber nicht mehr als fantastische Figur auf einem Bildschirm – sondern als kleine Statue, die die Leute per Zufall entdecken können.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Stadt?
Meine Figur ist sehr vorsichtig, fast intim, aber trotzdem ein Eingriff in den städtischen Raum. Es ist mir wichtig, dass diese Verbindung direkt und unerwartet bleibt – ohne Zeugen, offizielle Erlaubnis oder eine Enthüllungszeremonie.

Warum?
Ich glaube, dass die Präsenz dieser Formalitäten zu einem gewissen Grad das Verhältnis zwischen der Skulptur und der Stadt verschlechtert. Es muss eine persönliche Begegnung sein, die eine Person per Zufall hat. Es ist, wie wenn man zufällig an einem Pärchen vorbeigeht, das sich küsst. Du weißt nicht, wer sie sind, wie sie sich kennengelernt haben oder warum sie da sind. Aber du bist per Zufall ein Zeuge ihrer Nähe geworden.
Das wollen Sie reproduzieren?
Mit meinen Skulpturen erlebt der Zuschauer Mikro-Erinnerungen an solche Küsse – kleine Spuren von Zufallsbegegnungen zwischen der Kunst und der Stadt. Darum hinterlasse ich gerne solche kleinen Begegnungen in verschiedensten Städten in Europa. Als kleine Spuren meiner persönlichen Verbindung mit diesen Städten.
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